Kurz notiert
Darius und die Zucht auf Größe
Über einen Meter lang, mehr als zwanzig Kilogramm. Beim Rekordtier von 2010 ist die interessantere Frage, was so ein Körper mitmacht.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 29. April 2010 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und um den heutigen Stand ergänzt.
Das Tier, das 2010 als größter Hase der Welt durch die Meldungen ging, war kein Hase. Darius war ein Hauskaninchen einer Riesenrasse, gehalten in England, über 1,20 Meter lang und mit einem Gewicht, das je nach Quelle zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Kilogramm angegeben wurde. Der Unterschied zum Hasen ist keine Wortklauberei, und die Größe ist keine Laune der Natur.
Kaninchen ist nicht Hase
Feldhase und Wildkaninchen gehören zwar zur selben Familie, sind aber unterschiedliche Gattungen und lassen sich nicht kreuzen. Hasen kommen behaart und sehend zur Welt und leben einzelgängerisch über der Erde, Kaninchen werden nackt und blind in einem Bau geboren und leben in Kolonien. Alle Hauskaninchen stammen vom Wildkaninchen ab; ein Hase lässt sich nicht domestizieren.
Der Feldhase steht in Deutschland auf der Roten Liste als gefährdet, vor allem wegen ausgeräumter Agrarlandschaften ohne Deckung und wegen des Verlusts von Feldrainen und Brachen. Was eine kleine Fläche dagegen ausrichten kann, steht unter Garten und Natur.
Was Zucht auf Größe bedeutet
Riesenrassen wie der Deutsche Riese sind das Ergebnis jahrzehntelanger Selektion, ursprünglich für die Fleischerzeugung. Ausgewachsene Tiere wiegen sieben bis über elf Kilogramm, ein Zwergkaninchen bleibt unter zwei. Das ist ein Faktor fünf bei gleicher Grundkonstruktion, und die Konstruktion hat Grenzen.
Die Folgen sind gut dokumentiert: höhere Belastung von Gelenken und Wirbelsäule, häufiger Sohlengeschwüre an den Hinterläufen, Herz-Kreislauf-Probleme, erschwerte Fellpflege in der eigenen Rückenpartie, dazu eine deutlich kürzere Lebenserwartung als bei mittelgroßen Rassen. Am anderen Ende der Skala steht das Gegenstück: Bei stark verkürzten Köpfen von Zwergrassen wachsen die Zähne nicht mehr korrekt aufeinander und müssen lebenslang geschliffen werden.
Beides fällt unter denselben Paragrafen des Tierschutzgesetzes, der Zucht untersagt, wenn bei den Nachkommen mit Schmerzen oder Schäden zu rechnen ist. Die Abgrenzung ist strittig, weil sie zwischen erwünschtem Rassemerkmal und Schaden verlaufen muss.
Zur Haltung
Ein Riesenkaninchen braucht das Vielfache dessen, was gemeinhin als Kaninchenstall verkauft wird, mindestens einen Artgenossen, tägliche Bewegungsfläche und ausreichend Heu, um den lebenslang nachwachsenden Zähnen Arbeit zu geben. Rekordmeldungen erzeugen regelmäßig Nachfrage nach genau solchen Tieren, und die Tierheime kennen den Verlauf danach.
Wie dieselbe Frage in die andere Richtung aussieht, steht unter Einstein, das kleinste Pferd; die Zusammenhänge zwischen Landnutzung und Artenrückgang unter Klima und Natur verstehen.
Weitere Kurzmeldungen aus dem alten Blog stehen unter Kurz notiert, der Gesamtbestand im Archiv.
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