Ökostrom
Ökostrom-Anbieter wechseln
Der Wechsel selbst ist unspektakulär und dauert wenige Minuten. Interessant wird es erst bei Fristen, Preisgarantien und der Frage, was nach dem Bonusjahr passiert.
Ein Stromanbieterwechsel ist ein Papiervorgang. Du füllst ein Formular aus, der neue Anbieter kündigt den alten und meldet dich beim Netzbetreiber an, ab einem Stichtag steht ein anderer Absender auf der Rechnung. An der Steckdose ändert sich nichts, denn Strom lässt sich nicht adressieren. Genau deshalb ist die Auswahl des Tarifs die eigentliche Arbeit – nicht der Wechsel.
Was beim Wechsel tatsächlich passiert
Der örtliche Netzbetreiber bleibt derselbe. Er betreibt Leitungen und Zähler, liest ab und stellt dem Lieferanten die Netzentgelte in Rechnung. Dein Lieferant kauft Strommengen ein und verkauft sie dir. Wer das ist, ist für die Versorgungssicherheit ohne Belang: Fällt ein Lieferant aus, springt automatisch die Ersatzversorgung ein. Ohne Strom stehst du nie.
Praktisch brauchst du drei Angaben: Zählernummer, bisheriger Anbieter mit Kundennummer und deinen Jahresverbrauch. Den Verbrauch solltest du nicht raten. Wer ihn zu niedrig angibt, freut sich über kleine Abschläge und bekommt am Ende eine Nachzahlung. Wo dein Verbrauch wirklich sitzt, steht unter Strom sparen im Haushalt.
Fristen, die du kennen solltest
| Vertragsart | Typische Kündigungsfrist | Bemerkung |
|---|---|---|
| Grundversorgung | zwei Wochen zum Monatsende | jederzeit, keine Mindestlaufzeit |
| Sondervertrag, Erstlaufzeit | meist zum Laufzeitende | oft 12 oder 24 Monate |
| Sondervertrag, nach Verlängerung | in der Regel ein Monat | Verlängerungen sind gesetzlich begrenzt |
| nach Preiserhöhung | Sonderkündigungsrecht | Frist steht im Ankündigungsschreiben |
Die Grundversorgung ist der Tarif, in dem du automatisch landest, wenn du nie etwas unterschrieben hast – etwa nach einem Umzug. Sie ist selten die günstigste Variante, aber die flexibelste. Aus ihr kommst du praktisch immer kurzfristig heraus.
Bei Sonderverträgen ist die Verlängerung der kritische Punkt. Läuft ein Bonustarif nach zwölf Monaten aus und du reagierst nicht, verlängert er sich zu den dann gültigen Konditionen. Der Bonus fällt weg, der Arbeitspreis bleibt oder steigt. Setz dir den Kündigungstermin in den Kalender, sobald der Vertrag bestätigt ist.
Warum Bonusjagd oft teurer endet
Vergleichsportale sortieren standardmäßig nach den Kosten im ersten Jahr. In dieser Rechnung steckt der Neukundenbonus, häufig ein dreistelliger Betrag, der den Arbeitspreis rechnerisch drückt. Im zweiten Jahr fällt er weg.
Ein Beispiel mit 3.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch:
| Tarif | Arbeitspreis | Bonus Jahr 1 | Kosten Jahr 1 | Kosten Jahr 2 |
|---|---|---|---|---|
| Bonustarif | 38 ct/kWh | 150 Euro | rund 990 Euro | rund 1.140 Euro |
| Tarif ohne Bonus | 33 ct/kWh | – | rund 990 Euro | rund 990 Euro |
Die Zahlen sind gerundet und ohne Grundpreis gerechnet; sie sollen nur das Muster zeigen. Im ersten Jahr sind beide gleich teuer, im zweiten liegen 150 Euro dazwischen. Der Bonustarif rechnet sich also nur, wenn du zuverlässig wieder wechselst. Wer das drei Jahre lang durchhält, spart real Geld. Wer es einmal vergisst, hat den Vorteil verloren.
Zwei weitere Punkte gehören in dieselbe Rechnung. Erstens werden Boni oft erst nach zwölf Monaten ununterbrochener Belieferung ausgezahlt – wer vorher auszieht, sieht das Geld nicht. Zweitens ist eine Vorkasse- oder Kautionsvariante nicht dasselbe wie ein normaler Tarif: Du gibst dem Anbieter einen Kredit und trägst sein Insolvenzrisiko mit.
