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Ökostrom

Dynamische Stromtarife

Der Preis folgt stündlich der Strombörse. Das lohnt sich, wenn du große Verbräuche verschieben kannst – und bleibt folgenlos, wenn du das nicht kannst.

Ein dynamischer Stromtarif koppelt deinen Arbeitspreis an die Strombörse. Statt eines festen Cent-Betrags gilt für jede Stunde der Preis, der sich am Vortag im Handel gebildet hat, aufgeschlagen um Netzentgelt, Steuern, Abgaben, Umlagen und die Marge des Anbieters. Mittags im Sommer kann das sehr günstig sein, an einem windstillen Januarabend sehr teuer.

Was tatsächlich schwankt

Der Börsenpreis ist nur ein Teil deiner Rechnung. Die grobe Aufteilung eines Haushaltsstrompreises sieht ungefähr so aus:

Bestandteil Anteil, grob dynamisch?
Beschaffung und Vertrieb 35–45 Prozent ja, dieser Teil folgt der Börse
Netzentgelte und Messung 25–30 Prozent nein, feste Beträge
Steuern, Abgaben, Umlagen 30–35 Prozent nein

Wenn also der Börsenpreis von 8 auf 2 Cent fällt, halbiert sich dein Preis nicht. Das ist der häufigste Denkfehler bei der Einschätzung dieser Tarife: Der relative Vorteil einer günstigen Stunde ist kleiner, als die Börsenkurve suggeriert. Umgekehrt gilt dasselbe nach oben, was die Sache erträglicher macht.

Die Anteile sind Größenordnungen für 2026 und verschieben sich mit jeder Umlagenrunde. Nachrechnen lässt sich das an der Bestandteileaufstellung deiner Jahresrechnung.

Der Tagesverlauf, an dem alles hängt

An einem sonnigen Sommertag drückt Solarstrom den Börsenpreis zwischen etwa 11 und 15 Uhr stark, in Einzelstunden bis in negative Werte. Die Spitzen liegen morgens gegen 7 bis 9 Uhr und abends zwischen 18 und 21 Uhr, wenn wenig Solar und viel Nachfrage zusammenkommen. Im Winter fehlt die Mittagsdelle weitgehend, dafür sind windreiche Nächte auffällig günstig.

Daraus folgt die einzige Frage, die über den Nutzen entscheidet: Kannst du Verbrauch verschieben, und wie viel?

  • Elektroauto: die stärkste Karte. 10.000 Kilometer im Jahr sind rund 1.800 bis 2.200 Kilowattstunden, die fast vollständig planbar sind.
  • Wärmepumpe: ein Vielfaches davon, aber weniger frei verschiebbar. Der Puffer erlaubt Verschiebungen von wenigen Stunden, nicht von Tagen. Zur Systemfrage siehe Wärmepumpe oder Gas.
  • Batteriespeicher: kann gezielt in günstigen Stunden laden. Ob sich der Speicher deshalb rechnet, ist eine eigene Rechnung, siehe Speicher beim Balkonkraftwerk.
  • Waschmaschine, Spülmaschine, Trockner: zusammen selten mehr als 600 bis 800 Kilowattstunden im Jahr. Selbst perfekt verschoben bringt das größenordnungsmäßig 30 bis 60 Euro.

Die Rechnung ohne Großverbraucher

Ein Zweipersonenhaushalt mit 2.500 Kilowattstunden verschiebt vielleicht 500 davon in günstige Stunden und spart dabei im Mittel 5 Cent je Kilowattstunde. Macht 25 Euro. Dagegen stehen die Entgelte für das intelligente Messsystem, das je nach Fallgruppe grob 20 bis 50 Euro im Jahr kostet, und ein Grundpreis, der bei dynamischen Tarifen oft etwas höher liegt.

Unterm Strich bleibt in dieser Konstellation nichts oder ein Minus. Wo genau die Kilowattstunden in so einem Haushalt hängen, zeigt Strom sparen im Haushalt – dort liegt für diese Haushalte auch der größere Hebel.

Smart Meter, Kosten und Vorlauf

Ein dynamischer Tarif setzt ein intelligentes Messsystem voraus: einen digitalen Zähler mit Kommunikationseinheit, der viertelstündliche Werte übermittelt. Zuständig ist der Messstellenbetreiber, in der Regel dein Netzbetreiber. Der Einbau erfolgt entweder im gesetzlichen Rollout, bei bestimmten Anlagen und Verbräuchen verpflichtend, oder auf eigenen Wunsch.

Die Entgelte sind gesetzlich gedeckelt und liegen für Haushalte je nach Fallgruppe grob zwischen 20 und 50 Euro im Jahr. Die genauen Obergrenzen und die Zuordnung zu den Fallgruppen ändern sich mit der Gesetzeslage; die Bundesnetzagentur und dein Messstellenbetreiber nennen den aktuellen Stand. Rechne beim Einbau mit einigen Wochen bis Monaten Vorlauf.

