Bookmarks
Greenlinks vom 15. Januar 2010
Der Januar 2010 war der Kater nach Kopenhagen. Ein Rückblick auf die Themen, die an diesem Tag durch die grünen Blogs liefen.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 15. Januar 2010 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und ergänzt, wie die Themen ausgegangen sind.
Mitte Januar 2010 war die Umweltdebatte in einem seltsamen Zustand. Vier Wochen zuvor hatte der Klimagipfel in Kopenhagen geendet, und zwar ohne den Vertrag, auf den zwei Jahre lang hingearbeitet worden war. Übrig blieb eine Absichtserklärung, die niemanden zu etwas verpflichtete. Die Blogs, aus denen diese Linksammlung damals bestand, drehten sich entsprechend um eine einzige Frage: Was jetzt?
Der Kater nach Kopenhagen
Die Erwartungen an den Gipfel waren im Herbst 2009 künstlich hochgeschraubt worden, mit Kampagnen, Countdowns und einem Hoffnungsvokabular, das rückblickend fast rührend wirkt. Als in der letzten Nacht klar wurde, dass es keine verbindlichen Reduktionsziele geben würde, kippte die Stimmung in der Umweltszene innerhalb von Tagen. Die Süddeutsche und der Spiegel schrieben von einem Scheitern, Umweltverbände sprachen von einem verlorenen Jahrzehnt.
Sie hatten in der Sache recht und in der Prognose nicht. Der Prozess brach nicht ab, er wurde nur langsamer und leiser. 2015 kam in Paris ein Abkommen zustande, das anders funktioniert als das in Kopenhagen gescheiterte Modell: keine von oben verteilten Quoten, sondern nationale Zusagen, die alle fünf Jahre nachgeschärft werden. Ob das ausreicht, ist eine andere Debatte. Aber der Bruch von 2009 war nicht das Ende.
Der Fehler im Bericht
Fast zeitgleich lief eine zweite Geschichte, die den Ton der folgenden Monate prägte. Im Januar 2010 musste der Weltklimarat einräumen, dass in seinem Sachstandsbericht ein falsches Datum stand: Die Gletscher des Himalaya sollten bis 2035 verschwunden sein, eine Zahl ohne belastbare Quelle. Der Fehler war real, er stammte aus einem ungeprüften Zitat, und er wurde korrigiert. Nur wurde daraus in vielen Kommentarspalten die These, damit sei die gesamte Klimaforschung erledigt.
Das war schon damals ein Fehlschluss und ist es geblieben. Die Grundaussagen der Berichte haben sich in den folgenden Sachstandsberichten nicht abgeschwächt, sondern verfestigt. Wie sich das methodisch nachvollziehen lässt und welche Zahlen belastbar sind, ordnen wir in der Rubrik Klima und Natur verstehen ein.
Was aus den Alltagsthemen wurde
Zwischen den großen Linien standen an diesem Tag die kleinen: Stromanbieter, Heizkosten, Mülltrennung. Das war 2010 Randbeschäftigung für Überzeugte, mit einem Ökostrommarkt, der noch überschaubar war, und einer Solaranlage als Sache für Hausbesitzer mit Kapital.
Genau dieser Teil hat sich seither am stärksten verändert. Ökostrom ist heute ein Standardprodukt, mit allen Problemen, die daraus folgen, etwa der Frage, ob hinter einem Tarif überhaupt neue Anlagen stehen. Wir gehen dem in der Rubrik Ökostrom und Energie nach. Und Solarstrom braucht kein eigenes Dach mehr, seit steckerfertige Anlagen auf dem Balkon erlaubt und bezahlbar sind. Was 2010 als Nische in einer Linkliste stand, ist heute eine Rechnung, die sich in wenigen Minuten aufmachen lässt.
Weitere Fundstücke aus diesem Jahr stehen in der Kategorie Bookmarks, der Gesamtbestand des alten Blogs im Archiv.
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