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Klimawandel, der Themenmix vom Frühjahr 2010

Der Beitrag sammelte Meldungen aus einem Frühjahr, in dem die Glaubwürdigkeit der Klimaforschung offen infrage stand. Der Ausgang ist gut dokumentiert.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 30. März 2010 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und ergänzt, wie die Sache ausgegangen ist.

Der ursprüngliche Beitrag war eine Linksammlung: bedrohte Orte in einem Bildband, Forschung zu schwerem Wasserdampf, eine im Golf von Bengalen versunkene Insel, ein Streit über Naturkatastrophen und mehrere Texte, die der Klimaforschung insgesamt die Glaubwürdigkeit absprachen. Diese Mischung war für das Frühjahr 2010 typisch, und genau deshalb lohnt der Rückblick.

Warum die Stimmung 2010 so gedreht war

Zwei Ereignisse hatten das Klima der Debatte verändert. Im November 2009 wurden E-Mails einer britischen Klimaforschungseinrichtung gehackt und veröffentlicht. Einzelne Formulierungen daraus liefen monatelang als Beleg für Fälschung durch die Medien. Kurz darauf fiel im vierten Sachstandsbericht des Weltklimarats eine Passage auf, nach der die Himalaya-Gletscher bis 2035 verschwunden sein könnten. Diese Zahl war nicht haltbar, sie stammte nicht aus begutachteter Literatur.

Das erklärt den Ton der damaligen Linksammlung. Wer 2010 online über Klima schrieb, verlinkte praktisch zwangsläufig auch Texte, die alles infrage stellten.

Wie es ausgegangen ist

Der E-Mail-Vorgang wurde in mehreren voneinander unabhängigen Verfahren untersucht, darunter parlamentarische und wissenschaftliche Gremien. Ergebnis: keine Hinweise auf manipulierte Ergebnisse, wohl aber Kritik am Umgang mit Anfragen nach Rohdaten. Anschließend rechneten unabhängige Gruppen die globalen Temperaturreihen mit eigenen Methoden nach, unter anderem ein Projekt, das ausdrücklich von Skeptikern mitfinanziert wurde. Die Ergebnisse deckten sich mit den bisherigen.

Der Himalaya-Fehler war dagegen echt. Er führte zu einer externen Überprüfung der IPCC-Verfahren und zu strengeren Regeln für den Umgang mit nicht begutachteten Quellen. Die Kernaussagen des Berichts blieben davon unberührt.

Inhaltlich hat sich seitdem wenig zugunsten der damaligen Zweifel entwickelt. Die Sachstandsberichte von 2013 und 2021 fielen deutlicher aus als der von 2007. Die Erwärmung gegenüber vorindustriellem Niveau lag im Jahrzehnt 2011 bis 2020 bei rund 1,1 Grad, 2024 war das erste Kalenderjahr, das die Marke von 1,5 Grad im Jahresmittel überschritt.

Die drei Missverständnisse aus der Sammlung

Wasserdampf. Er ist das mengenmäßig wichtigste Treibhausgas und wirkt trotzdem als Verstärker, nicht als Auslöser. Warme Luft hält mehr Wasserdampf, was die Erwärmung verstärkt, die ihn erst freigesetzt hat. Der Mechanismus steht unter Treibhauseffekt erklärt.

Naturkatastrophen. 2010 galt der Zusammenhang zu Einzelereignissen als nicht belegbar. Seither hat sich die Attributionsforschung etabliert und kann für Hitzewellen und Starkregen angeben, um welchen Faktor ein konkretes Ereignis wahrscheinlicher geworden ist. Für andere Ereignistypen bleibt die Aussage schwach, und das gehört zur ehrlichen Darstellung dazu.

Die versunkene Insel. Der Streit zwischen Indien und Bangladesch um eine kleine Sandbank endete tatsächlich damit, dass sie unter Wasser verschwand. Als Beweisstück taugt sie wenig, weil Sedimentdynamik und Absenkung im Gangesdelta dabei mitspielen. Als Bild vom Frühjahr 2010 ist sie hängen geblieben.

Was daraus folgt

Der Rückblick auf diesen Sammelbeitrag zeigt vor allem, wie schnell eine Kommunikationskrise als inhaltliche Krise gelesen wird. Wer 2010 auf die lautesten Stimmen gesetzt hat, lag 15 Jahre später falsch.

Wer den eigenen Anteil einordnen will, statt sich an der Grundsatzfrage abzuarbeiten, findet die Rechenwege unter CO2-Fußabdruck berechnen und die Rubrik Klima und Natur verstehen. Wie sich die Netzdebatte 2010 anfühlte, steht im Archiv.

Häufige Fragen

Was war mit den gehackten Klima-E-Mails?

Ende 2009 wurden E-Mails einer britischen Klimaforschungseinrichtung veröffentlicht und in Ausschnitten als Beleg für Datenmanipulation präsentiert. Mehrere unabhängige Untersuchungen prüften den Vorgang und fanden keine Hinweise auf gefälschte Ergebnisse, kritisierten aber den Umgang mit Datenanfragen. Die zugrunde liegenden Temperaturreihen wurden seitdem von unabhängigen Gruppen nachgerechnet und bestätigt.

Ist Wasserdampf nicht das wichtigste Treibhausgas?

Er trägt am meisten zum natürlichen Treibhauseffekt bei, wirkt aber als Rückkopplung, nicht als Antrieb. Wie viel Wasserdampf die Luft hält, hängt von ihrer Temperatur ab. Steigt die Temperatur durch CO2, steigt der Wasserdampfgehalt und verstärkt den Effekt. Man kann den Wasserdampfgehalt nicht direkt regeln, den CO2-Ausstoß schon.

Lassen sich einzelne Wetterereignisse dem Klimawandel zuordnen?

Bei Hitzewellen und Starkregen inzwischen ja, mit quantifizierten Wahrscheinlichkeiten. Diese Attributionsforschung ist erst nach 2010 zur Routine geworden. Bei anderen Ereignistypen, etwa Tornados, bleibt die Zuordnung schwach. Die pauschale Aussage von 2010, ein Zusammenhang lasse sich nicht herstellen, ist damit überholt, aber nicht für alles.

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