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Der Ölteppich im Golf von Mexiko aus dem All
Ein Satellitenbild vom 25. April 2010 zeigte einen silbrigen Schleier neben dem Mississippi-Delta. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Katastrophe kaum begonnen.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 27. April 2010 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und ergänzt, wie die Sache ausgegangen ist.
Das Bild war unspektakulär und deshalb so wirkungsvoll: ein silbriger, verwirbelter Schleier auf blaugrauem Wasser, links das Mississippi-Delta. Aufgenommen am 25. April 2010 von einem NASA-Erdbeobachtungssatelliten, fünf Tage nach der Explosion der Deepwater Horizon rund 80 Kilometer vor der Küste Louisianas. Der Beitrag von damals zeigte es als Beleg dafür, dass der Ölteppich inzwischen aus dem Orbit sichtbar war.
Was zu diesem Zeitpunkt niemand wusste: Die Katastrophe hatte gerade erst begonnen.
Der Ablauf
Am 20. April 2010 kam es beim Verschließen einer Explorationsbohrung zu einem Gasausbruch. Elf Arbeiter starben, die Plattform brannte zwei Tage und sank am 22. April. Das Steigrohr knickte am Meeresboden ab, in rund 1.500 Metern Tiefe lief das Bohrloch offen.
Danach folgten fast drei Monate technischer Fehlschläge. Eine Stahlglocke vereiste, ein Verschlussversuch mit Bohrschlamm scheiterte, erst eine aufgesetzte Kappe stoppte den Fluss am 15. Juli. Endgültig dicht war das Bohrloch im September, über eine seitliche Entlastungsbohrung.
Warum das Satellitenbild wichtig wurde
Die Mengenfrage war von Anfang an umkämpft. Der Betreiber sprach zunächst von 1.000 Barrel am Tag, später von 5.000. Unabhängige Fachleute rechneten anhand der Videobilder aus dem Steigrohr und anhand der Ausdehnung des Teppichs auf Satellitenaufnahmen deutlich höhere Werte aus.
Genau deshalb waren diese Bilder mehr als Illustration. Sie waren eines der wenigen unabhängigen Messmittel in einer Lage, in der alle anderen Daten vom Verursacher kamen. Am Ende stellte ein Gericht die maßgebliche Austrittsmenge fest, ein Vielfaches der ersten Angaben, und daran hing die Höhe der Strafen nach US-Wasserrecht.
Aus dieser Erfahrung ist eine Routine geworden. Ölfilme werden heute standardmäßig über Radarsatelliten erfasst, unabhängig von Bewölkung und Tageslicht, und die Daten sind in Europa frei verfügbar. Illegale Tankreinigungen auf See lassen sich damit inzwischen regelmäßig nachweisen.
Wie es ausgegangen ist
Wirtschaftlich hat der Konzern gezahlt: Aufräumarbeiten, Entschädigungen, Strafen und ein Vergleich mit US-Bundesstaaten summierten sich auf einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag. Der Vergleich von 2015 war der größte Umweltvergleich in der Geschichte der Vereinigten Staaten.
Ökologisch ist die Bilanz zweigeteilt. An der Oberfläche ist wenig geblieben, Fischerei und Tourismus haben sich erholt. In der Tiefe sieht es anders aus. Untersuchungen an Tiefseekorallen zeigten noch Jahre später Schäden, Delfinbestände in betroffenen Buchten wiesen über ein Jahrzehnt erhöhte Sterblichkeit und Fortpflanzungsprobleme auf, und ein erheblicher Teil des Öls ist nie geborgen worden, sondern in Sedimenten und in der Wassersäule verblieben.
Regulatorisch folgten strengere Vorgaben für Tiefseebohrungen in den USA, die in den Jahren danach teilweise wieder gelockert wurden.
Was daraus folgt
Der Vorgang gehört zu den am besten dokumentierten Umweltkatastrophen überhaupt, und trotzdem lässt sich der Schaden bis heute nicht abschließend beziffern. Das ist die eigentliche Lehre: Bei Meeresökosystemen ist die Sichtbarkeit an der Oberfläche kein Maß für den Zustand darunter. Wie sich Belastung, Erwärmung und Befischung dort überlagern, steht unter Meere und Fischbestände, der größere Rahmen in der Rubrik Klima und Natur verstehen.
Wie das Ereignis Woche für Woche im Netz begleitet wurde, steht im Archiv.
Häufige Fragen
Wie lange floss das Öl?
87 Tage. Vom Untergang der Plattform am 22. April bis zum provisorischen Verschluss am 15. Juli 2010. Mehrere Versuche, das Leck vorher abzudichten, scheiterten in 1.500 Metern Wassertiefe. Endgültig versiegelt wurde das Bohrloch im September über eine Entlastungsbohrung.
Warum waren die Mengenangaben so umstritten?
Weil sie über die Strafhöhe entschieden. Erste Angaben lagen bei 1.000 Barrel pro Tag, später bei 5.000, unabhängige Auswertungen der Videobilder kamen auf ein Vielfaches. Am Ende stellte ein Gericht die maßgebliche Menge fest, die deutlich über den frühen Angaben des Betreibers lag.
Was wurde aus den Chemikalien, die versprüht wurden?
Rund sieben Millionen Liter Dispergatoren wurden eingesetzt, erstmals in großem Umfang auch direkt am Bohrloch in der Tiefe. Sie lösen den Teppich in feine Tröpfchen auf, die dann nicht mehr an die Oberfläche steigen. Das Öl verschwindet damit aus dem Bild, nicht aus dem Ökosystem, und die Langzeitwirkung auf die Tiefsee ist bis heute nicht abschließend geklärt.
Hat sich der Golf erholt?
Teilweise. Fischerei und Tourismus haben sich wirtschaftlich erholt, an der Oberfläche ist wenig zu sehen. Untersuchungen an Tiefseekorallen, Delfinbeständen und Marschgebieten zeigen dagegen Schäden, die über ein Jahrzehnt nachweisbar blieben.
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