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Forestle gegen Ecosia, zwei grüne Suchmaschinen
Der Vergleich von 2009 hat sich auf ungewöhnliche Weise erledigt. Beide Projekte stammten vom selben Gründer, und eines davon existiert bis heute.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 13. Dezember 2009 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und ergänzt, wie die Sache ausgegangen ist.
Im Dezember 2009 sah es nach einem Zweikampf aus. Zwei Suchmaschinen warben mit demselben Versprechen: Du suchst wie immer, die Werbeerlöse gehen in den Regenwald. Der Beitrag von damals stellte beide gegeneinander. Aus heutiger Sicht war das ein Duell, bei dem beide Seiten aus derselben Ecke kamen.
Der Stand von 2009
Forestle war das ältere Projekt und lief seit 2008. Es warb damit, mit jeder Suchanfrage eine bestimmte Fläche Regenwald zu schützen. Die technische Grundlage waren fremde Suchergebnisse, zuerst von Google, das die Zusammenarbeit dann beendete, danach von Yahoo.
Ecosia startete Anfang Dezember 2009, also unmittelbar vor diesem Beitrag, zeitlich passend zum Klimagipfel in Kopenhagen. Das Modell war dasselbe, Suchergebnisse von einem Partner, Werbeerlöse für den Waldschutz, anfangs über eine Zusammenarbeit mit einer großen Naturschutzorganisation.
Was 2009 in den Vergleichen selten stand: Hinter beiden Angeboten stand derselbe Gründer.
Wie es ausgegangen ist
Der Wettbewerb hat sich von selbst erledigt. Forestle wurde wenige Jahre später eingestellt, der Verkehr wanderte zu Ecosia. Damit endete die kurze Phase, in der zwei deutsche grüne Suchmaschinen nebeneinander existierten.
Ecosia hat sich dagegen gehalten, und zwar deutlicher, als 2009 zu erwarten war. Aus dem Regenwaldschutz wurde ein Baumpflanzprogramm mit Projekten in mehreren Dutzend Ländern, nach eigenen Angaben inzwischen über 200 Millionen Bäume. Das Unternehmen betreibt zusätzlich eigene Solaranlagen, um den Stromverbrauch der Suche rechnerisch zu überkompensieren.
Zwei Entscheidungen haben die Substanz verändert. 2018 überführte der Gründer das Unternehmen in Verantwortungseigentum: Anteile können nicht gewinnbringend verkauft, Gewinne nicht ausgeschüttet werden. Und seit einigen Jahren arbeitet Ecosia gemeinsam mit anderen europäischen Anbietern daran, einen eigenen europäischen Suchindex aufzubauen, statt dauerhaft von einem US-Suchmaschinenkonzern abzuhängen. Ob das gelingt, ist offen, aber es ist der ernsthafteste Versuch seit Jahren.
Was der Vergleich heute wert ist
Die nüchterne Einordnung fällt zwiespältig aus.
Auf der Habenseite steht ein Geschäftsmodell, das ohne Verzicht funktioniert. Wer sowieso sucht, verschiebt einen kleinen Erlösanteil in eine andere Richtung. Über zwei Jahrzehnte und viele Millionen Nutzer summiert sich das zu echten Beträgen. Dazu kommt ein Punkt, den man leicht übersieht: Die Projekte veröffentlichen ihre Finanzberichte, man kann also nachlesen, wie viel von einem Euro Werbeerlös tatsächlich in Pflanzungen fließt und wie viel in Betrieb und Personal geht. Bei Spendenaufrufen mit Baumsymbol ist das die Ausnahme.
Auf der Sollseite steht die Frage, was ein gepflanzter Baum tatsächlich leistet. Anwachsraten schwanken, Trockenjahre und Feuer machen Pflanzungen zunichte, und ein Baum bindet seinen Kohlenstoff über Jahrzehnte, während fossiles CO2 sofort in der Atmosphäre landet. Diese Diskrepanz ist der Kern jeder Debatte über Aufforstung als Klimaschutz, und sie steht ausführlich unter Wälder und CO2.
Dazu kommt das Grundproblem jeder Kompensationslogik: Sie ersetzt keine Reduktion. Wer den eigenen Anteil einordnen will, findet die Rechenwege unter CO2-Fußabdruck berechnen, und den größeren Zusammenhang in der Rubrik Klima und Natur verstehen.
Der Punkt, den 2009 niemand sah
Der eigentliche Gewinn dieses Duells war nicht der Wald. Er war der Beweis, dass eine Suchmaschine ohne Gewinnabführung an Anteilseigner über Jahre bestehen kann. Das war 2009 keine Selbstverständlichkeit und ist bis heute die seltenere Variante. Wie die Netzdebatten dieser Jahre sonst klangen, steht im Archiv.
Häufige Fragen
Was ist aus Forestle geworden?
Das Projekt wurde eingestellt und der Verkehr auf Ecosia umgeleitet. Beide Suchmaschinen kamen vom selben Gründer, eine Doppelstruktur ergab wirtschaftlich keinen Sinn. Die alte Domain führt heute nicht mehr zu einer eigenständigen Suche.
Woher kommen die Suchergebnisse bei grünen Suchmaschinen?
In aller Regel von einem der großen Indizes, historisch Yahoo und Google, heute überwiegend Bing, dazu eigene Ergänzungen. Eine komplett eigene Websuche aufzubauen ist extrem teuer. Genau deshalb gibt es inzwischen europäische Anläufe, einen gemeinsamen Suchindex zu betreiben.
Wie viel bringt eine Suchanfrage?
Wenig für sich genommen. Die Anbieter rechnen mit einer Größenordnung von etwa 45 Suchanfragen je Baum, der tatsächliche Wert schwankt mit den Werbeerlösen und mit dem Anteil der Anfragen, bei denen überhaupt Anzeigen ausgeliefert werden. Ein Effekt entsteht erst über sehr große Nutzerzahlen.
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