Was eine Preisgarantie abdeckt
„Preisgarantie“ klingt nach einem festen Preis, meint aber meist nur die Bestandteile, die der Anbieter selbst beeinflusst: Beschaffung und Vertrieb. Steuern, Abgaben, Umlagen und Netzentgelte sind häufig ausgenommen. Eine eingeschränkte Preisgarantie kann dir also trotzdem eine Erhöhung bescheren. Steht dagegen „Festpreis“ oder „vollumfängliche Preisgarantie“ dabei, lies nach, was in der Ausnahmeliste steht.
Woran du einen ernst gemeinten Ökostromtarif erkennst
Fast jeder Anbieter hat heute einen Ökostromtarif im Programm. Das ist billig zu haben, weil sich Zertifikate getrennt vom Strom handeln lassen. Der Unterschied zwischen einem Tarif, der etwas bewegt, und einem, der nur ein Etikett trägt, liegt in zwei Fragen:
- Woher kommt der Strom? Zertifikate aus alten norwegischen Wasserkraftwerken sind billig und bauen in Deutschland nichts zu. Wie diese Bilanzierung funktioniert, steht unter Herkunftsnachweise.
- Verpflichtet sich der Anbieter zum Zubau? Manche Labels verlangen einen festen Anteil aus Neuanlagen oder eine Investition je verkaufter Kilowattstunde. Welche das sind, klärt der Artikel zu den Gütesiegeln.
Statt Marken zu ranken, lohnt sich das Denken in Kategorien: reine Handelsunternehmen ohne eigene Erzeugung, Anbieter mit Zubauverpflichtung, Genossenschaften und Stadtwerke mit eigenem Portfolio. Die Preisspanne zwischen diesen Kategorien ist kleiner, als viele erwarten, oft nur wenige Cent je Kilowattstunde.
Der Wechsel ist nicht der große Hebel
Ehrlich gerechnet verschiebt ein Tarifwechsel Geld und ein bisschen Nachfrage, aber er verändert die Anlagenlandschaft kaum. Deutlich mehr bewegt, wer den Verbrauch senkt oder selbst erzeugt – etwa mit einem Balkonkraftwerk. Und wer wissen will, wo Strom im Verhältnis zu Heizung, Ernährung und Mobilität überhaupt steht, findet die Einordnung unter CO2-Fußabdruck berechnen.
Preise, Boni und Fristen ändern sich laufend. Die hier genannten Größenordnungen sind Stand August 2026; verlässlich sind nur das Preisblatt deines Anbieters und die Angaben der Bundesnetzagentur.
Häufige Fragen
Kann beim Anbieterwechsel der Strom ausfallen?
Nein. Das Netz gehört dem örtlichen Netzbetreiber und bleibt dasselbe, egal wer dir den Strom verkauft. Sollte ein Vertrag wider Erwarten nicht zustande kommen, greift automatisch die Ersatz- oder Grundversorgung. Eine Lücke ohne Strom gibt es rechtlich nicht.
Wie lange dauert ein Wechsel?
Rechne mit zwei bis sechs Wochen, meist begrenzt durch die Kündigungsfrist beim alten Anbieter. Der technische Vorgang selbst ist deutlich kürzer geworden, der Gesetzgeber drängt auf einen Wechsel binnen 24 Stunden. Wie schnell dein Netzgebiet das umsetzt, sagt dir der neue Anbieter im Bestätigungsschreiben.
Muss ich selbst kündigen?
In der Regel nicht, der neue Anbieter übernimmt das mit der Vollmacht aus dem Antrag. Sinnvoll ist es trotzdem, dir die Kündigungsbestätigung zeigen zu lassen. Nur wenn du zu einem festen Termin raus willst oder ein Sonderkündigungsrecht nutzt, kündigst du besser selbst und schriftlich.
Lohnt sich der Wechsel jedes Jahr?
Rechnerisch oft ja, praktisch hängt es davon ab, wie viel Verwaltungsaufwand du dir zumuten willst. Wer wechselt, sollte den Termin für die Kündigung sofort notieren, sonst rutscht der Tarif nach dem Bonusjahr in eine teure Verlängerung. Wer das nicht im Blick behalten mag, fährt mit einem dauerhaft fairen Arbeitspreis ohne Bonus besser.
Was ist ein Sonderkündigungsrecht?
Erhöht dein Anbieter den Preis oder ändert er die Vertragsbedingungen zu deinem Nachteil, darfst du kündigen, auch innerhalb der Mindestlaufzeit. Die Frist ist kurz und steht im Ankündigungsschreiben. Reagierst du nicht, gilt die Erhöhung als angenommen.
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