Balkonkraftwerk und Steckersolar
Zwei Module am Geländer, ein Stecker in der Steckdose. Was daraus im Jahr wirklich an Kilowattstunden wird, hängt an Ausrichtung, Neigung und deiner Grundlast.
Ein Balkonkraftwerk ist die einzige Form von Solarstrom, die auch ohne eigenes Dach funktioniert: zwei Module, ein Wechselrichter, ein Stecker in der Steckdose. Der Strom fließt in den Hausstromkreis und wird zuerst dort verbraucht, wo gerade etwas läuft. Was daraus finanziell wird, entscheidet nicht die Modulleistung auf dem Karton, sondern der Anteil, den du selbst nutzt.
Die Rechnung, um die es geht
Ein Set innerhalb der Bagatellgrenze darf 800 Watt in den Hausanschluss einspeisen, die Module dürfen zusammen bis 2.000 Watt Nennleistung haben. In der Praxis kommt selten die volle Leistung an, weil Sonnenstand, Temperatur und Verschattung dazwischenkommen.
| Aufstellung | Grober Jahresertrag | Anmerkung |
|---|---|---|
| Senkrecht, Nordseite | 150 bis 300 kWh | Nur Streulicht, meist unwirtschaftlich |
| Senkrecht, Ost oder West | 300 bis 500 kWh | Verteilt sich gut über den Tag |
| Senkrecht, Südbalkon | 400 bis 600 kWh | Im Sommer bremst der steile Sonnenstand |
| Aufgeständert, Süd, 30 Grad | 600 bis 850 kWh | Bester Fall, braucht Garten oder Flachdach |
Die Zahlen sind Größenordnungen, keine Zusagen. Wie du deinen eigenen Standort durchrechnest, ohne dich auf Herstellerangaben zu verlassen, steht unter Ertrag berechnen.
Daraus wird eine einfache Amortisationsrechnung. Ein Set für 400 Euro, das 500 Kilowattstunden im Jahr liefert, von denen du 70 Prozent selbst verbrauchst, spart bei 35 Cent je Kilowattstunde rund 120 Euro pro Jahr. Das Gerät hat sich damit nach gut drei Jahren bezahlt und läuft danach weiter. Verschiebt sich einer der drei Faktoren – Preis, Ertrag oder Eigenverbrauchsquote – um ein Drittel, verschiebt sich das Ergebnis entsprechend. Genau deshalb lohnt es sich, mit den eigenen Werten zu rechnen statt mit denen aus einer Anzeige.
Warum die Grundlast wichtiger ist als die Leistung
Eingespeister Strom, den niemand im Haushalt nutzt, bringt dir nichts. Er fließt ins Netz und wird bei einem Steckersolargerät in aller Regel nicht vergütet. Entscheidend ist deshalb, wie viel dein Haushalt tagsüber dauerhaft zieht: Kühlschrank, Gefriertruhe, Router, Server, Umwälzpumpe. Diese Grundlast liegt in vielen Wohnungen zwischen 80 und 200 Watt.
Ein Gerät, das im Tagesmittel 250 Watt liefert, deckt damit einen guten Teil der Grundlast ab. Wer zusätzlich Waschmaschine und Geschirrspüler in die Mittagszeit legt, hebt den Eigenverbrauch weiter. Wo im Haushalt sonst noch Strom hängt, steht unter Strom sparen im Haushalt.
Anmeldung, Mietrecht, Zähler
Drei Punkte sind zu klären, und alle drei sind einfacher geworden:
- Marktstammdatenregister. Pflicht, kostenlos, wenige Minuten. Die frühere Doppelmeldung beim Netzbetreiber entfällt innerhalb der Bagatellgrenze.
- Zustimmung. Bei Miete und Eigentümergemeinschaft gilt der Einbau als privilegiert. Ablehnen ohne sachlichen Grund geht nicht mehr, über die Ausführung darf die Gegenseite aber mitreden.
- Zähler. Ein alter Ferraris-Zähler ohne Rücklaufsperre wird vom Netzbetreiber getauscht. Bis dahin ist der Betrieb übergangsweise geduldet.
