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Naturtainment

Der Große Panda hinter der Werbefigur

Kaum ein Tier ist so oft abgebildet worden. Der Bestand hat sich tatsächlich erholt, allerdings nicht aus den Gründen, die man vermuten würde.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 15. Juli 2010 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und um den heutigen Stand ergänzt.

Der Panda aus der Käsewerbung, der ungeduldig wird, wenn im Regal zur falschen Marke gegriffen wird, war 2010 ein Netzhit. Interessanter als der Spot ist die Frage, warum ausgerechnet dieses Tier so verlässlich funktioniert – und wie es dem echten Panda inzwischen geht.

Warum der Panda überall ist

Seit 1961 trägt der WWF einen Panda im Logo. Die Entscheidung war damals auch praktisch begründet: eine Figur, die sich in Schwarzweiß billig drucken lässt, die niemandem Angst macht und die keiner Nation gehört. Der Panda wurde daraufhin zur Standardchiffre für Artenschutz und von dort aus in die Werbung weitergereicht.

Damit hängt an ihm die klassische Kritik am Flaggschiffprinzip: Sympathische Großtiere ziehen Aufmerksamkeit und Geld, während unauffällige Arten leer ausgehen, obwohl sie oft dringender dran wären. Das Gegenargument ist ebenfalls solide. Der Panda lebt in Bergwäldern, in denen Tausende andere Arten vorkommen. Wer sein Gebiet schützt, schützt das ganze System mit – das ist die Idee der Schirmart.

Was sich beim Bestand getan hat

2016 stufte die Weltnaturschutzunion IUCN den Großen Panda von „stark gefährdet“ auf „gefährdet“ herab. Die letzte landesweite Erhebung in China hatte rund 1.860 erwachsene Tiere in freier Wildbahn gezählt, ein deutliches Plus gegenüber den Erhebungen der 1980er und 1990er Jahre. China selbst erklärte den Bestand wenige Jahre später ebenfalls als nicht mehr akut bedroht.

Die Gründe dafür sind unspektakulär und liegen fast alle beim Lebensraum: ein landesweites Abholzungsverbot in den Kernregionen nach den schweren Überschwemmungen von 1998, ein Netz von inzwischen mehr als sechzig Reservaten und, seit 2021, ein zusammenhängender Nationalpark, der bisher getrennte Schutzgebiete verbindet. Nicht ursächlich war die Zucht in Gehegen: Sie hat viele Tiere hervorgebracht, aber nur eine Handvoll erfolgreicher Auswilderungen. Was Erhaltungszucht leisten kann und was nicht, steht unter Zoo-Werbung aus Toronto.

Was offen bleibt

Herabgestuft heißt nicht gerettet. Drei Punkte bleiben:

  • Zerschneidung. Der Bestand verteilt sich auf mehr als dreißig weitgehend getrennte Teilpopulationen. Kleine, isolierte Gruppen verlieren genetische Vielfalt, und Straßen und Siedlungen liegen dazwischen.
  • Der Bambus selbst. Bambusarten blühen in langen Zyklen und sterben nach der Blüte großflächig ab. Früher wichen Pandas dann in andere Höhenlagen aus. Wo Ausweichräume fehlen, funktioniert das nicht mehr.
  • Die Erwärmung. Modellrechnungen erwarten, dass geeignete Bambusflächen in höhere Lagen wandern. Nach oben ist der Platz begrenzt.

Dazu kommt eine Randnotiz zur Biologie: Der Panda ist stammesgeschichtlich ein Raubtier mit dem kurzen Darm eines solchen, ernährt sich aber zu rund 99 Prozent von Bambus. Weil er die Zellulose nur schlecht aufschließt, muss er täglich zweistellige Kilogrammmengen fressen und bewegt sich entsprechend sparsam. Die berühmte Trägheit ist keine Charaktereigenschaft, sondern Energiehaushalt.

Was daraus zu lernen ist

Der Panda ist einer der wenigen Fälle mit einer messbar guten Nachricht, und die Ursache war nicht Werbung, sondern Fläche: Wälder, die stehen bleiben durften, und ein Verbund, der Teilgebiete wieder verbindet. Dieselbe Logik gilt im Kleinen für heimische Arten, siehe Garten und Natur, und im Großen für die Frage, wo Landnutzung und Klimaschutz zusammenhängen, siehe Klima und Natur verstehen.

Weitere Werbespots und Fundstücke aus dem alten Blog stehen unter Naturtainment, der Gesamtbestand im Archiv.

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