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Eyjafjallajökull, Schutt und Asche über Europa

Ein isländischer Vulkan legte im April 2010 den europäischen Luftverkehr lahm. Die Aufregung ist vorbei, die Regeln, die daraus entstanden, gelten bis heute.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 20. April 2010 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und ergänzt, wie die Sache ausgegangen ist.

Der Beitrag von damals sammelte Bilder. Aschefahnen über Schwarzsand, Blitzentladungen in der Eruptionssäule, Höfe unter grauem Staub. Der Punkt war ausdrücklich der ästhetische: Während alle über Wirtschaftsschäden sprachen, lohnte es sich, das Schauspiel anzusehen. Fünfzehn Jahre später lässt sich beides zusammenbringen.

Was tatsächlich passierte

Die Eruption begann im März 2010 an einer Flanke und war zunächst eine Touristenattraktion. Am 14. April verlagerte sie sich unter die Gletscherkappe des Eyjafjallajökull, und damit änderte sich alles. Wo Magma auf Schmelzwasser trifft, zerreißt es explosionsartig in sehr feine, scharfkantige Partikel. Diese Asche steigt hoch, bleibt lange in der Luft und wird von der Höhenströmung verfrachtet.

Die Strömung führte sie in diesen Tagen direkt über Nord- und Mitteleuropa. Vom 15. bis 23. April blieb der Luftraum weiträumig gesperrt, rund 100.000 Flüge fielen aus, etwa zehn Millionen Passagiere kamen nicht weiter. Die Luftfahrtbranche bezifferte den Schaden auf mehr als eine Milliarde Euro.

Gemessen an isländischen Maßstäben war der Ausbruch dabei nicht groß. Die Laki-Spalteneruption von 1783 stieß ein Vielfaches aus und veränderte über Jahre das Wetter in Europa. Der Unterschied lag in der Feinheit der Asche und in der Windrichtung.

Warum gesperrt wurde und was sich danach änderte

Die Regel war 2010 einfach: keine Asche, kein Flug. Sie stammte aus den Achtzigern, nachdem mehrere Verkehrsflugzeuge in Aschewolken alle Triebwerke verloren hatten. Wo Asche modelliert wurde, blieb der Luftraum zu.

Das erwies sich als zu grob. Nach der Krise wurden gestaffelte Grenzwerte für Aschekonzentrationen eingeführt, sodass zwischen sicherem, eingeschränktem und gesperrtem Bereich unterschieden werden kann. Zusätzlich entstand eine europäische Krisenkoordinierungsstelle für den Luftverkehr, und die Modellierung der Ausbreitungswolken wurde mit Messflügen abgeglichen statt nur gerechnet. Diese Struktur greift bis heute.

Der Punkt, der 2010 wenig Beachtung fand

Während des Stillstands lief eine Nebenrechnung durch die Fachpresse. Der Vulkan stieß täglich CO2 in der Größenordnung von einigen hunderttausend Tonnen aus. Die ausgefallenen Flüge sparten in derselben Zeit mindestens eine vergleichbare Menge ein, nach manchen Schätzungen deutlich mehr.

Der Vergleich taugt nicht als Argument für irgendetwas, er ordnet aber ein verbreitetes Missverständnis: Vulkane sind gegenüber der Verbrennung fossiler Energieträger ein kleiner Posten in der globalen Kohlenstoffbilanz. Was Vulkane tatsächlich am Klima verändern können, sind Schwefelaerosole aus sehr großen Ausbrüchen, die für ein bis zwei Jahre kühlen. Dafür war dieser Ausbruch viel zu klein. Die Zusammenhänge stehen unter Treibhauseffekt erklärt, die Größenordnungen im eigenen Alltag unter CO2-Fußabdruck berechnen.

Was aus Island wurde

Die Prognose, der größere Nachbarvulkan Katla folge unmittelbar, hat sich nicht erfüllt. Er ruht bis heute.

Stattdessen passierte etwas, das 2010 niemand vorhergesagt hätte: Der unaussprechliche Name wurde zur besten Werbung, die das Land je hatte. Island startete noch im selben Jahr eine Tourismuskampagne, und die Besucherzahlen vervielfachten sich in den Folgejahren. Die Vulkanausbrüche der Reykjanes-Serie ab 2021 wurden entsprechend als Attraktion vermarktet, mit geführten Wanderungen zum Lavastrom.

Wie das Ereignis damals im Netz verhandelt wurde, in Bildergalerien und Linksammlungen, steht im Archiv.

Häufige Fragen

Warum war ausgerechnet dieser Ausbruch so folgenreich?

Wegen der Kombination aus Gletschereis und Windrichtung. Das Schmelzwasser zerriss das Magma zu sehr feiner, scharfkantiger Asche, die lange in der Luft bleibt. Die Höhenströmung führte sie anschließend genau über die am dichtesten beflogene Region der Welt.

Warum ist Vulkanasche für Flugzeuge gefährlich?

Die Partikel schmelzen in der heißen Brennkammer eines Triebwerks und lagern sich beim Abkühlen als Glasschicht auf den Turbinenschaufeln ab. Das kann die Triebwerke im Flug zum Erlöschen bringen. Zusätzlich schmirgelt die Asche Scheiben und Sensoren.

Ist der befürchtete Katla-Ausbruch gekommen?

Nein. 2010 kursierte die Prognose, der größere Nachbarvulkan Katla folge unmittelbar. Er ist bis heute nicht ausgebrochen, sein letzter großer Ausbruch liegt über hundert Jahre zurück. Historisch gab es Fälle, in denen beide kurz nacheinander aktiv waren, ein Automatismus ist das nicht.

Haben spätere isländische Ausbrüche den Flugverkehr gestoppt?

Nein. Die Eruptionen auf der Halbinsel Reykjanes seit 2021 waren überwiegend Lavaausbrüche mit wenig Asche und ohne Gletscherkontakt. Sie wurden zur Touristenattraktion, nicht zum Verkehrsproblem.

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