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Zero Waste

Kompost und Biomüll

Bioabfall ist der einzige Müll, aus dem im eigenen Garten wieder etwas Brauchbares wird. Vorausgesetzt, das Verhältnis von feucht zu trocken stimmt.

Bioabfall ist in vielen Haushalten die größte einzelne Fraktion, grob ein Drittel des Gesamtaufkommens. Er ist zugleich die einzige, aus der du selbst etwas Brauchbares machen kannst: Humus, der Wasser hält, Nährstoffe puffert und das Bodenleben füttert. Der Rest wandert bestenfalls in die Sortierung, dieser Teil wandert zurück ins Beet.

Kompost anlegen: das Verhältnis entscheidet

Kompostieren ist keine Kunst, sondern eine Mischungsfrage. Zwei Materialgruppen müssen zusammenkommen:

  • Grün, feucht, stickstoffreich: Küchenabfälle, Rasenschnitt, frisches Unkraut, Kaffeesatz.
  • Braun, trocken, kohlenstoffreich: Laub, Häckselgut, Strohreste, zerrissene Pappe, Sägemehl von unbehandeltem Holz.

Als grobe Regel kommen auf einen Teil Grün zwei bis drei Teile Braun. Wer nur Grün einfüllt, bekommt eine faulige, schmierige Masse mit Ammoniakgeruch. Wer nur Braun einfüllt, bekommt einen Haufen, der sich jahrelang nicht verändert. Deshalb ist der praktische Trick, im Herbst Laub in Säcken einzulagern und über das Jahr portionsweise zuzugeben.

Drei weitere Punkte:

  1. Standort: halbschattig, direkt auf gewachsenem Boden, damit Bodenlebewesen einwandern können. Nicht auf Beton oder Folie.
  2. Feuchte: wie ein ausgedrückter Schwamm. Tropft es beim Zusammendrücken, ist es zu nass.
  3. Luft: einmal oder zweimal umsetzen beschleunigt den Prozess deutlich, weil Sauerstoff die aeroben Bakterien am Arbeiten hält.

Nicht auf den offenen Gartenkompost gehören gekochte Speisereste, Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Katzenstreu und samenreiches Unkraut. Der erste Block zieht Ratten an, der letzte wächst dir im Beet wieder auf. Nicht kompostieren lässt sich außerdem behandeltes Holz, Asche aus Kohle und alles, was Kunststoff enthält, siehe Plastik im Haushalt.

Wurmkiste: Kompost ohne Garten

Für Wohnung und Balkon ist die Wurmkiste die einzige Variante, die wirklich funktioniert. Kompostwürmer der Art Eisenia fetida leben in der oberen Streuschicht, nicht wie Regenwürmer in Röhren, und lassen sich deshalb in flachen Etagen halten. Unter guten Bedingungen verarbeiten sie etwa ihr halbes Körpergewicht pro Tag. Für einen Zwei-Personen-Haushalt reichen rund 500 Gramm Würmer.

Was sie brauchen:

Faktor Zielbereich
Temperatur 15 bis 25 Grad, frostfrei und nicht über 30 Grad
Feuchte feucht, nicht nass, Staunässe tötet
Einstreu zerrissene Pappe oder Eierkartons, regelmäßig nachlegen
Futter rohes Obst und Gemüse, Kaffeesatz mit Filter, kleingeschnitten
Nicht füttern Zitrusschalen in Mengen, Zwiebeln, Salziges, Gekochtes, Fleisch

Die häufigsten Fehler sind Überfütterung und zu viel Nässe. Beides erzeugt Fäulnisgeruch und Trauermücken. Die Kiste liefert zwei Produkte: festen Wurmhumus und flüssigen Wurmtee, der verdünnt als Dünger für Kübelpflanzen taugt. Genau dafür lässt er sich auf dem Balkon direkt weiterverwenden, siehe Naturnaher Balkon.

Bokashi: Fermentation, kein Kompost

Bokashi wird häufig als Wohnungskompost verkauft und ist etwas anderes. In einem luftdichten Eimer werden Küchenabfälle mit einer Kleie voller Milchsäurebakterien geschichtet und fermentiert, ähnlich wie Sauerkraut. Nach etwa zwei bis vier Wochen ist das Material eingelegt, aber nicht zersetzt: Es sieht noch aus wie das, was hineingekommen ist, nur saurer.

