Ökostrom und Energie
Aus der Steckdose kommt immer der Mix, der gerade im Netz liegt. Was ein Ökostromtarif verändert, entscheidet sich an anderer Stelle – bei den Nachweisen und beim Anbieter dahinter.
Ökostrom ist ein Vertragsprodukt, kein physikalisches. Aus deiner Steckdose kommt der Mix, der gerade im Netz liegt, egal was auf deiner Rechnung steht. Was du mit einem Ökostromtarif kaufst, ist die Zusicherung, dass für deine verbrauchte Menge Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt und der zugehörige Nachweis entwertet wurde. Ob dieser Vertrag über die Bilanz hinaus etwas bewegt, hängt daran, woher die Nachweise stammen und was der Anbieter mit dem Geld macht.
Was ein Ökostromtarif tatsächlich kauft
Jeder erneuerbar erzeugten Megawattstunde steht ein Herkunftsnachweis gegenüber. Diese Nachweise sind vom Strom getrennt handelbar. Ein Versorger kann also Strom an der Börse kaufen, ohne zu wissen, aus welchem Kraftwerk er stammt, und dazu passende Nachweise aus einem norwegischen Wasserkraftwerk erwerben. Am Ende steht auf dem Papier ein sauberer Tarif, im Netz hat sich nichts verändert.
Das ist kein Betrug, sondern das vorgesehene System. Es hat nur eine Schwäche: Nachweise aus Anlagen, die seit vierzig Jahren laufen und sich längst refinanziert haben, erzeugen keinen zusätzlichen Ausbau. Wie das Register funktioniert und woran du die Herkunft in deinen Vertragsunterlagen ablesen kannst, steht unter Herkunftsnachweise.
Woran du einen strengen Tarif erkennst
Es gibt zwei Label, die über die reine Mengenbilanz hinausgehen: ok-power und das Grüner Strom Label. Beide verlangen, dass ein Teil des Umsatzes in neue Anlagen fließt oder dass der Anbieter selbst zubaut. Prüfzeichen von Zertifizierern bestätigen dagegen meist nur, dass die verkauften Mengen zu den beschafften passen. Das ist nützlich, aber eine andere Frage.
Zwei weitere Punkte lohnen den Blick ins Kleingedruckte: ob der Anbieter zu einem Konzern gehört, der parallel Kohle- oder Gaskraftwerke betreibt, und ob der Tarif eine Preisgarantie ohne Vorkasse hat. Die Einordnung der einzelnen Zeichen findest du unter Gütesiegel im Vergleich.
Was der Wechsel im Haushalt kostet oder spart
Ökostrom ist längst nicht mehr automatisch teurer. Je nach Region liegen zertifizierte Tarife im mittleren Feld der Vergleichsportale. Die Größenordnung, um die es geht, lässt sich leicht überschlagen.
| Haushalt | Verbrauch pro Jahr | Ein Cent je kWh Unterschied |
|---|---|---|
| 1 Person | 1.300 bis 2.000 kWh | 13 bis 20 Euro |
| 2 Personen | 2.000 bis 3.000 kWh | 20 bis 30 Euro |
| 4 Personen | 3.500 bis 5.000 kWh | 35 bis 50 Euro |
Anders gesagt: Der Aufpreis für einen strengen Tarif bewegt sich für die meisten Haushalte im Bereich von ein bis drei Euro im Monat. Der Ablauf des Wechsels, die Fristen und die Fallen bei Boni und Vorkasse stehen unter Anbieter wechseln.
Verbrauch senken bringt mehr als der Tarif
Ein Tarifwechsel verändert, woher der Strom kommt. Er verändert nicht, wie viel davon nötig ist. In den meisten Haushalten hängt der Verbrauch an wenigen Geräten: Kühlgeräte laufen rund um die Uhr, Wäschetrockner und Elektroherd ziehen viel in kurzer Zeit, Standby-Verbräuche summieren sich unauffällig über das Jahr. Wo du mit einem Messgerät ansetzt und welche Maßnahmen sich rechnen, steht unter Strom sparen im Haushalt.
