Zero Waste
Mülltrennung richtig
Getrennt wird viel, sortiert wird anders, als die meisten denken. Ein paar Regeln entscheiden darüber, ob aus deinem Abfall Material wird oder Wärme.
Mülltrennung ist kein Selbstzweck, sondern eine Vorsortierung für Maschinen. Was in der richtigen Tonne landet, hat eine Chance, wieder Material zu werden. Was falsch liegt, wird entweder aussortiert und verbrannt oder verschlechtert eine ganze Charge. Die Regeln sind überschaubar, aber ein paar davon sind gegen die Intuition.
Die vier Tonnen im Überblick
| Tonne | Gehört hinein | Gehört nicht hinein |
|---|---|---|
| Gelber Sack oder Gelbe Tonne | Verkaufsverpackungen aus Kunststoff, Metall, Verbund: Becher, Folien, Tuben, Dosen, Getränkekartons, Alufolie, Kronkorken | Spielzeug, Zahnbürsten, Eimer, Kabel, Windeln, Papier |
| Altpapier | Zeitungen, Kataloge, Kartons, Schreibpapier, Verpackungspapier ohne Beschichtung | Thermopapier, Backpapier, Taschentücher, beschichtete Kartons, fettverschmutzte Pizzakartons |
| Altglas | Flaschen und Gläser ohne Pfand, nach Farbe sortiert | Trinkgläser, Fensterglas, Spiegel, Keramik, Porzellan, Glühlampen |
| Restmüll | Hygieneartikel, Windeln, Staubsaugerbeutel, Asche, Zigarettenkippen, Katzenstreu, kaputtes Geschirr | Elektrogeräte, Batterien, Farben, Medikamente, Bioabfall |
Zwei Dinge gehören in keine der vier Tonnen: Elektroaltgeräte und Batterien. Beide werden getrennt gesammelt, im Handel oder auf dem Wertstoffhof. Lithium- Akkus im Restmüll sind eine der häufigsten Brandursachen in Entsorgungsfahrzeugen und Sortieranlagen. Bevor ein Gerät überhaupt dort landet, lohnt aber ein zweiter Blick, siehe Reparieren statt ersetzen.
Die drei Regeln, die den Unterschied machen
Getrennt, nicht gestapelt. Der Aluminiumdeckel gehört vom Joghurtbecher abgezogen, der Kunststoffdeckel vom Getränkekarton ebenso. Ineinander gesteckte Becher sind besonders ungünstig: Die optische Sortierung erkennt nur die oberste Schicht und schickt den ganzen Stapel in dieselbe Fraktion. Zwei Sekunden Aufwand entscheiden hier über mehrere Verpackungen gleichzeitig.
Löffelrein, nicht spülrein. Verpackungen müssen restentleert sein, mehr nicht. Wer sie unter warmem Wasser ausspült, verbraucht Trinkwasser und Energie für einen Schritt, den die Aufbereitungsanlage ohnehin macht.
Sortenrein, wo es geht. Verbundmaterialien sind die eigentliche Bremse. Eine Papierschale mit Kunststofffenster, ein beschichteter Getränkekarton, eine Tube aus mehreren Schichten: All das lässt sich nur mit Verlust trennen. Der Hebel liegt hier nicht in der Tonne, sondern im Einkauf, siehe Verpackung im Alltag.
Verbreitete Irrtümer
- „Kunststoff ist Kunststoff, also Gelber Sack.“ Falsch, solange keine Wertstofftonne eingeführt ist. Der Gelbe Sack finanziert sich über die Lizenzentgelte der Verpackungshersteller und ist deshalb formal auf Verpackungen begrenzt. Die kaputte Plastikschüssel gehört in den Restmüll oder auf den Wertstoffhof. Wo eine Wertstofftonne existiert, darf sie mit.
- „Papier mit Klebeetikett muss raus.“ Muss es nicht. Kleine Klebereste und Klarsichtfenster in Briefumschlägen sind im Prozess kein Problem.
- „Blaues Glas kommt in einen eigenen Container.“ Es gibt nur drei Container. Alle Farben außer Weiß und Braun kommen zu Grünglas, das die größte Farbtoleranz hat.
- „Deckel gehören auf die Flasche.“ Beim Glascontainer richtig, weil Metalldeckel in der Aufbereitung ohnehin magnetisch abgetrennt werden und lose Deckel im Container verloren gehen. Bei Kunststoffverpackungen im Gelben Sack falsch, dort trennen.