Der Inhalt muss danach in die Erde, entweder in ein Beet oder in einen Kompost, wo er in wenigen Wochen fertig abgebaut wird. Wer keinen Garten und kein tiefes Hochbeet hat, hat also nur den halben Weg. Der Vorteil gegenüber der Wurmkiste: Bokashi verträgt auch gekochte Speisereste, Fleisch und Milchprodukte, und es entsteht kein Sauerstoffbedarf. Der Nachteil: Es kostet laufend Kleie, und der abgelassene Sud ist stark sauer und muss verdünnt werden.

Was in die Biotonne darf

Die Biotonne ist großzügiger als der Gartenkompost, weil die Kompostwerke höhere Temperaturen erreichen. In der Regel dürfen hinein: rohe und gekochte Speisereste, Fleisch- und Fischreste in haushaltsüblichen Mengen, Milchprodukte, Kaffeesatz mit Filter, Teebeutel ohne Kunststoffanteil, Küchenpapier, Gartenabfälle, Laub, Schnittblumen, Kleintierstreu aus pflanzlichem Material.

Nicht hinein gehören: Katzenstreu aus Mineralien, Staubsaugerbeutel, Asche, Windeln, Zigarettenkippen, behandeltes Holz und alles aus Kunststoff.

Der Beutel-Fehler

Die häufigste Fehlbefüllung ist der Beutel. Seit Mai 2025 gilt eine verschärfte Fremdstoffgrenze für Bioabfall, und Kunststoffe dürfen nur noch einen sehr geringen Anteil ausmachen. Weil optische Sortierung zwischen normalem Kunststoff und zertifiziert kompostierbarem Material nicht sicher unterscheidet, lehnen viele Entsorger inzwischen auch die kompostierbaren Beutel ab. Sie werden im Vorfeld aussortiert und verbrannt, samt Inhalt.

Was stattdessen funktioniert:

  • Papiertüten aus dem Handel oder aus Zeitungspapier selbst gefaltet.
  • Ein Blatt Küchenpapier oder Zeitung unten in den Sammelbehälter, das bindet Feuchtigkeit.
  • Gar nichts und der Behälter wird kurz ausgespült.
  • Eine Lage Eierkarton auf dem Tonnenboden gegen Anfrieren im Winter.

Welche Fehler in den anderen Tonnen ähnlich teuer sind, steht unter Mülltrennung richtig.

Was der Kompost dem Garten bringt

Reifer Kompost ist kein Volldünger, sondern ein Bodenverbesserer. Er hebt den Humusgehalt, verbessert die Wasserspeicherung in Sandböden und lockert schwere Lehmböden. Zwei bis drei Liter pro Quadratmeter und Jahr, flach eingearbeitet, reichen für die meisten Beete. Für Starkzehrer gibt man mehr, für Magerstandorte und Wildblumenflächen bewusst weniger, weil dort magerer Boden die Artenvielfalt begünstigt. Welche Pflanzen davon profitieren, steht unter Insektenfreundliche Pflanzen.

Und der eigentliche Punkt bleibt: Was gar nicht erst verdirbt, muss auch nicht kompostiert werden, siehe Lebensmittel retten.

Häufige Fragen

Dürfen kompostierbare Beutel in die Biotonne?

In den meisten Kommunen nicht. Sie brauchen industrielle Bedingungen und mehrere Wochen, während viele Kompostwerke mit kürzeren Umlaufzeiten arbeiten und die Beutel als Störstoff aussortieren. Nutze stattdessen Papiertüten, Zeitungspapier oder gar nichts. Verbindlich ist immer die Satzung deines Entsorgers.

Darf Gekochtes auf den Kompost?

In die Biotonne ja, auf den offenen Gartenkompost besser nicht. Gekochte Speisereste, Fleisch, Fisch und Milchprodukte ziehen Ratten und Marder an und erreichen im Haufen nicht die Temperaturen, die Keime zuverlässig abtöten. Rohes Obst und Gemüse ist unproblematisch.

Wie lange dauert Kompost?

Auf einem offenen Haufen mit gelegentlichem Umsetzen sechs bis zwölf Monate bis zur Reife. Ein geschlossener Thermokomposter mit gutem Materialmix schafft es in vier bis sechs Monaten. Grobes Häckselgut braucht länger, feines Material zersetzt sich schneller, verdichtet aber leichter.

Stinkt eine Wurmkiste?

Nicht, wenn sie richtig läuft. Sie riecht dann nach Walderde. Fauliger Geruch bedeutet fast immer zu viel Feuchtigkeit oder zu viel Futter auf einmal. Abhilfe schaffen trockene Einstreu aus zerrissener Pappe und ein paar Tage Fütterungspause.

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