Mode
Nachhaltige Stoffe im Vergleich
Es gibt keine saubere Faser. Es gibt Fasern mit unterschiedlichen Problemen – und die Frage ist, welches davon im konkreten Kleidungsstück zählt.
Die Frage nach dem nachhaltigsten Stoff hat keine Antwort, weil jede Faser ihr eigenes Problem mitbringt. Baumwolle braucht Wasser und Fläche, Polyester stammt aus Erdöl und gibt Mikroplastik ab, Viskose kann aus Urwaldholz kommen, Wolle bindet Landfläche und wirft Tierschutzfragen auf. Sinnvoll ist deshalb nur die konkrete Frage: Welche Faser für welches Kleidungsstück, das wie lange getragen und wie oft gewaschen wird.
Die Fasern im Überblick
| Faser | Wasser im Anbau | Fläche | Mikroplastik | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Baumwolle konventionell | sehr hoch | hoch | nein | Pestizideinsatz, Bewässerung |
| Bio-Baumwolle | hoch | etwas höher | nein | keine synthetischen Mittel, geringere Erträge |
| Leinen | gering | mittel | nein | wächst in Europa, kaum Bewässerung |
| Hanf | gering | gering | nein | hoher Ertrag, robuste Faser, wenig Mittel |
| Viskose | mittel | Holz | nein | Herkunft des Zellstoffs entscheidend |
| Modal, Lyocell | mittel | Holz | nein | Lyocell im geschlossenen Kreislauf |
| Polyester neu | sehr gering | keine | ja | fossiler Rohstoff, langlebig |
| Recyclingpolyester | sehr gering | keine | ja | meist aus PET-Flaschen |
| Wolle | gering | hoch | nein | langlebig, selten zu waschen |
Zwei Spalten fehlen in dieser Tabelle, weil sie sich nicht pauschal füllen lassen und trotzdem am schwersten wiegen: Wie lange das Stück getragen wird und wie oft es in die Maschine kommt. Ein Polyesterpullover, der zehn Jahre hält, schlägt ein Bio-Baumwollshirt, das nach einer Saison ausleiert.
Baumwolle und die Wasserzahl
Die Angabe von rund 8.000 bis 10.000 Litern pro Kilogramm ist verbreitet und irreführend, wenn man sie als Verbrauch liest. Der größte Teil ist Regenwasser, das ohnehin gefallen wäre. Kritisch ist nur der bewässerte Anteil, und der hängt vollständig an der Region. Baumwolle aus Regenfeldbau in Westafrika ist etwas völlig anderes als Baumwolle aus einem übernutzten Flusssystem in Zentralasien. Wer eine Herkunftsangabe findet, weiß mehr als jede Durchschnittszahl liefert.
Viskose, Modal, Lyocell
Alle drei bestehen aus Zellulose, unterscheiden sich aber im Verfahren. Klassische Viskose wird mit Schwefelkohlenstoff aufgeschlossen, ein Verfahren mit erheblichen Emissionen und dokumentierten Gesundheitsschäden in schlecht kontrollierten Werken. Modal ist ein verbessertes Viskoseverfahren. Lyocell arbeitet mit einem organischen Lösungsmittel im geschlossenen Kreislauf, in dem weit über 99 Prozent zurückgewonnen werden.
Die zweite Frage ist der Rohstoff. Zellstoff kann aus zertifizierter Forstwirtschaft stammen oder aus Kahlschlag in Urwäldern. Achte auf FSC oder PEFC in Verbindung mit einer Markenangabe zur Faser. Warum die Holzfrage nicht nebensächlich ist, steht unter Wälder und CO2.
Mikroplastik beim Waschen
Jede Synthetikfaser verliert beim Waschen Bruchstücke. Die Mengen schwanken stark, ein einzelner Waschgang setzt je nach Textil Hunderttausende Partikel frei. Kläranlagen halten den größten Teil zurück, dieser landet dann aber im Klärschlamm und über die Ausbringung teilweise wieder auf dem Acker.
