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Naturtainment

Die Malediven unter Wasser – und die Rechnung darüber

Farbige Riffe, flache Inseln, kaum Höhe über dem Wasser. Die Malediven sind das Land, an dem sich zwei Klimafolgen gleichzeitig zeigen.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 12. April 2010 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und um den heutigen Stand ergänzt.

Die Malediven sind ein Filmmotiv, weil dort auf engem Raum zu sehen ist, was ein Korallenriff hergibt: Riffhaie, Mantas, Schildkröten, Schwärme, alles innerhalb weniger Meter Wassertiefe. Sie sind aus demselben Grund auch das Land, an dem sich zwei Folgen der Erwärmung gleichzeitig ablesen lassen. Das Riff ist nämlich nicht nur Kulisse, es ist die Bausubstanz.

Ein Staat aus Riffen

Die Malediven bestehen aus rund 1.190 Inseln, verteilt auf 26 natürliche Atolle. Jede dieser Inseln sitzt auf einer Riffplattform und besteht selbst überwiegend aus Riffmaterial: Kalksand und Korallenschutt, den Wellen und Strömung aufgehäuft haben. Nachschub kommt nur, solange das Riff lebt und wächst.

Die Höhenverhältnisse sind entsprechend knapp. Rund vier Fünftel der Landfläche liegen weniger als einen Meter über dem Meeresspiegel, der höchste natürliche Punkt im ganzen Land liegt bei etwa zweieinhalb Metern. Ein Sturm mit hoher Flut reicht dort weiter landeinwärts als anderswo eine Springflut.

Warum Korallen bleichen

Korallen leben in einer Zweckgemeinschaft mit einzelligen Algen, den Zooxanthellen, die in ihrem Gewebe sitzen und einen großen Teil ihrer Energie liefern. Steigt die Wassertemperatur über mehrere Wochen um ein bis zwei Grad über den üblichen Sommerwert, wird diese Gemeinschaft instabil. Die Koralle stößt die Algen ab, verliert ihre Farbe und steht weiß da – daher der Begriff Bleiche.

Bleiche ist kein Todesurteil. Kühlt das Wasser rechtzeitig ab, holt sich die Koralle ihre Algen zurück. Dauert die Hitze an, stirbt sie. Die Malediven haben das zweimal in großem Maßstab erlebt, 1998 und 2016, jeweils im Zuge starker El-Niño-Phasen, mit Verlusten von deutlich über der Hälfte der Bestände in einzelnen Atollen. Zwischen solchen Ereignissen erholen sich Riffe über Jahre bis Jahrzehnte, vorausgesetzt, die Abstände sind lang genug. Genau das ändert sich gerade. Was das für Meere und Fischbestände insgesamt bedeutet, steht unter Meere und Fischbestände.

Der Meeresspiegel ist die zweite Rechnung

Der globale Meeresspiegel steigt derzeit um gut drei Millimeter pro Jahr, und die Rate nimmt zu. Zwei Ursachen wirken zusammen: Wasser dehnt sich aus, wenn es wärmer wird, und Eis von Land schmilzt zusätzlich ins Meer. Beides hängt direkt an der Menge Treibhausgase in der Atmosphäre, die physikalische Grundlage steht unter Treibhauseffekt erklärt.

Für ein Land, das kaum über dem Wasser liegt, ist das keine abstrakte Zahl. Sie zeigt sich in Salzwasser im Grundwasser, in Erosion an den Inselrändern und in Schäden bei Sturmfluten. Die Malediven reagieren baulich, etwa mit der aufgeschütteten Insel Hulhumalé, die künstlich auf rund zwei Meter Höhe gebracht wurde. Das ist teuer und für ein paar Zehntausend Menschen machbar, nicht für alle.

Interessant ist der Nebenbefund: Riffinseln sind nicht einfach starre Sandhaufen. Untersuchungen zeigen, dass viele von ihnen ihre Form und Höhe anpassen, solange genug Riffmaterial nachgeliefert wird. Damit hängt die Zukunft der Inseln daran, ob das Riff lebt. Ein totes Riff liefert nichts nach.

Was daraus folgt

Der Zusammenhang ist unbequem direkt: Beide Probleme der Malediven kommen aus derselben Quelle, und die liegt woanders. Was im eigenen Haushalt dazu beiträgt, lässt sich beziffern – der größte Posten steckt meist im Strom und in der Wärme, siehe Ökostrom und Energie und Balkonkraftwerk. Das ist kein Ausgleich für ein Atoll, aber es ist die Seite der Rechnung, die man selbst in der Hand hat.

Weitere Naturaufnahmen und Fundstücke aus dem alten Blog stehen unter Naturtainment, der Gesamtbestand im Archiv.

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