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Werd Wochenend-Imker, der Aufruf von 2009
Der Appell war gut gemeint und ist inhaltlich überholt. Mehr Honigbienenvölker retten keine Bienen, sie sind Nutztierhaltung.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 6. Dezember 2009 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und ergänzt, wie die Sache ausgegangen ist.
Der Beitrag von damals griff einen Aufruf auf, der um 2009 herum durch die Medien lief: Werde Wochenend-Imker, zwei Tage in der Woche reichen, und du tust etwas gegen das Bienensterben. Der Appell hat gewirkt. Nur ist die Begründung inzwischen widerlegt.
Was 2009 im Umlauf war
Das Bild war einfach. Die Bienen sterben, ohne Bienen keine Bestäubung, ohne Bestäubung keine Ernte. Also brauche es mehr Bienen, und zwar dringend. Dazu kamen Zahlen zu hohen Winterverlusten und Berichte über das amerikanische Colony Collapse Disorder, das damals kaum jemand von der Varroamilbe zu trennen wusste.
Die Rechnung hatte einen Fehler an einer Stelle, die 2009 fast niemand ansprach: Mit „Biene“ war fast immer die westliche Honigbiene gemeint. Und die ist ein Nutztier.
Wie es ausgegangen ist
Der Aufruf war ein Erfolg, gemessen an seinem eigenen Ziel. Die Imkerei ist seit 2010 stark gewachsen, die Zahl der organisierten Imkerinnen und Imker in Deutschland stieg von rund 80.000 auf über 130.000, der Altersschnitt sank, in den Städten entstanden Vereine, Kurse und Dachvölker. Die Zahl der Bienenvölker liegt heute bei gut einer Million. Von einem Aussterben der Honigbiene war und ist nichts zu sehen.
Parallel dazu hat sich das Verständnis verschoben. Gefährdet sind nicht die Honigbienen, sondern die rund 600 heimischen Wildbienenarten, von denen etwa die Hälfte auf der Roten Liste steht. Viele davon sind hoch spezialisiert und auf bestimmte Pflanzengattungen angewiesen. Für sie ändert ein zusätzliches Honigbienenvolk nichts zum Guten. In dicht beimkerten Innenstädten belegen Untersuchungen aus mehreren europäischen Ländern inzwischen sogar das Gegenteil: In trachtarmen Wochen konkurrieren die Völker mit den Wildbienen um dieselbe knappe Blühfläche.
Auch die Bestäubungsfrage sieht heute anders aus. Ein erheblicher Teil der Bestäubungsleistung in Kulturlandschaften stammt von Wildbienen, Schwebfliegen und anderen Insekten, und bei einigen Kulturen sind sie effizienter als Honigbienen. Wer nur Völker aufstellt, ersetzt das nicht.
Was daraus folgt
Nichts davon spricht gegen Imkerei. Es spricht dagegen, sie als Naturschutz zu verkaufen. Wer imkert, betreibt Tierhaltung: Varroabehandlung, Kontrolle auf Amerikanische Faulbrut, Meldung beim Veterinäramt, Verantwortung für die Gesundheit der Nachbarvölker. Das ist eine Verpflichtung und nichts, was man an zwei Wochenendstunden nebenbei erledigt.
Wer den Insekten helfen will, hat einen anderen Hebel. Er heißt Blühfläche über die gesamte Saison, offener sandiger Boden, stehen gelassene Stängel, Totholz und keine Insektizide. Ein Insektenhotel ohne Futter in Reichweite bleibt leer, das ist die häufigste Enttäuschung im Garten. Was tatsächlich funktioniert, steht unter Wildbienen im Garten und in der Rubrik Garten und Natur.
Was vom Text von 2009 bleibt
Der ursprüngliche Beitrag enthielt eine Passage über das Alter der Bienen, die stimmt: Bienen haben sich mit den Blütenpflanzen entwickelt, Hinweise auf bienenbestäubte Blüten reichen etwa 100 Millionen Jahre zurück. Diese gemeinsame Geschichte ist der eigentliche Grund, warum Spezialisierung so weit verbreitet ist, und damit auch der Grund, warum die pauschale Rettung durch mehr Völker nicht funktioniert.
Wie sich Umweltthemen 2009 bis 2011 im Netz gelesen haben, mit allen Fehlern und allem Enthusiasmus, steht im Archiv.
Häufige Fragen
Stirbt die Honigbiene aus?
Nein. Die Zahl der Bienenvölker in Deutschland liegt bei gut einer Million und ist seit 2010 gestiegen, weltweit hat sie über Jahrzehnte zugenommen. Was es gibt, sind hohe Winterverluste einzelner Völker, vor allem durch die Varroamilbe. Das ist ein Problem der Imkerei, kein Aussterberisiko.
Schaden Honigbienen den Wildbienen?
In dicht beimkerten Gebieten kann das passieren. Ein Volk sammelt in der Saison Pollen und Nektar in erheblichen Mengen und deckt einen weiten Radius ab. Wo viele Völker auf wenig Blühfläche treffen, etwa in Innenstädten, ist Nahrungskonkurrenz für spezialisierte Wildbienen belegt. In blütenreichen Landschaften spielt das kaum eine Rolle.
Was hilft Wildbienen tatsächlich?
Blühende Fläche über die gesamte Saison, offener Boden, Totholz, markhaltige Stängel und der Verzicht auf Insektizide. Nistplätze allein reichen nicht, ohne Futter in Reichweite bleibt jedes Insektenhotel leer.
Ist Imkern deshalb sinnlos?
Nein, es ist nur kein Naturschutz. Imkerei ist Tierhaltung mit einem Produkt am Ende und mit Verantwortung für die Tiergesundheit, gerade bei der Varroabehandlung und der Anzeigepflicht bei Faulbrut. Wer das mag, sollte es lernen und ordentlich machen.
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