Was tatsächlich hilft, in der Reihenfolge der Wirkung:
- Seltener waschen. Auslüften ersetzt bei Oberbekleidung fast immer einen Waschgang.
- Voll beladen und kalt. Reibung ist der Haupttreiber, ein halb gefülltes Fassungsvermögen erzeugt mehr davon.
- Kurzprogramme und weniger Schleuderdrehzahl.
- Waschbeutel oder Filter. Ein Beutel fängt einen relevanten Teil ab, Nachrüstfilter an der Ablaufleitung mehr.
- Bei Neukauf auf dicht gewebte statt aufgeraute Synthetik achten. Fleece verliert am meisten.
Neue Textilien geben in den ersten Wäschen am meisten ab, danach sinkt die Rate deutlich. Auch das spricht dafür, weniger und länger zu kaufen.
PFAS in Outdoormembranen
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen machten Jacken jahrzehntelang wasser- und ölabweisend. Sie bauen sich in der Umwelt praktisch nicht ab, reichern sich an und sind inzwischen weltweit in Blut und Trinkwasser nachweisbar. Die EU schränkt sie schrittweise ein, für Textilien greifen erste Verbote ab 2026.
Für die Kaufentscheidung heißt das:
- Für Alltag, Stadt und normale Wanderungen reichen PFAS-freie Imprägnierungen. Sie halten kürzer und müssen nach einigen Wäschen aufgefrischt werden.
- Die Imprägnierung ist nicht die Membran. Eine Jacke kann eine PFAS-freie Außenbehandlung und eine fluorhaltige Membran haben oder umgekehrt. Glaubwürdige Hersteller unterscheiden das in der Produktbeschreibung.
- Wer eine funktionierende alte Jacke hat, sollte sie behalten. Sie zu ersetzen löst kein Problem, sie neu zu imprägnieren schon eher.
Was daraus folgt
Für Sommerkleidung sind Leinen und Hanf die unauffälligsten Optionen, für Basics Bio-Baumwolle oder Lyocell, für Sport und Regen bleibt Synthetik funktional überlegen und sollte dafür lange halten. Was ein Stück tatsächlich lange leben lässt, ist die Verarbeitung, nicht die Faser – nachzulesen unter Hochwertige Kleidung erkennen. Und welche Marken zur Faser auch die Herkunft nennen, klärt Nachhaltige Modemarken erkennen. Bei Leder gilt eine eigene Logik, die unter Leder gegen Kunstleder steht.
Häufige Fragen
Ist Bio-Baumwolle wirklich besser?
Beim Chemikalieneinsatz eindeutig ja, dort fallen synthetische Pestizide und Mineraldünger weg. Beim Wasser nicht automatisch, weil der Bedarf vor allem vom Anbaugebiet abhängt und Bio-Anbau bei etwas geringeren Erträgen mehr Fläche braucht. Der größte Vorteil liegt bei den Menschen im Anbau und beim Boden.
Welche Faser verursacht kein Mikroplastik?
Alle natürlichen und zellulosebasierten Fasern: Baumwolle, Leinen, Hanf, Wolle, Viskose, Modal, Lyocell. Sie geben beim Waschen ebenfalls Fasern ab, die aber in Kläranlage und Umwelt abgebaut werden. Kritisch sind Polyester, Polyamid, Acryl und Elasthan, auch als kleiner Mischanteil.
Ist Recyclingpolyester die Lösung?
Nur teilweise. Der Großteil stammt aus PET-Flaschen, also aus einem funktionierenden Pfandkreislauf, dem Material entzogen wird. Ein echter Textil-zu-Textil-Kreislauf ist erst im Aufbau. Am Mikroplastik ändert Recyclingpolyester nichts, es faserlt genauso.
Was ersetzt PFAS in der Regenjacke?
Für Alltag und Wanderungen reichen PFAS-freie Imprägnierungen auf Silikon- oder Polyurethanbasis heute aus. Sie sind gegen Öl weniger beständig und müssen häufiger erneuert werden. Für Dauerregen über Tage bleiben laminierte Membranen ohne Fluorchemie eine Stufe darunter, aber der Abstand ist klein geworden.
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