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Balkonkraftwerk

Balkonkraftwerk-Ertrag realistisch berechnen

Ausrichtung und Neigung entscheiden über den Ertrag, die Eigenverbrauchsquote über das Geld. Beide Zahlen lassen sich vorher gut abschätzen.

Der Ertrag eines Balkonkraftwerks lässt sich mit zwei Angaben gut abschätzen: Ausrichtung und Neigung. Beide zusammen bestimmen, wie viel Sonne im Jahr auf die Modulfläche trifft. Alles andere – Modultyp, Wechselrichtermarke, Kabellänge – bewegt die Zahl um wenige Prozent, die Ausrichtung um mehr als das Doppelte.

Ertrag nach Ausrichtung und Neigung

Die Tabelle geht von einem üblichen Set mit zwei Modulen um 900 Watt-Peak und einem 800-Watt-Wechselrichter aus, für einen durchschnittlichen deutschen Standort ohne nennenswerte Verschattung.

Ausrichtung und Neigung kWh je kWp Jahresertrag bei 900 Wp
Süd, 30 Grad geneigt (Aufständerung) 900–1.000 810–900 kWh
Süd, 90 Grad senkrecht (Brüstung) 600–720 540–650 kWh
Südost oder Südwest, 30 Grad 800–900 720–810 kWh
Ost oder West, 90 Grad senkrecht 400–520 360–470 kWh
Nord, beliebig 250–350 225–315 kWh

Zwei Korrekturen musst du selbst anbringen. Standort: Süddeutschland liegt grob 10 bis 15 Prozent über Norddeutschland. Verschattung: Ein Baum, ein Nachbarhaus oder die eigene Balkonbrüstung, die im Winter das untere Modulviertel verdeckt, kostet mehr, als die verschattete Fläche vermuten lässt – bei Reihenverschaltung fällt der ganze Modulstrang zurück. Moduloptimierer oder zwei getrennte Eingänge am Wechselrichter mildern das.

Warum senkrecht nicht schlecht ist

Die Brüstungsmontage verliert rund ein Drittel des Jahresertrags. Sie hat aber zwei Vorteile: Im Winter, wenn die Sonne flach steht, liefert eine senkrechte Fläche relativ mehr als eine flach geneigte, und Schnee bleibt nicht liegen. Die Tageskurve wird flacher, was der Eigenverbrauchsquote hilft. Wer die Wahl hat, nimmt trotzdem die Neigung – Details zur Befestigung stehen unter Montage auf Balkon und im Garten.

Die Eigenverbrauchsquote entscheidet über das Geld

Erzeugter Strom, den du nicht selbst verbrauchst, fließt ins Netz und wird bei Steckersolargeräten praktisch nicht vergütet. Wirtschaftlich zählt also nur der Teil, der im selben Moment in deiner Wohnung landet.

Haushaltstyp Grundlast typische Quote
tagsüber leer, kein Homeoffice 80–120 W 45–55 Prozent
Mischform, jemand oft zu Hause 120–180 W 55–70 Prozent
Homeoffice, Gefriertruhe, Aquarium 180–250 W 65–80 Prozent

Die Quote lässt sich anheben, ohne etwas zu kaufen: Wasch- und Spülmaschine mit Zeitvorwahl auf mittags legen, den Trockner am Wochenende bei Sonne laufen lassen, den Warmwasserboiler in die Mittagsstunden schieben. Das sind die gleichen Verbraucher, die auch bei Strom sparen im Haushalt auftauchen – hier geht es nicht ums Weglassen, sondern ums Verschieben.

Ob ein Speicher die Quote wirtschaftlich sinnvoll erhöht, ist eine eigene Rechnung mit meist ernüchterndem Ergebnis, siehe Speicher beim Balkonkraftwerk.

Die Amortisationsrechnung

Drei Zahlen genügen:

  1. Jahresertrag aus der ersten Tabelle.
  2. Eigenverbrauchsquote aus der zweiten.
  3. Strompreis, im Sommer 2026 grob 30 bis 42 Cent je Kilowattstunde.

Ein Beispiel, Westbalkon senkrecht, 900 Watt-Peak, Homeoffice-Haushalt:

  • Ertrag: 430 kWh
  • Eigenverbrauch: 70 Prozent, also 300 kWh
  • Ersparnis: 300 × 0,36 Euro = 108 Euro pro Jahr
  • Set für 550 Euro: amortisiert nach gut fünf Jahren

Und derselbe Haushalt mit aufgeständerter Südfläche im Garten:

  • Ertrag: 850 kWh
  • Eigenverbrauch: 55 Prozent (die Mittagsspitze passt schlechter zum Bedarf), also 470 kWh
  • Ersparnis: rund 170 Euro pro Jahr
  • Set mit Aufständerung für 700 Euro: amortisiert nach gut vier Jahren

Beide Rechnungen zeigen dasselbe Muster: Der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Aufstellung liegt bei ein bis drei Jahren Amortisation, und selbst die schlechtere Variante rechnet sich innerhalb der Gerätelebensdauer. Module werden üblicherweise mit 20 bis 25 Jahren Leistungsgarantie verkauft, der Wechselrichter ist das Bauteil, das eher altert.

