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Garten und Natur

Ein naturnaher Garten ist kein ungepflegter Garten. Er ist einer, in dem Nahrung, Nistplatz und Winterquartier vorkommen – und das geht auf zwei Quadratmetern Balkon genauso wie auf 400.

Ein naturnaher Garten ist nicht der Garten, in dem nichts gemacht wird. Er ist der Garten, in dem drei Dinge gleichzeitig vorkommen: Nahrung über die gesamte Saison, Nistplätze und ein Ort zum Überwintern. Fehlt eines davon, bleibt die Fläche schön anzusehen und trotzdem leer. Das gilt für 400 Quadratmeter Garten wie für zwei Quadratmeter Balkon.

Nahrung heißt Blüte, aber nicht jede Blüte

Gefüllte Blüten, wie sie viele Zierformen von Rosen, Dahlien oder Ranunkeln haben, sind für Insekten wertlos. Die zusätzlichen Blütenblätter sind umgewandelte Staubblätter, es gibt also weder Pollen noch erreichbaren Nektar. Ungefüllte, möglichst heimische Arten sind die Grundlage.

Wichtiger als die Artenzahl ist der Zeitraum. Die kritischen Phasen liegen nicht im Juni, wenn alles blüht, sondern im Februar und im Oktober. Frühe Weiden, Krokusse und Lungenkraut versorgen die ersten Wildbienen, spät blühender Efeu trägt die letzten durch. Welche Arten sich dafür eignen und wie du ein Beet über die Saison staffelst, steht unter Insektenfreundliche Pflanzen.

Wildbienen brauchen anderes als Honigbienen

Die Honigbiene ist ein Nutztier und nicht gefährdet. Gefährdet sind die rund 590 Wildbienenarten, von denen etwa die Hälfte auf der Roten Liste steht. Viele von ihnen sind auf wenige Pflanzengattungen spezialisiert und fliegen nur ein paar Wochen im Jahr.

Der zweite Unterschied betrifft das Nisten. Etwa drei Viertel der Wildbienen graben ihre Nester in den Boden, in offene Sandflächen, Steilkanten oder schütter bewachsene Stellen. Ein aufgeräumter Garten ohne offene Bodenstellen nimmt ihnen genau das. Die Arten, ihre Ansprüche und die einfachen Maßnahmen, die tatsächlich wirken, stehen unter Wildbienen im Garten.

Nisthilfen: das meiste im Handel taugt nicht

Zwischen einem funktionierenden Nistblock und dem üblichen Insektenhotel aus dem Baumarkt liegen Welten. Was nicht funktioniert: Kiefernzapfen, Rindenmulch, Glasröhrchen, Bohrungen in Weichholz und Bohrungen ins Hirnholz, die aufreißen. Was funktioniert: Bohrungen von zwei bis neun Millimetern quer zur Faser in abgelagertes Hartholz, sauber ausgeblasen, dazu hohle Stängel von Schilf oder Bambus.

Für Vögel ist die Lage einfacher, aber die Kastenmaße entscheiden über die Art, die einzieht. Fluglochdurchmesser, Höhe, Ausrichtung und Katzensicherheit sind die vier Punkte, an denen es scheitert. Beides zusammen steht unter Nisthilfen und Insektenhotels.

Schmetterlinge brauchen Raupenfutter, nicht nur Nektar

Der häufigste Fehler im Schmetterlingsgarten: Es gibt Nektarpflanzen für die Falter, aber keine Futterpflanzen für die Raupen. Viele Arten sind hier extrem festgelegt. Ohne Brennnessel keine Tagpfauenaugen, ohne Wiesen-Schaumkraut kaum Aurorafalter. Eine Ecke mit Brennnesseln an einem sonnigen Platz bringt mehr als jeder Schmetterlingsflieder. Der Zusammenhang und eine Liste der wichtigsten Paare aus Falter und Futterpflanze steht unter Schmetterlinge im Garten.

