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Der Dachs war Tier des Jahres 2010

Ein Tier, das man fast nie sieht, obwohl es fast überall lebt. Die Auszeichnung von 2010 fiel in eine Phase, in der sich der Bestand gerade erholt hatte.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 24. November 2009 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und ergänzt, wie die Sache ausgegangen ist.

Der Dachs war Tier des Jahres 2010, ausgerufen von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild. Aus heutiger Sicht ist bemerkenswert, wie gut dieser Titel gealtert ist: Anders als bei vielen Arten des Jahres ging es hier nicht darum, auf einen Absturz hinzuweisen, sondern auf eine stille Erholung.

Warum die Wahl damals ungewöhnlich war

Ein Tier des Jahres ist meistens ein Warnsignal. Beim Dachs war es eher eine Nachholbuchung. Bis weit in die Achtzigerjahre hinein galt er als Tollwutüberträger, und die Bekämpfung der Tollwut lief in Teilen Europas über das Begasen von Bauen. Getroffen hat das nicht nur Füchse, sondern auch die Dachse, die dieselben Röhren nutzten oder ihre eigenen direkt daneben hatten. In manchen Regionen war die Art danach praktisch verschwunden.

Ab den Achtzigern wurde die Tollwut über ausgelegte Impfköder bekämpft statt über Gas. Deutschland gilt seit 2008 als frei von der klassischen Fuchstollwut. Der Druck auf die Baue fiel damit weg, und die Bestände zogen an. Genau in dieser Phase kam die Auszeichnung.

Wie der Dachs lebt

Der Dachs ist der größte heimische Marder, er wiegt je nach Jahreszeit zwischen gut sieben und über 15 Kilogramm. Vor dem Winter frisst er sich ein Drittel seines Gewichts an, im Frühjahr ist davon wenig übrig.

Er ist nachtaktiv und lebt in Bauen, die über Generationen weitergegeben und erweitert werden. Manche Anlagen sind mehrere hundert Meter lang und nachweislich seit Jahrzehnten in Benutzung, in Einzelfällen deutlich länger. Das erklärt, warum ein Dachsbau im Wald so selten auffällt und trotzdem ein sehr altes Bauwerk sein kann.

Auf dem Speiseplan stehen vor allem Regenwürmer, dazu Insekten, Mäuse, Aas, Fallobst und Getreide. Diese Breite macht ihn robust. Sie führt ihn aber auch regelmäßig an Straßenränder, auf Maisfelder und in Ortsränder hinein.

Was sich seit 2010 verändert hat

Die Erholung hat sich fortgesetzt. Der Dachs besiedelt heute wieder nahezu das gesamte Bundesgebiet, einschließlich stadtnaher Bereiche. Die jährliche Jagdstrecke, die einzige halbwegs flächendeckend erhobene Zahl, liegt seit Jahren im Bereich mehrerer zehntausend Tiere und damit um ein Vielfaches über den Werten der Achtziger. Als Bestandsschätzung taugt sie nur bedingt, weil sie auch von der Jagdintensität abhängt, aber der Trend ist eindeutig.

Der begrenzende Faktor ist heute ein anderer. Es ist der Straßenverkehr. Dachse laufen feste Wechsel, sie halten daran fest, auch wenn eine Straße dazwischen gebaut wird, und sie sind langsam. Wo Grünbrücken oder Kleintierdurchlässe gebaut werden, nehmen sie diese schnell an, das gehört zu den besser belegten Effekten der Wildtierquerungen. Belastbare bundesweite Zahlen zum Fallwild gibt es allerdings nicht, jede Angabe dazu ist eine Hochrechnung.

Der zweite Punkt ist der Lebensraum. Dachse brauchen grabbare Hänge, Hecken, Waldränder und Feldgehölze. Ausgeräumte Agrarlandschaft bietet ihnen wenig, in der Nähe von Siedlungen finden sie dagegen oft mehr Struktur als auf dem freien Feld. Deshalb tauchen sie inzwischen häufiger in Ortsrandlagen auf, als viele erwarten würden.

Was du davon hast

Ein Dachs im eigenen Garten ist selten und meistens kein Problem, er räumt Fallobst und Insekten ab. Wer etwas für ihn und für andere Säugetiere tun möchte, kommt auf dieselben Punkte wie beim Insektenschutz: Struktur statt Rasenfläche, Durchlässe in Zäunen, keine Nachtbeleuchtung im Grundstück und Ecken, die einfach liegen bleiben dürfen. Was das konkret heißt, steht in der Rubrik Garten und Natur. Wer den Bogen zum größeren Bild sucht, findet ihn unter Klima und Natur verstehen: Beim Dachs war die entscheidende Stellschraube nicht das Klima, sondern der direkte menschliche Zugriff. Das ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Wie sich die Berichterstattung über Arten und Umwelt zwischen 2009 und 2011 gelesen hat, lässt sich im Archiv nachvollziehen.

Häufige Fragen

Ist der Dachs in Deutschland gefährdet?

Nein. Er steht bundesweit nicht auf der Roten Liste, sein Bestand hat sich seit den Achtzigern spürbar erholt und er besiedelt heute wieder fast das gesamte Bundesgebiet. Die Auszeichnung von 2010 war deshalb keine Notmeldung, sondern der Versuch, ein heimliches Tier bekannter zu machen.

Hält der Dachs Winterschlaf?

Nicht im engeren Sinn. Er hält Winterruhe, senkt seine Aktivität stark ab und zehrt von seinen Fettreserven, wacht aber immer wieder auf und verlässt in milden Nächten auch den Bau. Die Körpertemperatur fällt dabei nur wenig ab, anders als beim Igel oder beim Siebenschläfer.

Wovon lebt ein Dachs?

Von fast allem. Regenwürmer machen je nach Region und Jahreszeit den größten Anteil aus, dazu kommen Insekten, Mäuse, Aas, Fallobst, Beeren, Getreide und Wurzeln. Diese Anpassungsfähigkeit ist einer der Gründe, warum er mit unserer Kulturlandschaft so gut zurechtkommt.

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