Den eigenen Ertrag nachprüfen

Nach dem ersten Jahr weißt du es genauer, als jede Tabelle es sagen kann. Die meisten Wechselrichter zählen die erzeugte Energie mit und zeigen sie in der App. Vergleiche diesen Wert mit der Schätzung aus der ersten Tabelle: Liegt er deutlich darunter, ist meist Verschattung die Ursache, seltener ein Defekt.

Die zweite Zahl, die Eigenverbrauchsquote, siehst du dort nicht. Sie lässt sich näherungsweise ermitteln, indem du deinen Netzbezug aus dem Jahr vor der Anlage mit dem danach vergleichst. Die Differenz ist der selbst genutzte Solarstrom – vorausgesetzt, sonst hat sich nichts geändert. Genau deshalb lohnt es sich, den Zählerstand am Tag der Inbetriebnahme zu notieren.

Was die Rechnung kippen kann

  • Deutliche Verschattung, die im Ertragsansatz nicht berücksichtigt ist.
  • Ein Umzug vor der Amortisation. Die Anlage lässt sich mitnehmen, aber der Aufwand fällt zweimal an, und die Anmeldung ist zu aktualisieren.
  • Teure Sonderhalterungen, die den Setpreis verdoppeln.
  • Ein Speicher, der die Investition verdoppelt und die Ersparnis nicht.

Bevor du bestellst

Klär zwei Dinge vorab, sonst steht das Set in der Ecke: die formale Seite mit Marktstammdatenregister, Vermieter und Eigentümergemeinschaft unter Anmeldung und Recht, und die technische Seite mit Einspeisegrenze, Steckertyp und Drosselung unter Wechselrichter und Technik.

Die Grenzwerte für Steckersolargeräte wurden in den vergangenen Jahren mehrfach angehoben. Was hier steht, ist Stand August 2026; verbindlich sind die Angaben der Bundesnetzagentur und deines Netzbetreibers.

Häufige Fragen

Wie viel Strom liefert ein Balkonkraftwerk im Jahr?

Mit zwei Modulen um 900 Watt-Peak und einem 800-Watt-Wechselrichter liegen aufgeständerte Südanlagen bei etwa 750 bis 900 Kilowattstunden, senkrecht montierte Südanlagen bei 500 bis 650 und Ost- oder Westbalkone bei 350 bis 500. Verschattung durch Nachbargebäude oder Bäume zieht davon spürbar ab. Rechne im Zweifel mit dem unteren Wert.

Was ist die Eigenverbrauchsquote?

Der Anteil des erzeugten Stroms, den du im selben Moment selbst verbrauchst. Nur dieser Anteil ersetzt gekauften Strom und ist damit das Geld wert. Bei Haushalten mit ständiger Grundlast aus Kühlschrank, Router und Serverchen liegt sie höher als bei Wohnungen, die tagsüber leer stehen.

Bekomme ich Geld für eingespeisten Strom?

In der Praxis nein. Für Steckersolargeräte ist eine Einspeisevergütung zwar theoretisch denkbar, sie setzt aber Messtechnik und Anmeldewege voraus, die den Aufwand nicht lohnen. Rechne den Überschuss mit null Euro – wer ihn nutzen will, verschiebt Verbräuche in die Mittagsstunden.

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk auf der Nordseite?

Kaum. Eine Nordfläche liefert grob 250 bis 350 Kilowattstunden je Kilowatt-Peak, also etwa ein Drittel der Südvariante. Die Amortisation zieht sich damit über die Lebensdauer der Kabel hinaus. Sinnvoller ist eine Ost- oder Westfläche oder eine aufgeständerte Aufstellung im Garten.

Wie rechne ich meine Amortisation aus?

Selbst verbrauchte Kilowattstunden mal Strompreis ergibt die jährliche Ersparnis, Anschaffungskosten geteilt durch diese Ersparnis ergibt die Jahre. Beispiel: 420 Kilowattstunden mal 0,36 Euro sind rund 150 Euro; ein Set für 600 Euro ist nach vier Jahren bezahlt. Die Module halten deutlich länger, garantiert werden meist 20 bis 25 Jahre Leistungsabgabe.

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