Wer eigenen Strom erzeugen will, ohne ein Dach zu besitzen, findet den Einstieg im Bereich Balkonkraftwerk. Ein Steckersolargerät deckt typischerweise einen Teil der Grundlast, nicht den ganzen Haushalt.
Wenn der Zähler mitdenkt
Seit dem Rollout der intelligenten Messsysteme können Haushalte Tarife abschließen, deren Preis sich stündlich am Börsenpreis orientiert. Für wen sich das lohnt, hängt daran, ob sich größere Verbräuche zeitlich verschieben lassen: Wärmepumpe, Wallbox, Waschmaschine. Wer tagsüber nicht zu Hause ist und keine schaltbaren Lasten hat, spart wenig. Die Rechnung dazu steht unter Dynamische Stromtarife.
Der größere Posten ist die Wärme
In einem durchschnittlichen Haushalt geht deutlich mehr Energie in Heizung und Warmwasser als in Strom für Geräte und Licht. Wer über den eigenen Fußabdruck nachdenkt, landet deshalb früher oder später bei der Heizung. Die nüchterne Gegenüberstellung von Wärmepumpe und Gasheizung, mit den Bedingungen, unter denen die Rechnung kippt, steht unter Wärmepumpe oder Gas.
Alle Themen in dieser Rubrik
Anbieter wechseln
Der Wechsel selbst ist unspektakulär und dauert wenige Minuten. Interessant wird es erst bei Fristen, Preisgarantien und der Frage, was nach dem Bonusjahr passiert.
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Gütesiegel
Nicht jedes Siegel prüft dasselbe. Der entscheidende Unterschied liegt darin, ob ein Anbieter neue Anlagen bauen muss oder nur alte Zertifikate kaufen darf.
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Herkunftsnachweise
Ökostrom ist eine Buchhaltung, keine Leitung. Wer versteht, wie Zertifikate entstehen und gehandelt werden, sieht sofort, welche Tarife etwas bewirken.
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Strom sparen
Die größten Posten sind selten die, über die geredet wird. Wer weiß, wie viele Kilowattstunden ein Gerät im Jahr zieht, sortiert die Maßnahmen von allein richtig.
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Dynamische Tarife
Der Preis folgt stündlich der Strombörse. Das lohnt sich, wenn du große Verbräuche verschieben kannst – und bleibt folgenlos, wenn du das nicht kannst.
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Wärmepumpe oder Gas
Die Antwort hängt an zwei Gebäudewerten, nicht an der Technik: am Dämmzustand und an der Vorlauftemperatur, die deine Heizflächen brauchen.
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Häufige Fragen
Kommt bei mir wirklich Ökostrom aus der Steckdose?
Nein, und das behauptet auch kein seriöser Anbieter. Im Netz vermischt sich der Strom aller Erzeuger. Dein Tarif regelt, welche Menge Strom aus erneuerbaren Quellen für dich erzeugt und bilanziell zugeordnet wurde.
Bringt ein Ökostromwechsel überhaupt etwas?
Er verschiebt Geld weg von Anbietern, die überwiegend fossil erzeugen. Wie viel zusätzliche erneuerbare Erzeugung daraus entsteht, hängt vom Tarif ab. Bei Tarifen mit reinen Zertifikaten aus alten Wasserkraftwerken ist der zusätzliche Effekt gering, bei Anbietern mit Zubauverpflichtung größer.
Wie lange dauert ein Anbieterwechsel und geht dabei der Strom aus?
Der Strom geht nie aus. Der Netzbetreiber bleibt derselbe und ist zur Versorgung verpflichtet, auch wenn ein Wechsel scheitert. Aus der Grundversorgung kommst du mit zwei Wochen Frist heraus, laufende Sonderverträge binden dich meist bis zum Vertragsende.
Was ist der Unterschied zwischen einem TÜV-Zertifikat und einem Ökostromlabel?
Ein TÜV-Zertifikat prüft in erster Linie, ob die Mengen stimmen, die ein Anbieter beschafft und verkauft. Ein Label wie ok-power stellt zusätzliche Anforderungen an die Herkunft und an die Investition in neue Anlagen. Beides zusammen sagt mehr aus als eines allein.
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