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Mode

Second Hand kaufen ohne Fehlkauf

Der häufigste Fehler beim Gebrauchtkauf ist nicht der Zustand, sondern die Größe. Beides lässt sich mit einem Maßband und fünf Fotos ziemlich sicher klären.

Gebraucht gekaufte Kleidung ist die einzige Variante, bei der die Herstellung schon bezahlt ist. Ökologisch schlägt sie jede Neuware, unabhängig von Faser und Siegel. Der Haken liegt woanders: Ein Drittel aller Gebrauchtkäufe wird nie getragen, weil die Größe nicht passt oder der Zustand enttäuscht. Beides lässt sich vermeiden.

Wo du was findest

  • Kleinanzeigenportale. Größte Auswahl, niedrigste Preise, keine Prüfung. Gut, wenn du eine konkrete Marke und Größe suchst und filtern kannst.
  • Mode-Marktplätze mit Versandabwicklung. Bequemer, mit Käuferschutz, dafür Gebühren und häufig optimistische Zustandsangaben.
  • Spezialisierte Plattformen für Marken- und Vintageware. Prüfung durch den Anbieter, klare Rückgaberegeln, deutlich höhere Preise.
  • Sozialkaufhäuser und Kleiderkammern. Am günstigsten, unsortiert, lohnt regelmäßiges Vorbeischauen statt gezielter Suche.
  • Ankaufsläden und Vintagegeschäfte. Vorsortiert und gereinigt, mittleres Preisniveau, Anprobe möglich.
  • Kleidertausch und Verschenkegruppen. Kostenlos, Zufallsprinzip, funktioniert am besten bei Kinderkleidung – siehe Nachhaltige Kinderkleidung.

Suchen, die funktionieren

Suche nach Marke plus Größe plus Kleidungsstück statt nach Kategorien. Speichere Suchaufträge, damit neue Angebote automatisch kommen, und schau auch nach Schreibfehlern in Markennamen – falsch geschriebene Angebote haben weniger Interessenten und bleiben länger liegen. Bei Kleinanzeigen lohnt der Filter auf Umkreis, weil Abholung Versandkosten spart und Anprobe erlaubt.

Größen ohne Anprobe treffen

Konfektionsgrößen sind nicht genormt. Zwischen Marken liegen mehrere Zentimeter, zwischen Jahrzehnten noch mehr: Eine 38 aus den Achtzigern entspricht heute oft eher einer 34. Verlass dich deshalb nie auf die Zahl, sondern immer auf Flachmaße.

So gehst du vor: Nimm ein Stück aus dem eigenen Schrank, das gut sitzt, leg es flach auf den Tisch und miss.

Kleidungsstück Zu messen
Oberteil Brustweite unter der Achsel, Schulternaht zu Schulternaht, Ärmellänge, Gesamtlänge ab Schulter
Hose Bundweite flach, Schrittlänge, Innenbeinlänge, Oberschenkelweite
Jacke wie Oberteil, zusätzlich Rückenlänge und Weite über der Brust bei geschlossenem Verschluss
Schuhe Innensohlenlänge in Zentimetern

Zwei Zentimeter Abweichung in der Brustweite sind bei einem lockeren Schnitt egal und bei einem taillierten Hemd zu viel. Bei Schuhen ist die Innensohlenlänge die einzig brauchbare Größe, weil Größenangaben zwischen Herstellern und Ländern auseinanderlaufen. Wie sich alte Schnitte in der Passform unterscheiden, steht unter Vintage-Mode stylen.

Zustand beurteilen

Bei Fotos gilt: Was nicht gezeigt wird, ist der interessante Teil. Bitte um Aufnahmen von Achselbereich, Innenseite der Oberschenkel, Kragen, Bündchen, Saum und Reißverschluss. Ein Verkäufer, der nachfotografiert, hat meist nichts zu verbergen.

Irreparabel oder teuer:

  • Ausgedünnter Stoff, erkennbar am Gegenlicht. Besonders an Ellenbogen, Gesäß und Innenschenkeln.
  • Löcher im Gewebe selbst, nicht an der Naht. Bei Wolle Mottenfraß, sichtbar als kleine runde Löcher an mehreren Stellen.
  • Verfärbungen durch Bleichmittel oder Deodorant im Achselbereich.
  • Zerbröselndes Futter oder brüchiges Gummi im Bund, typisch bei sehr alten Stücken.
  • Fett- und Ölflecken, die schon eingetrocknet sind.