Die Details, die Formulierungen für die Anfrage an den Vermieter und die Punkte, an denen es in Eigentümergemeinschaften trotzdem hakt, stehen unter Anmeldung und Recht.
Montage entscheidet über den Ertrag
Zwischen senkrecht am Geländer und aufgeständert im Garten liegt fast der Faktor zwei. Wer die Wahl hat, gewinnt mit dem Neigungswinkel mehr als mit teureren Modulen. Gleichzeitig ist die Befestigung der Punkt, an dem es gefährlich wird: Module am Balkon sind Windlasten ausgesetzt, und was vom vierten Stock fällt, ist ein ernstes Problem. Welche Befestigungsarten für welchen Untergrund taugen, steht unter Montage am Balkon und im Garten.
Speicher, Wechselrichter, Technik
Zwei Fragen tauchen nach dem Kauf regelmäßig auf. Die erste ist der Speicher: Er verschiebt Erzeugung in den Abend, kostet aber oft so viel wie das restliche Set und verlängert die Amortisation entsprechend. Die nüchterne Rechnung dazu steht unter Speicher sinnvoll.
Die zweite betrifft die Technik selbst: Wie viel Modulleistung an einem Wechselrichter sinnvoll ist, warum eine leichte Überbelegung nichts verschenkt und worauf du bei Schnittstellen und Drosselung achten solltest, steht unter Wechselrichter und Technik.
Wer den Eigenverbrauch weiter optimieren will, landet danach bei der Frage, ob sich ein stundenweise variabler Tarif lohnt. Die Antwort hängt an denselben Verbrauchsmustern und steht unter Dynamische Stromtarife.
Alle Themen in dieser Rubrik
Ertrag berechnen
Ausrichtung und Neigung entscheiden über den Ertrag, die Eigenverbrauchsquote über das Geld. Beide Zahlen lassen sich vorher gut abschätzen.
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Anmeldung und Recht
Die Bürokratie ist deutlich geschrumpft. Übrig bleibt eine kurze Registermeldung – und die Frage, wer in einem Mietshaus zustimmen muss.
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Montage
Ein Modul ist eine Segelfläche von etwa zwei Quadratmetern. Die Halterung muss nicht das Gewicht tragen, sondern den Sturm – daran scheitern die meisten Improvisationen.
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Speicher
Ein Speicher hebt die Eigenverbrauchsquote, kostet aber oft mehr als die Anlage selbst. In den meisten Haushalten geht die Rechnung nicht auf.
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Wechselrichter und Technik
Der Wechselrichter begrenzt die Einspeiseleistung, nicht die Modulleistung. Aus diesem Unterschied folgt fast alles, was beim Zusammenstellen wichtig ist.
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Häufige Fragen
Muss ich mein Balkonkraftwerk anmelden?
Ja, im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Die zusätzliche Anmeldung beim Netzbetreiber ist für Geräte innerhalb der Bagatellgrenze entfallen, der Netzbetreiber wird über das Register informiert. Die Meldung dauert wenige Minuten und ist kostenlos.
Wie viel Strom liefert ein Balkonkraftwerk im Jahr?
Bei zwei Modulen und einem 800-Watt-Wechselrichter sind grob 400 bis 800 Kilowattstunden realistisch. Der obere Wert setzt eine Südausrichtung mit sinnvollem Neigungswinkel und wenig Verschattung voraus, der untere gilt für senkrechte Montage an einem ungünstig ausgerichteten Balkon.
Lohnt sich ein Speicher am Balkonkraftwerk?
Meist erst dann, wenn tagsüber wenig verbraucht wird und ein großer Teil der Erzeugung ungenutzt ins Netz geht. Ein Speicher kostet oft so viel wie das gesamte übrige Set und verlängert damit die Amortisation deutlich. Rechne mit deinen eigenen Zahlen, nicht mit denen aus der Produktanzeige.
Darf mein Vermieter ein Balkonkraftwerk verbieten?
Nicht grundsätzlich. Der Einbau gilt inzwischen als privilegierte Maßnahme, der Vermieter kann also nicht ohne sachlichen Grund ablehnen. Über die konkrete Ausführung darf er mitreden, etwa über Befestigung, Absturzsicherung und Optik. Um Zustimmung fragen musst du weiterhin.
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