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Ökostrom

Ökostrom-Gütesiegel im Vergleich

Nicht jedes Siegel prüft dasselbe. Der entscheidende Unterschied liegt darin, ob ein Anbieter neue Anlagen bauen muss oder nur alte Zertifikate kaufen darf.

Ökostrom ist kein geschützter Begriff. Jeder Anbieter darf einen Tarif so nennen, solange er für die gelieferte Menge Herkunftsnachweise entwertet. Gütesiegel füllen diese Lücke: Sie definieren eigene Kriterien und prüfen, ob ein Tarif sie einhält. Die Siegel unterscheiden sich dabei erheblich – und der Unterschied lässt sich auf eine Frage zusammenziehen: Muss der Anbieter etwas Neues bauen, oder reicht ein Zertifikat aus einem bestehenden Kraftwerk?

Die drei Prüfebenen

Siegel prüfen auf bis zu drei Ebenen, und viele bleiben auf der ersten stehen.

  1. Mengenbilanz. Wurde für jede verkaufte Kilowattstunde ein Herkunftsnachweis entwertet? Das ist die Mindestanforderung und ohnehin gesetzlich vorgeschrieben. Wie das funktioniert, steht unter Herkunftsnachweise.
  2. Zusätzlichkeit. Entsteht durch den Tarif neue Erzeugungskapazität, etwa über einen Neuanlagenanteil oder einen festen Förderbetrag je Kilowattstunde?
  3. Unternehmenskriterien. Darf der Anbieter gleichzeitig an Atom- oder Kohlekraftwerken beteiligt sein? Dieser Punkt entscheidet, ob ein Konzern einen grünen Tarif neben seinem konventionellen Geschäft führen darf.

Was die bekannten Siegel verlangen

Siegel Zubau gefordert Unternehmenskriterien Vergabestelle
Grüner Strom Label ja, fester Betrag je kWh ja, Ausschluss bei Atom- und Kohlebeteiligung Umwelt- und Verbraucherverbände
ok-power ja, über mehrere Modelle ja, Ausschlusskriterien vorhanden gemeinnütziger Verein mit Fachbeirat
TÜV-Zertifikate je nach Standard, teils ja in der Regel nein technische Prüforganisationen
reine Anbieterlabels meist nein nein Anbieter selbst

Grüner Strom Label ist historisch das strengste. Es verlangt eine feste Förderung je verkaufter Kilowattstunde, die in neue Anlagen oder in Energiewendeprojekte fließt, und schließt Unternehmen aus, die an Atom- oder Kohlekraftwerken beteiligt sind. Getragen wird es von Umwelt- und Verbraucherverbänden, nicht von der Branche.

ok-power arbeitet mit mehreren Modellen. Anbieter können die Zusätzlichkeit über einen Anteil junger Anlagen im Portfolio, über Investitionen oder über Angebote zur Flexibilisierung nachweisen. Das macht das Siegel breiter anwendbar und für manche Geschäftsmodelle zugänglicher, ohne die Grundidee aufzugeben.

TÜV-Zertifikate sind keine einheitliche Größe. Die Prüfhäuser vergeben verschiedene Standards, die von reiner Mengenbilanzierung bis zu Varianten mit Neuanlagenanteil reichen. Ein TÜV-Logo allein sagt deshalb wenig; entscheidend ist die Bezeichnung des konkreten Standards und dessen Kriterienkatalog. Wer sich die Mühe macht, findet die Fassung meist als PDF auf der Seite des Prüfhauses.

Anbietereigene Label mit Blatt-Symbol und Fantasienamen sind Marketing. Sie werden von niemandem außerhalb des Unternehmens geprüft.

Warum die Kriterien sich ändern

Alle ernst zu nehmenden Siegel überarbeiten ihre Kriterien in Abständen, weil sich Marktbedingungen und Förderlandschaft verschieben. Was vor fünf Jahren als ambitioniert galt, ist heute Standard. Für dich heißt das: Der Kriterienstand des laufenden Jahres zählt, nicht die Beschreibung in einem älteren Artikel. Auch dieser Text ist Stand August 2026 und ersetzt den Blick auf die aktuelle Kriterienfassung nicht.

Woran du ein leeres Etikett erkennst

Es gibt ein paar verlässliche Anzeichen, dass hinter einem grünen Tarif nichts als Buchhaltung steckt:

  • Kein Siegel, nur ein Eigenname. „Naturtarif“, „Klimastrom“, „Grün Plus“ – solche Bezeichnungen sind frei erfunden und werden von niemandem geprüft.
  • Keine Angabe zur Herkunft. Wer nicht sagt, aus welchem Land und aus welchen Anlagen die Nachweise stammen, hat dafür meist einen Grund.
  • Kein Wort über Zubau. Steht nirgends ein Betrag je Kilowattstunde, ein Anteil junger Anlagen oder ein konkretes Projekt, gibt es auch keinen.
  • Der Aufpreis liegt bei null. Ein Ökotarif, der exakt so viel kostet wie der Standardtarif desselben Anbieters, hat nichts eingekauft, was Geld kostet.