Behebbar:

  • Knötchen und Pilling, mit Fusselrasierer oder Kammschaber in Minuten weg.
  • Offene Nähte, sofern der Stoff daneben intakt ist.
  • Fehlende Knöpfe, klemmende Reißverschlüsse, gelöste Säume.
  • Ausgeleierte Bündchen, mit heißem Wasser oft teilweise zurückzuholen.
  • Muffiger Geruch aus Lagerung, meist nach Waschen und Lüften weg. Rauchgeruch dagegen hält sich hartnäckig.

Der Qualitätscheck an Nähten und Reißverschlüssen

Zieh eine Naht an Schulter oder Seite leicht auseinander. Blitzt der Faden weit durch oder wird das Gewebe an den Einstichen sichtbar aufgezogen, ist die Naht grenzwertig. Prüf, ob Nähte doppelt oder mit Kettelstich versäubert sind, ob Belastungspunkte an Taschen und Schlitzen einen Riegel haben und ob die Nahtzugabe innen breit genug ist, um bei Bedarf nachzuarbeiten.

Beim Reißverschluss zieh langsam über die ganze Länge. Hakt er gleichmäßig, liegt es meist an Verschmutzung, ein wenig Seife oder Kerzenwachs auf den Zähnen löst das. Springt er dagegen hinter dem Schieber wieder auf, ist der Schieber ausgeleiert – austauschbar, aber ein Fall für die Änderungsschneiderei. Metallreißverschlüsse mit Markenprägung sind ein gutes Zeichen für den Rest des Stücks. Diese Prüfschritte gelten genauso im Laden für Neuware und stehen ausführlicher unter Hochwertige Kleidung erkennen.

Nach dem Kauf

Wasch gebrauchte Kleidung vor dem ersten Tragen, bei empfindlichen Stücken mit der Hand und kalt. Wolle und Vintagestoffe vertragen keine hohen Temperaturen, bei Verdacht auf Motteneier hilft stattdessen 48 Stunden im Gefrierfach. Anschließend prüfen, ob sich kleine Reparaturen lohnen, nach derselben Logik wie unter Reparieren statt ersetzen: Ein neuer Knopf und ein nachgenähter Saum verlängern ein Stück um Jahre. Was sich aus wirklich verbrauchten Teilen noch machen lässt, steht unter Upcycling für T-Shirts, für Jeans unter DIY-Jeans-Upcycling. Schuhe brauchen eine eigene Behandlung, die unter Sneaker-Pflege steht.

Häufige Fragen

Welche Plattform ist die richtige?

Das hängt vom Ziel ab. Für Alltagskleidung in großer Menge sind die Kleinanzeigenportale und die großen Mode-Marktplätze am ergiebigsten. Für gezielte Marken- und Vintagestücke lohnen spezialisierte Plattformen mit Zustandsprüfung, dafür mit Aufschlag. Vor Ort sind Sozialkaufhäuser am günstigsten, Ankaufsläden am besten sortiert.

Wie finde ich die richtige Größe ohne Anprobe?

Miss ein gut sitzendes eigenes Stück flach aus – Brustweite, Schulterbreite, Ärmellänge, Gesamtlänge, bei Hosen Bundweite, Schritt und Innenbeinlänge – und vergleiche mit den Flachmaßen im Angebot. Fehlen sie, frag danach. Seriöse Verkäufer messen nach.

Woran erkenne ich, ob ein Stück noch etwas taugt?

An drei Stellen: Nähte an Achsel und Schritt, Reißverschluss und Knopflöcher, sowie der Stoff an Reibungspunkten. Ausgedünnte Stellen sind irreparabel, Knötchen und ein hakender Reißverschluss dagegen fast immer behebbar.

Kann ich gebrauchte Kleidung zurückgeben?

Bei privaten Verkäufern in der Regel nicht, dort ist die Gewährleistung meist ausgeschlossen. Bei gewerblichen Anbietern gilt das Widerrufsrecht wie im Neukauf. Ausnahme: Wenn der Zustand deutlich von der Beschreibung abweicht, greifen die Käuferschutzregeln der Plattform.

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