Automatisieren oder von Hand steuern

Wer täglich in eine App schaut und Geräte manuell startet, hält das ein paar Wochen durch. Danach entscheidet die Automatisierung, ob der Tarif etwas bringt. Drei Stufen sind üblich:

  • Zeitvorwahl am Gerät. Kostet nichts, reicht für Wasch- und Spülmaschine. Du legst abends fest, wann morgen gestartet wird, nachdem die Preise für den Folgetag feststehen.
  • Schaltsteckdosen mit Zeitplan. Für Boiler, Poolpumpe oder Ladeziegel, wenn kein intelligenteres Gerät dahintersteht. Achte auf die Schaltleistung, Heizgeräte überfordern billige Adapter.
  • Anbieter- oder Herstellersteuerung. Wallboxen und Wärmepumpen vieler Hersteller lassen sich direkt an die Preiskurve koppeln und laden oder heizen automatisch in den günstigsten Stunden. Das ist die einzige Variante, die über Jahre ohne Aufmerksamkeit funktioniert.

Wichtig ist ein Punkt, den Anbieter selten betonen: Wenn viele Haushalte dieselbe günstigste Stunde ansteuern, ist sie irgendwann nicht mehr die günstigste. Ein Ladeplan, der über mehrere Stunden verteilt, ist robuster als einer, der exakt das Preisminimum trifft.

Wer davon absehen sollte

  • Haushalte ohne verschiebbare Großverbraucher.
  • Wer keine Lust hat, sich mit Preiskurven zu beschäftigen. Automatisierung nimmt viel davon ab, ganz ohne Aufmerksamkeit geht es aber nicht.
  • Wer Preisschwankungen finanziell nicht abfedern kann. Eine kalte Woche mit hohen Preisen schlägt sofort auf die Abrechnung durch.

In diesen Fällen ist ein solider Festpreistarif die ruhigere Wahl. Worauf du dabei achten solltest, steht unter Anbieter wechseln. Und wer wissen will, was „grün“ an einem Tarif überhaupt bedeutet – dynamisch oder nicht –, findet die Bilanzlogik unter Herkunftsnachweise.

Ein Punkt spricht unabhängig vom Geld für diese Tarife: Sie verlagern Verbrauch in Stunden, in denen viel erneuerbarer Strom im Netz ist. Das ist genau das Verhalten, das ein System mit viel Wind und Solar braucht. Nur sollte man es nicht mit einem Sparprogramm verwechseln, wenn nichts zu verschieben ist.

Häufige Fragen

Was ist ein dynamischer Stromtarif?

Ein Tarif, dessen Arbeitspreis dem Börsenpreis für die jeweilige Stunde folgt, zuzüglich fester Bestandteile wie Netzentgelt, Steuern und Anbietermarge. Die Preise für den nächsten Tag stehen üblicherweise am Nachmittag fest und lassen sich in der App des Anbieters einsehen. Abgerechnet wird nach den viertelstündlich oder stündlich gemessenen Verbräuchen.

Brauche ich dafür ein Smart Meter?

Ja. Ohne intelligentes Messsystem gibt es keine zeitaufgelösten Messwerte und damit keine stündliche Abrechnung. Der Einbau läuft über den Messstellenbetreiber, meist den örtlichen Netzbetreiber, und ist bei Bedarf auch auf eigenen Wunsch möglich. Rechne mit einigen Wochen bis Monaten Vorlauf.

Kann ich mit einem dynamischen Tarif draufzahlen?

Ja. In Phasen hoher Börsenpreise, etwa an kalten, windstillen Winterabenden, liegst du deutlich über einem Festpreistarif. Über ein Jahr gemittelt gleicht sich das oft aus, aber die Schwankung trägst du selbst. Wer ein knappes Budget hat und keine Reserve für eine teure Woche, fährt mit einem festen Preis ruhiger.

Für wen lohnt sich das wirklich?

Für Haushalte mit großen, zeitlich verschiebbaren Verbräuchen: Elektroauto, Wärmepumpe, Batteriespeicher, teils auch Warmwasserspeicher. Wenn du 2.000 bis 4.000 Kilowattstunden im Jahr gezielt in günstige Stunden legen kannst, sind dreistellige Beträge realistisch. Bei einem Haushalt ohne solche Verbraucher bleibt es meist bei zweistelligen Beträgen, denen die Messentgelte gegenüberstehen.

Was ist der Unterschied zu einem Zeitfenstertarif?

Ein Tag- und Nachttarif oder ein Tarif nach § 14a mit reduzierten Netzentgelten arbeitet mit festen Zeitfenstern oder festen Reduzierungen, ein dynamischer Tarif mit tatsächlichen Börsenpreisen. Beides lässt sich in manchen Konstellationen kombinieren. Die Bedingungen unterscheiden sich je Netzbetreiber, ein Blick in dessen Preisblatt ist unumgänglich.

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