Umgekehrt ist ein Anbieter, der Anlagenliste, Herkunftsland und Investitionsverpflichtung offen dokumentiert, auch ohne teures Siegel eine ernst zu nehmende Wahl. Die Transparenz ist der eigentliche Prüfstein, das Siegel nimmt dir nur die Arbeit ab.

Was ein Siegel nicht leistet

Ein Siegel prüft einen Tarif. Es prüft nicht, ob dein Anbieter kulant abrechnet, ob der Kundenservice erreichbar ist oder ob das Unternehmen wirtschaftlich stabil dasteht. Insolvenzen von Billiganbietern haben in den Preiskrisen der Vorjahre viele Haushalte kalt erwischt, zertifiziert oder nicht. Die vertraglichen Punkte, auf die es dabei ankommt, stehen unter Anbieter wechseln.

Ein Siegel sagt auch nichts darüber, wann dein Strom erzeugt wird. Die Bilanz läuft über ein Jahr; ob nachts Kohlestrom durch die Leitung kommt, bleibt davon unberührt. Wer diesen zeitlichen Bezug herstellen will, landet bei dynamischen Tarifen oder bei eigener Erzeugung.

Eine nüchterne Einordnung

Ein zertifizierter Tarif mit Zubauverpflichtung ist die bessere Wahl gegenüber einem ohne. Der Unterschied kostet bei einem Durchschnittshaushalt größenordnungsmäßig 30 bis 90 Euro im Jahr. Das ist wenig für eine Entscheidung, die man einmal trifft.

Gleichzeitig sollte man den Hebel nicht überschätzen. Der größere Effekt liegt darin, weniger zu verbrauchen und stärker selbst zu erzeugen. Wo im Haushalt tatsächlich die Kilowattstunden hängen, rechnet Strom sparen im Haushalt durch. Und wer den Vergleich zu anderen Lebensbereichen sucht, findet ihn in der Rubrik Klima und Natur verstehen: Beim Heizen und bei der Mobilität stehen in den meisten Haushalten größere Zahlen als beim Haushaltsstrom.

Häufige Fragen

Welches Ökostrom-Siegel ist das strengste?

Grüner Strom Label gilt als das strengste, weil es einen festen Förderbetrag je verkaufter Kilowattstunde in neue Anlagen oder Energiewendeprojekte verlangt und Anbieter mit Beteiligungen an Atom- und Kohlekraft ausschließt. ok-power arbeitet mit mehreren Modellen, die ebenfalls Zubau verlangen, ist aber flexibler in der Ausgestaltung. Die genauen Kriterien werden regelmäßig überarbeitet, ein Blick auf die Kriterienfassung des laufenden Jahres lohnt.

Reicht ein TÜV-Zertifikat als Nachweis?

Es belegt, dass jemand hingesehen hat, sagt aber für sich genommen nichts über neue Anlagen aus. Die Prüfhäuser vergeben verschiedene Standards, von reiner Mengenbilanzierung bis zu Varianten mit Neuanlagenanteil. Entscheidend ist die Bezeichnung des konkreten Standards, nicht das Logo.

Kann ein Kohlekonzern zertifizierten Ökostrom verkaufen?

Bei den meisten Siegeln ja, denn zertifiziert wird der einzelne Tarif. Grüner Strom Label schließt Anbieter mit Beteiligungen an Atom- und Kohlekraftwerken dagegen aus, ok-power hat ebenfalls Ausschlusskriterien auf Unternehmensebene. Wem der Konzern hinter dem Tarif wichtig ist, muss auf diese Unternehmenskriterien achten.

Was ist ein Neuanlagenanteil?

Die Verpflichtung, einen Teil des verkauften Stroms aus Anlagen zu beziehen, die erst wenige Jahre alt sind, oder einen festen Betrag je Kilowattstunde in neue Anlagen zu investieren. Das ist der Mechanismus, über den ein Tarif überhaupt zusätzliche Erzeugung auslöst. Ohne ihn wird nur umverteilt, was ohnehin existiert.

Kostet zertifizierter Ökostrom mehr?

Meist ja, aber der Abstand ist kleiner als vermutet und liegt oft im Bereich von ein bis drei Cent je Kilowattstunde. Bei 3.000 Kilowattstunden im Jahr sind das rund 30 bis 90 Euro. Die tatsächliche Spanne verschiebt sich mit den Börsenpreisen, ein aktueller Vergleich ist Pflicht.

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