Naturgarten
Insektenfreundliche Pflanzen
Bunt ist nicht gleich nahrhaft. Ob eine Pflanze Insekten trägt, hängt an Herkunft, Blütenbau und daran, wann im Jahr sie öffnet.
Eine insektenfreundliche Pflanzung erkennt man nicht an der Farbe, sondern an drei Eigenschaften: Sie besteht überwiegend aus heimischen Arten, sie hat ungefüllte Blüten, und sie hat über die gesamte Saison keine Lücke. Wer diese drei Punkte einhält, bekommt mit einem einzigen Beet mehr Wirkung als mit einem ganzen Garten voller Zierstauden.
Heimisch gegen exotisch
Pflanzen und Insekten haben sich über sehr lange Zeit aufeinander eingestellt. Heimische Arten tragen deshalb in der Regel ein Vielfaches an Insektenarten im Vergleich zu Pflanzen, die erst vor wenigen Jahrhunderten aus anderen Erdteilen kamen. Bei manchen Gehölzen ist der Unterschied dramatisch: Eine heimische Eiche oder Weide ernährt hunderte Arten, ein Kirschlorbeer praktisch keine.
Für den Garten heißt das nicht, dass jede fremde Pflanze verschwinden muss. Es heißt, dass die Grundstruktur heimisch sein sollte und Exoten Beiwerk bleiben. Besonders relevant ist das für die spezialisierten Wildbienen, die Pollen nur einer Gattung verwerten können, siehe Wildbienen. Für Schmetterlingsraupen gilt dasselbe noch strenger, dort entscheidet oft eine einzige Pflanzenart über die Anwesenheit einer Art, siehe Schmetterlinge im Garten.
Ein paar heimische Gehölze mit hoher Wirkung: Salweide, Schlehe, Weißdorn, Kornelkirsche, Faulbaum, Hundsrose, Holunder, Efeu, Wildapfel. Sie decken zusammen die Zeit von Februar bis Oktober ab und liefern zusätzlich Beeren für Vögel, siehe Vögel im Winter füttern.
Gefüllte Blüten sind Sackgassen
Bei gefüllten Zuchtformen wurden die Staubblätter zu zusätzlichen Blütenblättern umgebildet. Was üppig aussieht, ist deshalb steril: kein Pollen, kein erreichbarer Nektar, oft nicht einmal ein Eingang. Betroffen sind viele beliebte Gartenpflanzen in ihren gefüllten Sorten: Rosen, Dahlien, Ranunkeln, Pfingstrosen, Bauernhortensien, gefüllte Kirschen und Forsythien.
Der Test ist einfach: Schau in die Blütenmitte. Siehst du Staubgefäße und Pollen, ist die Blüte brauchbar. Siehst du weitere Blütenblätter, ist sie Dekoration. Ein Beet mit gefüllten Sorten ist für Insekten dasselbe wie ein Schaufenster mit Plastikobst.
Die Pflanztabelle nach Blühzeitraum
Die folgende Auswahl deckt die Saison ab. Die Zeiträume sind Richtwerte, sie verschieben sich je nach Region und Witterung um zwei bis drei Wochen.
| Blühzeitraum | Pflanzen | Wer profitiert |
|---|---|---|
| Februar bis April | Salweide, Kornelkirsche, Krokus, Winterling, Lungenkraut, Huflattich, Schlehe | Hummelköniginnen, Sandbienen, Pelzbienen, erste Falter |
| April bis Mai | Wiesenschaumkraut, Knoblauchsrauke, Obstblüte, Löwenzahn, Traubenhyazinthe, Günsel | Aurorafalter, Mauerbienen, Hummeln |
| Mai bis Juli | Natternkopf, Wiesensalbei, Storchschnabel, Glockenblume, Hornklee, Färber-Hundskamille, Kriechender Günsel | Glockenblumen-Scherenbiene, Bläulinge, Schwebfliegen |
| Juli bis September | Wilder Dost, Blutweiderich, Wasserdost, Skabiose, Karde, Königskerze, Thymian, Wegwarte, Malve | Tagfalter, Wollbienen, Hummeln, Blattschneiderbienen |
| September bis Oktober | Efeu, Wildaster, Fetthenne, Herbstflockenblume | Efeu-Seidenbiene, späte Hummeln, Admiral und C-Falter |
Die beiden Enden der Tabelle sind wichtiger als die Mitte. Im März entscheidet das Angebot darüber, ob eine Hummelkönigin ihr Volk gründen kann. Im Oktober entscheidet es darüber, ob die nächste Generation mit Reserven in den Winter geht. Dazwischen blüht in fast jedem Garten irgendetwas.
