Naturtainment
Die Katzen-WM und der Jagdtrieb dahinter
Ein Werbespaß zur Weltmeisterschaft 2010. Der Jagdtrieb, den er zeigt, hat draußen im Garten eine ernstere Seite.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 24. Juni 2010 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und um den heutigen Stand ergänzt.
Während in Südafrika das Achtelfinale näher rückte, lief im Netz eine eigene Weltmeisterschaft: Katzen, ein Ball, eine erfundene Turniertabelle. Ein Werbespaß, mehr nicht. Der Reiz funktionierte trotzdem verlässlich, und dafür gibt es einen Grund, der nichts mit Fußball zu tun hat.
Warum der Ball funktioniert
Eine Katze, die einem rollenden Gegenstand hinterherspringt, spielt nicht im menschlichen Sinne. Sie führt eine Bewegungsfolge aus, die auf Beute ausgelegt ist: anschleichen, fixieren, Sprung, Zugriff mit den Vorderpfoten. Ausgelöst wird das durch Reize, nicht durch Bedarf. Eine satte Katze jagt genauso, weil die Auslösung des Verhaltens und die Nahrungsaufnahme getrennt gesteuert sind.
Das erklärt auch, warum ein rollender Ball besser zieht als ein liegender: Unregelmäßige, kleine, schnelle Bewegungen entsprechen dem Beuteschema. Der Turnierrahmen mit Toren und Tabelle war menschliche Zutat.
Die ernste Seite
Genau dieses Verhalten hat draußen Folgen. Freilaufende Hauskatzen gehören in Untersuchungen aus mehreren Ländern zu den bedeutenden Verlustfaktoren für Singvögel, Eidechsen und Kleinsäuger. Die absoluten Zahlen sind unsicher und werden je nach Methode sehr unterschiedlich hochgerechnet, die Größenordnung ist aber unstrittig – vor allem in Siedlungsnähe, wo die Katzendichte weit über der jedes wildlebenden Beutegreifers liegt.
Wirksam sind ein paar unspektakuläre Dinge: die Katze in der Dämmerung im Haus lassen, in der Hauptbrutzeit im Frühjahr besonders konsequent, ein farbiger Sicherheitskragen oder ein Glöckchen am Halsband, und vor allem Kastration. Der letzte Punkt zielt weniger auf die einzelne Katze als auf die Zahl der Tiere, die ohne Zuhause draußen leben.
Nicht zu verwechseln ist die Hauskatze übrigens mit der Europäischen Wildkatze, die in mehreren deutschen Mittelgebirgen wieder Fuß gefasst hat. Sie sieht einer getigerten Hauskatze ähnlich, ist aber eine eigene Art, meidet Siedlungen und braucht zusammenhängende Wälder mit Totholz. Frei laufende Hauskatzen sind für sie weniger Nahrungskonkurrenz als Krankheitsüberträger.
Und der Garten
Der zweite Hebel liegt in der Umgebung. Dichte Hecken, Kletterpflanzen an der Wand, Futterstellen weit weg von Deckung: Wo Vögel Rückzugsräume und freie Sicht haben, sinkt die Trefferquote deutlich. Was ein Garten dafür braucht, steht unter Garten und Natur, die größeren Zusammenhänge zum Artenrückgang unter Klima und Natur verstehen.
Weitere Fundstücke aus dem alten Blog stehen unter Naturtainment, der Gesamtbestand im Archiv.
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