Aktiv werden
Der Earth Day und seine vierzig Jahre
Ein Aktionstag, der 1970 in den USA begann und dessen erste Auflage tatsächlich Gesetze nach sich zog. Eine Zwischenbilanz.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 12. April 2010 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und um den heutigen Stand ergänzt.
Im April 2010 stand der vierzigste Earth Day an, und die grünen Blogs sammelten Aktionen, Termine und Aufrufe. Die Zahl vierzig ist der eigentliche Anlass für einen zweiten Blick: Der Earth Day ist einer der wenigen Aktionstage, bei dem sich sagen lässt, was die erste Auflage bewirkt hat.
Woher der Tag kommt
Die Idee stammt von einem US-Senator aus Wisconsin, der nach einem schweren Ölunfall vor der kalifornischen Küste einen landesweiten Aktionstag nach dem Vorbild der damaligen Universitätsproteste anregte. Am 22. April 1970 fanden daraufhin in den USA Tausende Veranstaltungen statt, an Schulen, Universitäten und in Innenstädten. Die Schätzungen sprechen von rund 20 Millionen Beteiligten, bei damals gut 200 Millionen Einwohnern.
Der Zeitpunkt traf einen Zustand, den man sich heute schwer vorstellt: brennende Flüsse durch Industrieabwasser, Smog in Großstädten, kaum Umweltrecht. Noch im selben Jahr wurde die US-Umweltbehörde EPA gegründet, in den Jahren darauf folgten Clean Air Act, Clean Water Act und das Artenschutzgesetz. Ein Aktionstag allein macht keine Gesetze, aber er hat sichtbar gemacht, dass es dafür eine Mehrheit gab.
Was der Tag heute ist
Seit 1990 wird der Earth Day international begangen, inzwischen in weit über 150 Ländern, mit einem jährlich wechselnden Motto. 2010 lief er unter dem Stichwort einer Milliarde grüner Handlungen, ein Aufruf zum Mitmachen im Kleinen. 2016 bekam das Datum politisches Gewicht zurück: Am 22. April wurde das Pariser Klimaabkommen zur Unterzeichnung aufgelegt.
In Deutschland ist der Earth Day deutlich weniger präsent als die Earth Hour, bei der jedes Jahr für eine Stunde die Beleuchtung ausgeschaltet wird. Der Unterschied ist aufschlussreich: Die Earth Hour ist ein Symbol und erklärt sich selbst als solches, der eingesparte Strom ist verschwindend. Der Earth Day zielt auf Beteiligung und Politik. Beides hat seinen Zweck, solange man das eine nicht für das andere hält.
Was danach kommt
Die unbequeme Seite an Aktionstagen ist der 23. April. Aufmerksamkeit ist billig, Verhaltensänderung nicht. Was tatsächlich zählt, sind Entscheidungen mit Laufzeit, und davon gibt es im Haushalt eine überschaubare Zahl:
- Der Stromvertrag. Einmal geändert, wirkt er jahrelang weiter – vorausgesetzt, hinter dem Tarif steht mehr als ein umetikettiertes Zertifikat, siehe Ökostrom und Energie und Herkunftsnachweise.
- Die eigene Erzeugung. Eine steckerfertige Solaranlage rechnet sich heute über wenige Jahre, siehe Balkonkraftwerk.
- Der Umgang mit Material. Was gar nicht erst gekauft wird, muss weder entsorgt noch recycelt werden, siehe Müll vermeiden.
Der Rest ist Einordnung: Welche Zahlen belastbar sind und welche Hebel wirklich groß sind, steht unter Klima und Natur verstehen.
Weitere Aktionen und Aufrufe aus dem alten Blog stehen unter Aktiv werden, der Gesamtbestand im Archiv.
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