- „Bioabbaubare Beutel dürfen in die Biotonne.“ In den meisten Kommunen nicht, sie gelten als Störstoff. Warum, steht unter Kompost und Biomüll.
Was mit dem Sortierrest passiert
Der Inhalt der Gelben Tonne läuft durch eine Kette aus Siebtrommeln, Windsichtern, Magneten, Wirbelstromabscheidern und optischen Sortierern. Die optische Erkennung arbeitet mit Nahinfrarot: Das Material wird angestrahlt, und aus dem reflektierten Spektrum schließt die Anlage auf die Kunststoffart. Danach bläst ein Luftstoß das Stück in den passenden Kanal.
Dieses Verfahren hat bekannte Lücken:
- Schwarze Verpackungen werden vom üblichen Ruß-Farbstoff so stark verschluckt, dass kein verwertbares Spektrum zurückkommt. Sie fallen durch.
- Sehr kleine Teile unter etwa zwei Zentimetern rutschen durch die Siebe.
- Verbunde und Etiketten verwirren die Erkennung, wenn sie einen großen Teil der Oberfläche bedecken.
- Stark verschmutzte Verpackungen werden als Störstoff ausgeschleust.
Was aussortiert wird, geht in die energetische Verwertung, also in Müllverbrennungsanlagen mit Strom- und Wärmeauskopplung. Das ist besser als Deponie und schlechter als Recycling. Die gesetzlichen Quoten des Verpackungsgesetzes beziehen sich auf die Menge, die in die Verwertung eingeht, nicht auf die Menge, die am Ende wieder Verpackung wird. Zwischen beidem liegt eine spürbare Differenz, über die man sich im Klaren sein sollte, bevor man Recycling als Lösung betrachtet. Warum die Materialfrage trotzdem differenzierter ist, als sie oft geführt wird, steht unter Plastik im Haushalt.
Wenn du dir unsicher bist
Die Zuständigkeit für Abfall liegt bei den Kommunen, und die Regeln unterscheiden sich tatsächlich. Ob eine Wertstofftonne existiert, ob Biotonne Pflicht ist, ob Kunststoffbeutel in der Biotonne toleriert werden: Das steht in der Abfallsatzung deines Landkreises oder deiner Stadt und nirgends sonst verbindlich. Die meisten Entsorger haben inzwischen ein Abfall-ABC online, in dem du einzelne Gegenstände nachschlagen kannst.
Und wenn du eine Sache mitnimmst: Sortieren repariert nichts. Es sorgt dafür, dass ein Teil des Materials im Kreis läuft. Die Menge, die gar nicht erst entsteht, bleibt der größere Hebel. Wie sich das in den größeren Zusammenhang einordnet, steht unter Klima und Natur verstehen.
Häufige Fragen
Muss ich Joghurtbecher ausspülen?
Nein. Löffelrein genügt, also so weit ausgekratzt, dass nichts Nennenswertes mehr darin ist. Ausspülen verbraucht Trinkwasser und Energie und bringt für die Sortierung nichts, weil die Kunststoffe ohnehin gewaschen werden, bevor sie zu Rezyklat verarbeitet werden.
Gehört der Kassenbon ins Altpapier?
Nein. Die meisten Kassenbons sind Thermopapier und gehören in den Restmüll. Sie stören die Papierverwertung, weil die Beschichtung im Prozess nicht erwünscht ist. Dasselbe gilt für Backpapier, benutzte Taschentücher und stark verschmutzte Pizzakartons.
Was passiert mit dem Inhalt der Gelben Tonne?
Er läuft durch mechanische und optische Sortierung, wird nach Kunststoffart, Metall und Verbund getrennt und geht in die werkstoffliche Verwertung. Was nicht erkannt oder nicht sauber getrennt werden kann, ist Sortierrest und wird energetisch verwertet, also verbrannt. Der Anteil ist je nach Anlage und Eingangsqualität erheblich.
Wohin mit Trinkgläsern und Fensterglas?
Nicht in den Glascontainer. Trinkgläser, Fensterglas, Spiegel, Keramik und Porzellan haben andere Schmelzpunkte und Zusammensetzungen und ruinieren die Charge. Kleine Mengen gehören in den Restmüll, größere zum Wertstoffhof.
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