Vögel im Winter

Fütterung ist die naturnahe Maßnahme mit der größten Nähe zum Alltag und gleichzeitig die mit der meisten Diskussion. Sie rettet keine Art, aber sie hilft einzelnen Vögeln durch kalte Phasen, und sie bringt Menschen dazu, genauer hinzusehen. Entscheidend sind Hygiene und Futterart: Eine verschmutzte Futterstelle überträgt Krankheiten schneller, als das Futter nützt. Welche Futtermischung zu welchen Arten passt und wann du besser aufhörst, steht unter Vögel im Winter füttern.

Ohne Garten geht es auch

Balkon und Fensterbrett können erstaunlich viel leisten, wenn die Pflanzenwahl stimmt und die Kästen tief genug sind. Was auf dem Balkon nicht geht, sind Bodennister und Totholzbewohner. Was geht, sind Nektarpflanzen, Hohlraumnister und Wasserstellen. Die Umsetzung steht unter Balkon naturnah gestalten.

Was du weglassen kannst

Ein naturnaher Garten entsteht zu großen Teilen durch Unterlassen, und das ist die billigste Maßnahme überhaupt. Nicht jeden Halm im Herbst abschneiden, denn in hohlen Stängeln überwintern Insekten. Das Laub unter Hecken liegen lassen, weil dort Igel und Puppen sitzen. Eine Ecke mit offener Erde stehen lassen, statt sie zu mulchen, weil die Mehrheit der Wildbienen dort nistet. Auf Rindenmulch als Flächenlösung verzichten, weil er genau diese offenen Stellen zudeckt.

Und Licht: Beleuchtung im Garten zieht nachtaktive Insekten an und hält sie fest, bis sie erschöpft sind. Wer Außenlicht nur bei Bedarf schaltet, warmweiß statt kaltweiß wählt und nach unten abschirmt, verändert damit mehr als mit manchem Beet.

Wer den größeren Zusammenhang sucht, also warum die Artenzahlen zurückgehen und welche Rolle Privatgärten dabei spielen, findet die Einordnung unter Artenvielfalt in Deutschland. Und die Erde für Kästen und Beete lässt sich selbst herstellen, siehe Kompost und Biomüll.

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Häufige Fragen

Soll ich Vögel nur im Winter füttern oder das ganze Jahr?

Die Fachverbände sind sich hier nicht einig. Für die Winterfütterung spricht, dass sie nachweislich einzelnen Vögeln über harte Phasen hilft. Für die Ganzjahresfütterung spricht das knappe Nahrungsangebot in ausgeräumten Landschaften. Unstrittig ist, dass Fütterung keine Naturschutzmaßnahme ersetzt und dass die Futterstelle sauber sein muss.

Funktionieren Insektenhotels wirklich?

Die gekauften oft nicht. Zu große Bohrungen, ausgefranste Ränder, Kiefernzapfen und Rindenstücke als Füllmaterial bringen nichts. Was funktioniert, sind saubere Bohrungen von zwei bis neun Millimetern in Hartholz, quer zur Faser gebohrt, und hohle Pflanzenstängel. Und selbst dann erreichst du nur die Arten, die überhaupt in Hohlräumen nisten.

Welche Pflanzen helfen Insekten am meisten?

Heimische Arten mit ungefüllten Blüten, verteilt über die ganze Saison. Wichtig sind vor allem die Randzeiten, also früh blühende Weiden und Krokusse im Februar und späte Nektarquellen wie Efeu im Oktober. Ein Beet, das nur im Juni blüht, ist eine Lücke im Rest des Jahres.

Geht ein Naturgarten auch auf dem Balkon?

Ja, mit Einschränkungen. Nektar- und Pollenpflanzen in Kästen funktionieren gut, Wildbienen finden Nisthilfen auch im dritten Stock. Was auf dem Balkon fehlt, sind Bodenstruktur und Totholz, also die Lebensräume für die Mehrheit der Arten.

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