Archiv
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Petitionen, Kampagnen und Aktionen, die zwischen 2009 und 2011 liefen. Die Aufrufe selbst sind längst abgeschlossen, die Muster dahinter sind noch gut zu erkennen.
In dieser Rubrik standen die Aufrufe: Petitionen, Unterschriftenaktionen, Kampagnentermine, Demonstrationsaufrufe. Sie ist der Teil des Archivs mit dem kürzesten Haltbarkeitsdatum, denn ein Aufruf verliert seinen Zweck, sobald die Frist abgelaufen ist. Erhalten bleibt sie trotzdem, weil sich an ihr ablesen lässt, wie Umweltkampagnen um 2010 funktionierten und was sich seither verändert hat.
Die Kampagne, die das Muster gesetzt hat
Im März 2010 veröffentlichte eine Umweltorganisation ein kurzes Video, das den Zusammenhang zwischen Palmöl in einem bekannten Schokoriegel und der Rodung von Regenwald herstellte. Der Hersteller ließ das Video sperren, was dazu führte, dass es sich über andere Kanäle noch schneller verbreitete. Parallel füllten sich die Kommentarspalten des Unternehmens in sozialen Netzwerken.
Innerhalb weniger Wochen kündigte das Unternehmen an, seine Palmölbeschaffung umzustellen. Für eine Kampagne, die weder Anzeigen noch klassische Presseberichterstattung als Hauptträger hatte, war das neu. Das Muster – kurzes Video, direkte Ansprache über die Kanäle des Unternehmens, Eskalation durch den Löschversuch – ist seither in zahllosen Kampagnen wiederholt worden.
Was aus der Palmöldebatte selbst geworden ist und warum ein Produktboykott hier das schwächste Instrument ist, steht unter Palmöl.
Energiepolitik auf der Straße
Der zweite Schwerpunkt der Rubrik war die Auseinandersetzung um die Atomkraft. Im April 2010 bildeten nach Veranstalterangaben rund 120.000 Menschen eine Menschenkette zwischen zwei norddeutschen Kernkraftwerken. Im Herbst 2010 folgte die Auseinandersetzung um die Laufzeitverlängerung, im November desselben Jahres einer der am stärksten blockierten Castor-Transporte. Ein knappes halbes Jahr später kam Fukushima, und die politische Frage war innerhalb weniger Wochen entschieden.
Die Beiträge aus diesem Zeitraum sind damit ein ungewöhnlich klarer Fall: Eine über Jahrzehnte geführte Auseinandersetzung kippte innerhalb eines Quartals. Die laufende Berichterstattung dazu steht unter Blog, die längeren Schwerpunkte unter Specials.
Was sich an Kampagnen seither verändert hat
Zwei Dinge fallen im Rückblick auf. Erstens war die Beteiligungsschwelle niedriger geworden, aber die Verbindlichkeit auch. Eine Unterschrift unter eine Onlinepetition kostete 2010 zwanzig Sekunden, entsprechend schnell wuchsen die Zahlen und entsprechend wenig Gewicht hatten sie im Einzelfall.
Zweitens richteten sich Kampagnen zunehmend an Unternehmen statt an Parlamente, weil dort schneller etwas passierte. Eine Konzernzusage lässt sich in Wochen erreichen, ein Gesetz nicht. Der Preis dafür ist, dass eine freiwillige Zusage auch wieder zurückgenommen werden kann und selten überprüft wird.
Was davon übrig ist
Aufrufe von 2010 kann man heute nicht mehr unterschreiben. Die Beiträge stehen hier als Dokumentation, nicht als Handlungsaufforderung. Wer nach dem heutigen Stand der damals verhandelten Themen sucht, findet ihn unter Klima und Natur verstehen, und den Rahmen des Archivs insgesamt unter Archiv.
Alle Themen in dieser Rubrik
Demo Kopenhagen
Am 12. Dezember 2009 zog ein Protestzug durch Kopenhagen, der alles übertraf, was die Klimabewegung bis dahin auf die Straße gebracht hatte.
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KitKat und Palmöl
Wenige Wochen zwischen Video und Zusage. Die Kampagne von 2010 ist eines der wenigen Beispiele, bei dem sich Wirkung tatsächlich nachzeichnen lässt.
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Earth Day 2010
Ein Aktionstag, der 1970 in den USA begann und dessen erste Auflage tatsächlich Gesetze nach sich zog. Eine Zwischenbilanz.
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Facebook und Kohle
Ein Rechenzentrum in Oregon, das an einem Kohleversorger hing, wurde zum Kampagnenziel. Der Ausgang ist ein Lehrstück über das Wort „bilanziell“.
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Müll-Flashmob
Eine Straßenaktion gegen weggeworfene Verpackungen. Der Ärger darüber ist das eine, die Kosten und die Frage der Zuständigkeit das andere.
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Petition Atomausstieg
Im Frühjahr 2011 war die sofortige Abschaltung eine Forderung. Zwölf Jahre später war sie Realität, mit einem Verlauf, den damals kaum jemand so gezeichnet hätte.
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Häufige Fragen
Kann ich die hier genannten Petitionen noch unterschreiben?
Nein. Sämtliche Aufrufe aus dieser Rubrik stammen aus den Jahren 2009 bis 2011 und sind abgeschlossen. Die Beiträge bleiben als Dokumentation erhalten, nicht als Handlungsaufforderung.
Was war an der Palmöl-Kampagne von 2010 besonders?
Sie lief kaum über klassische Medien, sondern über ein Video und über die Kommentarspalten des Unternehmens in sozialen Netzwerken. Der Versuch, das Video sperren zu lassen, hat die Verbreitung noch verstärkt. Das Muster ist seither in vielen Kampagnen wiederholt worden.
Haben diese Kampagnen etwas bewirkt?
Unterschiedlich. Bei der Palmöl-Kampagne hat das betroffene Unternehmen seine Beschaffungsregeln geändert, was der Kampagne als Erfolg zugerechnet wird. Ob sich dadurch die Rodung in den Anbauländern messbar verringert hat, ist eine andere Frage und deutlich schwerer zu beantworten.
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