Zum Inhalt springen
neidgrün

Bookmarks

Greenlinks vom 13. April 2010

Eine Umfrage bescheinigte den Deutschen Bestwerte beim Mülltrennen. Was diese Zahl damals wert war und was sie heute bedeutet.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 13. April 2010 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und ergänzt, wie die Themen ausgegangen sind.

Der Aufmacher war eine internationale Umfrage, nach der die Deutschen beim Mülltrennen vorn liegen und ihr Verhalten beim Einkauf am stärksten geändert hätten. Das Nachrichtenmagazin, das darüber berichtete, machte daraus eine Erfolgsmeldung. Daneben standen an diesem Tag ein havarierter Frachter im Great Barrier Reef, der beginnende Biosprit-Streit und ein Lokalbericht über wild abgelagerten Müll.

Weltmeister im Trennen, nicht im Vermeiden

Die Zahl stimmte damals und stimmt im Kern bis heute: Deutschland hat hohe Sammel- und Recyclingquoten. Nur beantwortet sie die falsche Frage. Wer viel trennt, hat vor allem viel. Beim Verpackungsmüll pro Kopf liegt Deutschland seit Jahren in der europäischen Spitzengruppe, und ein erheblicher Teil des gesammelten Kunststoffs wird energetisch verwertet, also verbrannt, statt zu neuem Material zu werden.

Diese Unterscheidung war 2010 in der Berichterstattung kaum präsent. Heute ist sie der Ausgangspunkt jeder ernsthaften Rechnung: Vermeiden schlägt Trennen um Größenordnungen, weil die Umweltlast überwiegend in der Herstellung steckt und nicht in der Entsorgung. Wo im Haushalt tatsächlich Verpackung anfällt und welche Umstellung wie viel bringt, steht unter Verpackung im Alltag.

Der Frachter im Riff

Wenige Tage zuvor war ein chinesischer Kohlefrachter im Great Barrier Reef auf Grund gelaufen, außerhalb der zugelassenen Route. Das Schiff schrammte kilometerweit über den Riffkörper und hinterließ eine Schneise, in der der Korallenbewuchs vollständig zerstört war. Die Tagesschau meldete an diesem Tag, ein Teil des Riffs sei pulverisiert.

Die Schneise ist ein gutes Bild für ein schlechtes Argument. Havarien sind sichtbar, lokal und lassen sich einem Verursacher zuordnen. Das eigentliche Problem des Riffs ist unsichtbar, großflächig und hat keinen Adressaten: Warmwasserphasen lösen Korallenbleichen aus, und die kamen in den Jahren nach 2010 in immer kürzeren Abständen. Mehrere schwere Bleichereignisse innerhalb eines Jahrzehnts lassen den Korallen zu wenig Zeit zur Erholung. Wie dieser Zusammenhang zwischen Meerestemperatur und Ökosystem funktioniert, ordnen wir in Klima und Natur verstehen ein.

Zwei Mythen im Klimaschutz

Ein weiterer Link räumte, so die Ankündigung, mit zwei Mythen auf: Biosprit und Rinderzucht. Beim Biosprit hat sich die kritische Sicht durchgesetzt. Kraftstoff aus Anbaubiomasse konkurriert mit Nahrungsmitteln um Fläche, und wenn dafür anderswo Wald weicht, kehrt sich die Bilanz um. Die EU hat ihre Ziele in den Folgejahren mehrfach nachjustiert und die Anrechnung von Anbaubiomasse begrenzt.

Bei der Tierhaltung ging es andersherum aus. Was 2010 in manchen Beiträgen noch als übertriebene Behauptung galt, ist heute gut belegt: Die Erzeugung tierischer Lebensmittel bindet den größten Teil der landwirtschaftlichen Fläche und verursacht den größten Teil der Emissionen aus der Landwirtschaft.

Der kleinste Link des Tages war ein Foto von wildem Müll am Straßenrand. Auch das ist geblieben. Weitere Fundstücke aus dieser Zeit stehen unter Bookmarks, die praktische Seite in der Rubrik Müll vermeiden.

Zuletzt aktualisiert am .