Klima und Natur
CO2-Fußabdruck berechnen
Rund zehn Tonnen pro Kopf und Jahr, davon ein gutes Viertel schon vor jeder eigenen Entscheidung. Wo der Rest hängt, lässt sich ziemlich genau sagen.
Ein persönlicher CO2-Fußabdruck ist eine Zurechnung, keine Messung. Er nimmt die gesamten Emissionen eines Landes, teilt sie den Konsumbereichen zu und rechnet sie über den eigenen Verbrauch auf eine Person herunter. In Deutschland kommen dabei grob 10 bis 11 Tonnen CO2-Äquivalent pro Kopf und Jahr heraus. Diese Zahl ist nützlich für Größenordnungen und untauglich für Nachkommastellen.
Was in die Rechnung eingeht
Alle gängigen Rechner arbeiten mit fünf Blöcken. Die Anteile schwanken stark, die Reihenfolge kaum.
| Bereich | Typischer Anteil | Was ihn treibt |
|---|---|---|
| Wohnen und Heizen | 2,0 bis 3,0 t | Energieträger, Dämmung, Wohnfläche |
| Mobilität | 2,0 bis 3,0 t | Autokilometer, Antrieb, Flüge |
| Ernährung | 1,5 bis 2,0 t | Anteil tierischer Produkte |
| Sonstiger Konsum | 2,0 bis 2,5 t | Elektronik, Kleidung, Möbel, Dienstleistungen |
| Öffentliche Infrastruktur | 0,8 bis 1,0 t | Schulen, Straßen, Verwaltung, Gesundheitswesen |
Der letzte Posten ist der ehrlichste Teil der Rechnung: Er steht fest, bevor du irgendetwas entscheidest. Wer bei null landen will, kann das individuell gar nicht, weil dieser Sockel nur politisch sinkt.
Warum Ernährung niedriger wirkt als erwartet
Ernährung wird häufig überschätzt, weil sie täglich präsent ist. Der Unterschied zwischen einer durchschnittlichen und einer weitgehend pflanzlichen Ernährung liegt bei grob 0,5 bis 1,0 Tonnen im Jahr. Das ist relevant, aber kleiner als ein einziger Langstreckenflug. Umgekehrt gilt: Ernährung lässt sich sofort ändern, eine Heizung nicht.
Die Herkunft des Begriffs
Der Ausdruck carbon footprint wurde ab 2004 durch eine großangelegte Kampagne des Ölkonzerns BP bekannt gemacht, inklusive eines der ersten öffentlich beworbenen Onlinerechner. Die Absicht war erkennbar: Wer über seinen eigenen Abdruck nachdenkt, stellt seltener die Frage nach dem Geschäftsmodell des Konzerns.
Daraus folgt aber nicht, dass die Kennzahl falsch ist. Die zugrunde liegende Methodik stammt aus der Ökobilanzierung und ist deutlich älter als die Kampagne. Der Fußabdruck bleibt ein brauchbares Werkzeug, um Größenordnungen zu sortieren und Symbolmaßnahmen von wirksamen zu unterscheiden. Nur eine Sache kann er nicht: eine Verantwortungsfrage beantworten. Etwa zwei Drittel der Emissionen in Deutschland entstehen in Bereichen, über die einzelne Haushalte allenfalls mittelbar entscheiden.
Sinnvoll ist er also als Kompass, nicht als Schuldkonto. Wie früh das Thema Bilanzierung im Netz diskutiert wurde, zeigt übrigens der Blick ins Archiv, wo schon 2010 nachgerechnet wurde, was ein Blog an CO2 kostet.
Wo die großen Posten tatsächlich liegen
Drei Entscheidungen bestimmen in fast jedem Haushalt das Ergebnis:
- Ob ein Auto da ist und wie es angetrieben wird. 15.000 Kilometer im Jahr mit einem Verbrenner liegen bei etwa 2,5 bis 3 Tonnen. Dieselbe Strecke elektrisch mit dem deutschen Strommix bei rund einer Tonne, mit eigenem Solarstrom darunter.