Die typischen Blühlücken
Zwei Lücken tauchen in fast jeder Anlage auf:
- Ende Mai bis Ende Juni, nach der Obstblüte und vor den Sommerstauden. Gefüllt wird sie mit Natternkopf, Wiesensalbei, Glockenblumen und Hornklee.
- Mitte August bis September, wenn die Sommerstauden durch sind. Gefüllt wird sie mit Wildaster, Fetthenne und vor allem Efeu.
Ein einziger alter, blühfähiger Efeu an einer Mauer trägt im Oktober oft mehr Insekten als das gesamte restliche Grundstück. Efeu blüht allerdings erst in der Altersform, nach etwa acht bis zehn Jahren, und nur, wenn er nicht jedes Jahr geschnitten wird.
Boden: mager statt fett
Ein häufiger Fehler ist, das Wildblumenbeet gut vorzubereiten. Viele Wildstauden stammen von mageren, trockenen, sonnigen Standorten und werden auf nährstoffreichem Gartenboden von Gräsern und Brennnesseln überwachsen. Wer Natternkopf, Wilden Dost, Königskerze oder Thymian dauerhaft haben will, magert ab: die oberste Bodenschicht abtragen, Sand oder Splitt einarbeiten, kein Kompost. Die Ausnahme sind Brennnesseln für Schmetterlingsraupen, dort gehört der Kompost hin, siehe Kompost und Biomüll.
Sonne ist die zweite Bedingung. Die meisten Insektenpflanzen brauchen mindestens sechs Stunden direkte Sonne. Im Schatten funktionieren Waldarten wie Lungenkraut, Waldgeißbart, Wald-Ziest und Efeu.
Rasen, Wiese und Mahd
Ein kurz gemähter Zierrasen ist ökologisch nahe an einer versiegelten Fläche. Zwei Änderungen kosten nichts und wirken sofort:
- Seltener mähen. Alle vier bis sechs Wochen statt wöchentlich lässt Gänseblümchen, Weißklee, Löwenzahn und Gundermann blühen.
- Streifen stehen lassen. Ein ungemähter Randstreifen oder eine ungemähte Ecke ist Lebensraum für Raupen, Heuschrecken und überwinternde Insekten.
Wer eine echte Blumenwiese will, muss zweimal jährlich mähen und das Mähgut abräumen, sonst düngt es die Fläche und die Gräser gewinnen. Das ist mehr Arbeit als Rasenmähen, nicht weniger, aber es ist der Weg zu einer Fläche, die über Jahre trägt.
Auf kleiner Fläche gelten dieselben Regeln, nur mit Kübeln statt Beeten, siehe Naturnaher Balkon. Und Pflanzen allein reichen nicht: Nistmöglichkeiten müssen dazukommen, sonst bleiben die Besucher Gäste, siehe Nisthilfen und Insektenhotels.
Häufige Fragen
Sind heimische Pflanzen wirklich besser?
Für spezialisierte Arten ja, ohne Ausnahme. Sie können nur Pollen bestimmter heimischer Gattungen verwerten. Für allgemein sammelnde Arten wie Hummeln und Honigbienen sind auch viele Zierpflanzen brauchbar, solange die Blüte ungefüllt ist. Wenn du dich entscheiden musst, entscheide dich für heimisch, weil du damit beide Gruppen bedienst.
Woran erkenne ich eine gefüllte Blüte?
An der Mitte. Bei einer ungefüllten Blüte siehst du deutlich Staubblätter und Narbe, oft mit sichtbarem Pollen. Bei einer gefüllten Sorte sitzen dort weitere Blütenblätter, die Mitte wirkt dicht und geschlossen. Im Sortennamen steckt oft der Hinweis 'gefüllt' oder 'plena'.
Ist eine Blühmischung aus dem Baumarkt sinnvoll?
Bedingt. Viele Mischungen enthalten einjährige Kulturarten wie Ringelblume, Phacelia und Kornblume in Zuchtformen, die schnell blühen und im nächsten Jahr verschwinden. Für dauerhafte Wirkung brauchst du mehrjährige Wildstauden aus regionaler Herkunft. Die kosten mehr und sehen im ersten Jahr unspektakulär aus.
Braucht ein Insektenbeet gedüngten Boden?
Meistens das Gegenteil. Viele Wildstauden und die dazugehörigen Insekten stammen von mageren, trockenen Standorten. Auf fettem Gartenboden setzen sich Gräser und Brennnesseln durch. Sand oder Schotter unterzumischen ist bei diesen Beeten die wirksamere Maßnahme als Kompost.
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