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Naturtainment

Vom Trickfilmhuhn zur Legehennenhaltung

Eine Kurzanimation von 2010 über ein Huhn und sein Ei. Der reale Hintergrund hat sich seither deutlich verändert, an einigen Stellen mehr als erwartet.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 24. April 2010 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und um den heutigen Stand ergänzt.

Der Kurzfilm zeigte ein Hühnerpaar, das sein Ei gegen alle Widrigkeiten verteidigt, gezeichnet, schnell, ohne Botschaft. Der reale Hintergrund war 2010 ein anderer, und dort hat sich seither mehr bewegt als in den meisten anderen Bereichen der Nutztierhaltung. Ein guter Anlass, den Stand nachzuziehen.

Was sich rechtlich geändert hat

Die konventionelle Käfighaltung, in der jede Henne etwa eine DIN-A4-Seite Fläche hatte, ist in der EU seit dem 1. Januar 2012 verboten. Deutschland war früher dran: Hier lief die konventionelle Käfighaltung bereits 2010 aus. Als Nachfolger kam die sogenannte Kleingruppenhaltung, ein größerer, etwas besser ausgestatteter Käfig – auch diese Form läuft in Deutschland aus, mit Fristen, die sich über die 2020er Jahre erstrecken.

Der zweite große Schritt kam 2022. Seit dem 1. Januar dieses Jahres ist das Töten männlicher Küken in Deutschland verboten. Vorher wurden pro Jahr rund 45 Millionen frisch geschlüpfte Hähne getötet, weil sie weder Eier legen noch schnell genug Fleisch ansetzen. Praktisch gelöst wird das heute über die Geschlechtsbestimmung im Ei vor dem Schlupf oder über die Aufzucht der Brüder, die dann in die Kostenrechnung des Eis einfließt.

Was auf dem Ei steht

Jedes in der EU verkaufte Ei trägt einen Stempel, und die erste Ziffer ist die wichtigste Information darauf:

Ziffer Haltungsform grobe Einordnung
0 Ökologische Erzeugung Auslauf, Biofutter, geringere Besatzdichte
1 Freilandhaltung Stall plus Auslauf im Freien
2 Bodenhaltung Stall ohne Auslauf, mehrere Ebenen
3 Käfighaltung in Deutschland auslaufend, Importe möglich

Danach folgen das Länderkürzel und die Betriebsnummer. Bodenhaltung stellt in Deutschland den größten Anteil, Freiland und Bio zusammen etwa ein Drittel. Der Haken sitzt an einer anderen Stelle: Für verarbeitete Produkte wie Nudeln, Backwaren, Mayonnaise oder Fertiggerichte gilt die Kennzeichnungspflicht nicht in dieser Form. Dort landen weiterhin Eier aus Haltungsformen, die im Karton kaum noch verkäuflich wären.

Was das mit dem Rest zu tun hat

Eier sind, gemessen an tierischen Lebensmitteln, klimatisch eher unauffällig; der große Hebel bei der Ernährung liegt bei Rindfleisch und Milchprodukten. Der relevante Punkt bei Eiern ist ein anderer: Haltung und Verluste.

Und Verluste heißt hier auch Wegwerfen. Eier landen überdurchschnittlich oft im Müll, weil das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum als Verfallsdatum gelesen wird. Tatsächlich sind Eier deutlich länger brauchbar, wenn sie durchgegart werden; der Schwimmtest im Wasserglas gibt einen brauchbaren Hinweis. Was sich sonst noch an Lebensmitteln retten lässt, steht unter Lebensmittel retten.

Wer Hühner im eigenen Garten hält, verschiebt die Frage nur, statt sie loszuwerden: Auch dort schlüpfen halb so viele Hähne, und auch dort braucht eine Henne nach dem zweiten Legejahr weiterhin Futter. Was ein Garten sonst leisten kann, steht unter Garten und Natur, die größeren Zusammenhänge unter Klima und Natur verstehen.

Weitere Filme und Fundstücke aus dem alten Blog stehen unter Naturtainment, der Gesamtbestand im Archiv.

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