- Wie geheizt wird. Eine unsanierte Ölheizung auf 100 Quadratmetern kommt leicht auf 4 bis 5 Tonnen. Eine Wärmepumpe im gedämmten Bestand landet bei einem Bruchteil davon.
- Ob geflogen wird. Ein Hin- und Rückflug nach Nordamerika liegt inklusive der Nicht-CO2-Effekte in der Höhe bei grob zwei bis vier Tonnen pro Person. Ein einzelner solcher Flug kann alle übrigen Bemühungen eines Jahres überschreiben.
Der Strombereich ist der Posten, der sich am schnellsten ändern lässt, weil er weder Umbau noch Verzicht erfordert. Der rechnerische Effekt eines Wechsels hängt allerdings daran, ob der Tarif zusätzliche Anlagen finanziert oder nur Herkunftsnachweise umbucht – das ist unter Ökostrom auseinander sortiert.
Eigenen Strom in die Rechnung nehmen
Wer selbst erzeugt, verschiebt den Posten Wohnen nach unten. Ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt Einspeiseleistung liefert in Deutschland je nach Ausrichtung grob 500 bis 900 Kilowattstunden im Jahr. Bei einem Eigenverbrauchsanteil von 60 bis 80 Prozent ersetzt das etwa 300 bis 700 Kilowattstunden Netzstrom, also in der Größenordnung von 100 bis 250 Kilogramm CO2 jährlich. Die Herstellung der Module ist darin noch nicht verrechnet, sie amortisiert sich in der Regel innerhalb von ein bis drei Jahren. Nachrechnen lässt sich das unter Ertrag berechnen.
Was die Rechnung nicht zeigt
Zwei Dinge fallen bei allen Rechnern unter den Tisch. Erstens die Nutzungsdauer: Ein Gerät zehn Jahre statt fünf zu behalten, halbiert seine anteilige Herstellungsemission, taucht aber in keinem Rechner als Posten auf. Wie sich das an Kleidung zeigt, steht unter Hochwertige Kleidung erkennen.
Zweitens die Wirkung außerhalb des eigenen Haushalts. Was jemand beruflich entscheidet, wie er wählt oder ob er in seinem Umfeld etwas anstößt, kann größere Mengen bewegen als sein gesamter Privatverbrauch. Das lässt sich nicht in Tonnen ausdrücken, ist aber deshalb nicht kleiner. Der Rest, also alles unter etwa 100 Kilogramm im Jahr, gehört in die Kategorie sinnvoll und vernachlässigbar zugleich – dazu passt der nüchterne Blick unter Müll vermeiden.
Häufige Fragen
Wie viel CO2 verursacht ein Mensch in Deutschland?
Im Durchschnitt grob 10 bis 11 Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr. Die Spanne ist groß: Ein Haushalt ohne Auto in einer gedämmten Wohnung mit Ökostrom kann bei 5 Tonnen liegen, ein Haushalt mit Ölheizung, zwei Autos und Fernreisen bei über 20.
Warum weichen Rechner so stark voneinander ab?
Weil sie unterschiedliche Systemgrenzen ziehen. Manche rechnen nur direkte Emissionen, andere die gesamte Lieferkette. Manche schlagen den Infrastrukturanteil auf, andere nicht. Für Vergleiche zwischen Personen taugt deshalb nur derselbe Rechner, nicht zwei verschiedene.
Ist der persönliche Fußabdruck nicht nur Ablenkung?
Der Begriff wurde von einem Ölkonzern populär gemacht, und die Absicht dahinter war, die Verantwortungsfrage zu individualisieren. Als Messgröße ist er trotzdem brauchbar, denn er zeigt Größenordnungen und verhindert, dass kleine Maßnahmen für große gehalten werden. Problematisch wird er erst, wenn er strukturelle Fragen ersetzt.
Was bringt am meisten?
In den meisten Haushalten in dieser Reihenfolge: kein oder ein kleineres Auto, weniger Flüge, Heizung und Dämmung, Stromherkunft, Ernährung. Alles darunter – Verpackungen, Standby, Einkaufstaschen – ist sinnvoll, aber wirkt in einer anderen Größenordnung.
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