Zum Inhalt springen
neidgrün

Bookmarks

Greenlinks vom 21. April 2010

100 Millionen Euro für die deutsche Photovoltaik, beschlossen im April 2010. Zwei Jahre später war die Branche größtenteils verschwunden.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 21. April 2010 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und ergänzt, wie die Themen ausgegangen sind.

Der Aufmacher war eine Kabinettsentscheidung. Die deutsche Solarindustrie sollte in den folgenden drei bis vier Jahren bis zu 100 Millionen Euro zusätzliche Hilfe bekommen, verpackt als Innovationsallianz Photovoltaik. Erwartet wurde, dass die Hersteller ein Vielfaches davon selbst beisteuern. Daneben standen an diesem Tag der Protest gegen die Hochmoselbrücke, Naturfotografie zum Earth Day und ein Radiobeitrag über Netzaktivisten.

Die Solarförderung und was danach kam

Der Zeitpunkt dieser Meldung ist im Rückblick bemerkenswert. Die deutsche Photovoltaik stand 2010 auf dem Höhepunkt: volle Auftragsbücher, hohe Einspeisevergütungen, ein Weltmarktanteil, den man für gesichert hielt. Parallel wurde über die Kürzung eben dieser Vergütungen gestritten.

Zwei Jahre später war das meiste davon vorbei. Chinesische Hersteller hatten massiv Kapazität aufgebaut, die Preise fielen schneller, als die deutschen Werke ihre Kosten senken konnten, und zwischen 2011 und 2013 meldete ein Hersteller nach dem anderen Insolvenz an. Die Forschungsförderung konnte daran nichts ändern, weil das Problem nicht in der Technik lag, sondern in Fertigungskosten und Skaleneffekten.

Die Pointe ist zwiespältig. Die deutsche Modulproduktion ist weitgehend verschwunden, die Technologie hat gewonnen. Module kosten heute weniger als ein Zehntel dessen, was 2010 üblich war, und Solarstrom ist in Deutschland die günstigste Erzeugungsform. Der Preisverfall, der die Branche zerlegt hat, ist derselbe, der eine Anlage auf dem Balkon heute für ein paar hundert Euro möglich macht. Was das für die Stromrechnung eines Haushalts bedeutet, rechnen wir in der Rubrik Ökostrom und Energie durch.

Speichern, damals eine Randnotiz

Ein weiterer Link an diesem Tag trug den Titel, Wind- und Solarstrom ließen sich auf Vorrat erzeugen. Speicher waren 2010 ein Nebenthema für Fachleute, weil der Anteil schwankender Erzeugung im Netz gering war.

Das hat sich vollständig gedreht. Mit hohen Anteilen von Wind und Sonne ist die Frage, wann Strom anfällt, wichtiger geworden als die Frage, wie viel. Batteriespeicher sind vom Prototyp zum Massenprodukt geworden, im Netz wie im Keller, und die Preise sind ähnlich gefallen wie bei den Modulen. Wer heute Erzeugung und Verbrauch zusammenbringen will, hat Werkzeuge, die es 2010 nicht gab.

Eine Brücke, die gebaut wurde

Der Protestlink des Tages galt der Hochmoselbrücke, einem Talübergang über die Mosel, gegen den Naturschützer und Winzer seit Jahren stritten. Die Argumente waren Landschaftsverbrauch, Eingriffe in die Hangwasserführung und der Nutzen für den Verkehr.

Sie wurde gebaut. Nach längeren Verzögerungen wegen Hangrutschungen und Bauzeitverlängerungen ging der Übergang 2019 in Betrieb. Für die Umweltbewegung war das eine der Niederlagen, die im Rückblick lehrreicher sind als die Erfolge: Bei Infrastrukturprojekten mit abgeschlossenem Planfeststellungsverfahren ändert öffentlicher Protest selten noch etwas. Wirkung entsteht früher, im Verfahren.

Weitere Fundstücke aus dieser Woche stehen unter Bookmarks, die Einordnung der großen Linien in Klima und Natur verstehen.

Zuletzt aktualisiert am .