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Hopenhagen, die Hoffnungen von 2009

Eine weltweite Kampagne machte aus Kopenhagen die Stadt der Hoffnung. Zwei Wochen später war der Gipfel gescheitert, und trotzdem war er nicht umsonst.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 7. Dezember 2009 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und ergänzt, wie die Sache ausgegangen ist.

Am Tag, an dem dieser Beitrag erschien, begann in Kopenhagen die 15. UN-Klimakonferenz. Im Vorfeld lief eine der aufwendigsten Kampagnen, die es zu einem Umweltthema je gab. Aus Copenhagen wurde Hopenhagen, getragen von der internationalen Werbebranche, unterstützt von Konzernen, Musikern und Nichtregierungsorganisationen. Man konnte online einen Hoffnungsbeitrag abgeben. Es gab einen Globus auf dem Rathausplatz.

Die Erwartung war eindeutig: Hier entsteht der Nachfolger des Kyoto-Protokolls, verbindlich und für alle.

Was tatsächlich geschah

Nichts davon. Die Konferenz kippte in den letzten Tagen. Ein Textentwurf, der im kleinen Kreis zwischen den USA und mehreren großen Schwellenländern entstand, löste bei den übergangenen Delegationen Widerstand aus. Am Ende konnte die Vollversammlung das Papier nicht beschließen, sie nahm es lediglich zur Kenntnis. Rechtlich verbindlich war daran nichts.

Dazu kam die Vorgeschichte. Wenige Wochen zuvor waren E-Mails aus einer britischen Klimaforschungseinrichtung veröffentlicht worden, was die Debatte über die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft in genau dem Moment anheizte, in dem Verhandlungsspielraum gebraucht wurde.

Die Bilanz nach zwei Wochen: kein Abkommen, ein Dokument ohne Bindung, ein Begriff für Enttäuschung, der jahrelang hielt.

Was trotzdem geblieben ist

Zwei Dinge aus diesem Papier haben die Klimapolitik bis heute geprägt.

Das Zwei-Grad-Ziel. Erstmals hielt ein internationales Klimadokument eine konkrete Temperaturgrenze fest. Vorher gab es Emissionsprozente, aber keine gemeinsame Zielgröße.

Die 100 Milliarden. Die Zusage der Industrieländer, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaschutz und Anpassung in ärmeren Ländern zu mobilisieren, stammt von hier. Sie wurde erst 2022 erfüllt, zwei Jahre zu spät und mit einem hohen Kreditanteil. 2024 löste ein neues, deutlich höheres Ziel sie ab, das von den betroffenen Staaten trotzdem als zu niedrig kritisiert wurde.

Wie daraus Paris wurde

Der wichtigste Effekt war der Methodenwechsel. Kopenhagen scheiterte am Versuch, Minderungspflichten von oben zu verteilen. Das setzt eine Einigung über Lastenteilung voraus, die es nicht gab und nicht geben konnte.

2010 in Cancún wurden die Kernpunkte des gescheiterten Papiers formal verankert, 2011 in Durban wurde ein Fahrplan für ein neues Abkommen beschlossen. Und 2015 kam in Paris das Ergebnis: Jedes Land legt eigene Beiträge vor, in festen Abständen nachgeschärft, mit Berichtspflichten und einer globalen Bestandsaufnahme. Als Ziel nennt der Text deutlich unter zwei Grad und Anstrengungen für 1,5 Grad.

Der Preis dieses Ansatzes ist bekannt. Die Summe der nationalen Beiträge reicht nicht. Der Gewinn ebenfalls: Fast alle Staaten sind beteiligt, und die Nachschärfung ist eingebaut.

Wo es heute steht

Die Trajektorie hat sich verschoben, aber nicht genug. 2009 lief die Welt bei unveränderter Politik auf grob vier Grad zu, heute liegen die Schätzungen bei der Umsetzung beschlossener Maßnahmen eher bei 2,5 bis 3 Grad. Gleichzeitig war 2024 das erste Kalenderjahr, dessen globales Mittel rund 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau lag, und die USA sind zum zweiten Mal aus dem Abkommen ausgestiegen.

Was die Zielgrößen physikalisch bedeuten, steht unter Treibhauseffekt erklärt. Wer den eigenen Anteil daran einordnen möchte, findet die Rechenwege unter CO2-Fußabdruck berechnen, den Rahmen dazu in der Rubrik Klima und Natur verstehen.

Wie sich diese zwei Wochen im Dezember 2009 angefühlt haben, steht im Archiv.

Häufige Fragen

Warum ist Kopenhagen gescheitert?

Weil der Verhandlungsansatz nicht funktionierte. Man versuchte, verbindliche Minderungsziele von oben zu verteilen, was ein Einvernehmen zwischen Industrie- und Schwellenländern über Lastenteilung und Finanzierung vorausgesetzt hätte. Dazu kam ein hinter verschlossenen Türen ausgehandelter Text, den ein Teil der Staaten als Übergehung empfand.

War der Gipfel damit umsonst?

Nein. Das Zwei-Grad-Ziel und die Zusage zur Klimafinanzierung stammen daraus. Vor allem aber führte das Scheitern zum Methodenwechsel: Statt Zielen von oben legen seit Paris alle Staaten eigene Beiträge vor, die regelmäßig nachgeschärft werden. Das ist schwächer im Anspruch und hat dafür fast alle Länder an Bord.

Ist die Zusage über 100 Milliarden Dollar eingehalten worden?

Mit Verspätung. Das Ziel für 2020 wurde erst 2022 erreicht, und ein erheblicher Teil davon sind Kredite, nicht Zuschüsse. 2024 wurde ein neues Ziel von 300 Milliarden Dollar jährlich bis 2035 beschlossen, das viele betroffene Staaten als zu niedrig kritisierten.

Wo steht die Welt heute?

Auf einem Pfad, der bei Umsetzung der beschlossenen Politik grob auf 2,5 bis 3 Grad hinausläuft. Das ist besser als die etwa vier Grad, die man 2009 vor sich sah, und weit entfernt von den Zielen des Pariser Abkommens. 2024 war das erste Kalenderjahr, dessen Mittel rund 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau lag.

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