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PETA gegen Pelz, die Kampagne von 2010

Prominente gegen Pelz war 2010 ein etabliertes Kampagnenformat. Anders als bei vielen Umweltthemen hat sich hier tatsächlich fast alles verändert.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 1. Januar 2010 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und ergänzt, wie die Sache ausgegangen ist.

Zum Jahreswechsel 2010 stand hier ein Kampagnenvideo: Ein US-amerikanischer R&B-Sänger sprach sich gegen das Tragen von Pelz aus. Das Format war damals Routine, Prominente vor schwarzem Hintergrund, harte Bilder aus Pelzfarmen, ein Appell am Ende. Bei den meisten Umweltthemen dieser Jahre kann man heute nur feststellen, dass sich wenig bewegt hat. Bei diesem ist es anders.

Warum ausgerechnet Pelz

Pelz war für Kampagnen aus mehreren Gründen ein dankbares Ziel. Er ist sichtbar, er ist verzichtbar, und er hat keine Sachargumente auf seiner Seite, die sich schnell erklären ließen. Anders als bei Fleisch oder Auto musste niemand seinen Alltag umbauen. Und die Modebranche reagiert empfindlich auf Imageschäden, weil ihr Produkt Image ist.

Was 2010 noch fehlte, war der zweite Hebel. Kampagnen sprachen die Kundschaft an. Die Produktion lief weiter, weil sie Abnehmer hatte.

Was seitdem passiert ist

Die Entwicklung lief auf drei Ebenen, und alle drei zeigten in dieselbe Richtung.

Gesetzgebung. Ein europäisches Land nach dem anderen hat die Pelztierhaltung verboten oder auslaufen lassen, darunter die Niederlande, Norwegen, Italien, Irland, Estland und mehrere weitere. Die Niederlande, lange einer der größten Nerzproduzenten Europas, zogen ihr ohnehin beschlossenes Verbot 2021 vor, nachdem Coronainfektionen in Nerzbeständen aufgetreten waren. Dänemark ließ 2020 rund 17 Millionen Nerze keulen, was faktisch das Ende der größten Produktion Europas bedeutete.

Deutschland hat kein ausdrückliches Verbot. Die 2017 in Kraft getretenen Haltungsvorgaben stellten allerdings Anforderungen an Gehegegrößen und Beschäftigung, die den Betrieb unwirtschaftlich machten. Die letzte deutsche Pelzfarm schloss 2019.

Handel. Nahezu alle großen Modehäuser haben Pelz gestrichen, teils einzeln, teils als ganze Konzerngruppe. Große Handelsketten und Kaufhäuser folgten. 2023 kündigte das weltweit größte Pelzauktionshaus in Dänemark seine Abwicklung an. Damit fiel die Infrastruktur weg, über die der Handel jahrzehntelang lief.

Nachfrage. Die weltweite Nerzproduktion ist von ihrem Höchststand von rund 60 Millionen Fellen jährlich auf einen Bruchteil gefallen. Der verbliebene Markt liegt überwiegend in Asien.

Was das nicht heißt

Die Sache ist nicht erledigt. Eine europäische Bürgerinitiative für ein pelzfreies Europa sammelte 2023 über eine Million Unterschriften, eine unionsweite Regelung steht weiter aus. Produktion verlagert sich in Länder mit schwächeren Vorgaben, und Kaninchen- oder Marderhundfelle tauchen weiter als Besatz an Kapuzen und Accessoires auf, oft falsch oder gar nicht deklariert.

Und der Ersatz hat eigene Probleme. Kunstpelz ist Kunststoff, also Erdöl. Er gibt beim Waschen Mikrofasern ab und lässt sich am Lebensende kaum verwerten. Die Debatte läuft damit auf dieselbe Frage hinaus wie bei Leder und Kunstleder, und die Antwort ist dort wie hier keine Materialentscheidung, sondern eine Mengenfrage. Was das für den Kleiderschrank bedeutet, steht in der Rubrik Nachhaltige Mode, was am Ende der Nutzungsdauer damit passiert, unter Müll vermeiden.

Was der Fall zeigt

Pelz ist eines der wenigen Beispiele, in denen Kampagnenarbeit über 15 Jahre tatsächlich eine Branche verändert hat. Der Grund ist unbequem: Es war das Thema mit dem geringsten Verzicht. Wo Konsum tiefer im Alltag verankert ist, funktioniert dasselbe Rezept nicht.

Wie damals über Tierschutz und Mode geschrieben wurde, steht im Archiv.

Häufige Fragen

Ist Pelz heute noch ein relevanter Markt?

Deutlich kleiner als 2010. Die weltweite Nerzproduktion ist von einem Höchststand von rund 60 Millionen Fellen im Jahr auf einen Bruchteil davon gefallen, verstärkt durch die Massenkeulungen in dänischen Farmen im Jahr 2020 nach Coronainfektionen in den Beständen. Der Handel läuft heute vor allem über China.

Sind Verbote der Grund für den Rückgang?

Nur zum Teil. Ebenso wichtig war der Rückzug der Marken, weil damit die Absatzseite wegbrach. Ein Verbot allein verlagert die Produktion, ein fehlender Markt beendet sie. Beides zusammen hat gewirkt.

Ist Kunstpelz die bessere Lösung?

Nicht automatisch. Kunstpelz besteht aus Polyacryl oder Polyester, also aus Erdöl, gibt beim Waschen Mikrofasern ab und ist am Lebensende kaum recycelbar. Der Vergleich läuft damit auf dieselbe Frage hinaus wie bei Leder und Kunstleder, und die Antwort lautet dort wie hier: seltener kaufen und länger tragen schlägt beide Materialien.

Gibt es ein EU-weites Verbot?

Bislang nicht. Eine europäische Bürgerinitiative für ein pelzfreies Europa sammelte 2023 mehr als eine Million gültiger Unterschriften, die Kommission ließ die Frage daraufhin wissenschaftlich prüfen. Eine unionsweite Regelung stand zuletzt weiter aus, die Verbote gelten national.

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