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Wie groß war der Ölteppich im Golf von Mexiko?
Zahlen in Quadratkilometern sagen wenig. Ein Kartentool von 2010 legte den Teppich über die eigene Stadt, und plötzlich war die Größenordnung begreifbar.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 1. Juni 2010 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und ergänzt, wie die Sache ausgegangen ist.
Der Beitrag von damals griff ein kleines Werkzeug auf, das im Frühsommer 2010 durch alle Blogs lief. Ein Entwickler hatte den Umriss des Ölteppichs auf eine Kartenanwendung gelegt und verschiebbar gemacht. Man tippte den eigenen Wohnort ein, und der Fleck lag über der eigenen Region. Der Sinn dahinter war kommunikativ: Zahlen jenseits eines Lineals kann sich niemand vorstellen.
Warum das Werkzeug funktionierte
Quadratkilometer sind eine abstrakte Größe. Ein Umriss über der eigenen Stadt ist es nicht. Diese Übersetzung ist der ganze Trick, und sie hat seitdem Schule gemacht: Von Waldbrandflächen über Gletscherrückgang bis zu Flächenverbrauch arbeitet praktisch jede Erklärgrafik heute mit demselben Prinzip.
Die Schwäche steckt in derselben Stelle. Ein Umriss unterschlägt, wie unterschiedlich dick eine Ölschicht ist. Ein irisierender Film von wenigen Mikrometern erscheint auf dem Satellitenbild ähnlich wie eine zähe Emulsion. Wer die Fläche als Schadensmaß liest, überschätzt die Ränder und unterschätzt das Zentrum.
Die Zahlen, die heute feststehen
Fläche im Moment. Auf dem Höhepunkt Ende April und im Mai bedeckte der Film rund 10.000 Quadratkilometer Wasseroberfläche. Das entspricht ungefähr der Fläche Zyperns oder etwa dem Doppelten von Schleswig-Holsteins Nordseeanteil.
Fläche kumuliert. Über die knapp drei Monate hinweg war ein Vielfaches betroffen. Auswertungen von Satellitendaten kommen auf eine Größenordnung von etwa 180.000 Quadratkilometern, also grob die halbe Fläche Deutschlands. Diese Zahl ist die spektakulärste und zugleich die am wenigsten aussagekräftige, weil sie Momentaufnahmen aufaddiert.
Menge. Die Schätzungen der gesamten ausgetretenen Ölmenge liegen bei knapp fünf Millionen Barrel, für die Strafbemessung stellte ein Gericht eine etwas geringere Menge fest. Zum Vergleich: Bei der Havarie der Exxon Valdez 1989 liefen rund 260.000 Barrel aus. Der Golf von Mexiko war also ein Dutzendfaches, verteilt über drei Monate statt über eine Nacht.
Küste. Mehr als 1.700 Kilometer Küstenlinie in fünf Bundesstaaten waren zumindest zeitweise verölt. Das ist ungefähr die Strecke von Flensburg bis Neapel. Der größte Anteil davon entfiel auf Louisiana, und dort überwiegend auf Marschgebiete. Die sind der schwierigste Fall, weil jede mechanische Reinigung die Vegetation zusätzlich schädigt und die Wurzelmatte destabilisiert, an der die Küste hängt. In mehreren betroffenen Abschnitten hat sich die Erosionsgeschwindigkeit nach der Verölung messbar erhöht.
Was die Vergleiche nicht zeigen
Die anschaulichen Zahlen betreffen alle die Oberfläche. Der schwerer zu fassende Teil der Katastrophe fand darunter statt. Ein erheblicher Anteil des Öls erreichte die Oberfläche nie, sondern blieb in Wolken in mehreren hundert bis über tausend Metern Tiefe, verstärkt durch die erstmals in großem Umfang direkt am Bohrloch eingesetzten Dispergatoren. Was davon in Sedimenten abgelagert wurde, lässt sich bis heute nur schätzen.
Genau deshalb taugt jede Flächenangabe als Aufmacher und nicht als Bilanz. Wie Belastung, Erwärmung und Befischung in den Meeren zusammenwirken, steht unter Meere und Fischbestände.
Was von der Methode bleibt
Die Idee, eine unvorstellbare Größe auf die eigene Umgebung zu projizieren, ist das Nützlichste an diesem Beitrag. Sie funktioniert auch im Kleinen: Wer wissen will, was die eigenen Emissionen bedeuten, braucht ebenfalls einen Maßstab, den er kennt. Die Rechenwege dafür stehen unter CO2-Fußabdruck berechnen, der größere Rahmen in der Rubrik Klima und Natur verstehen.
Wie die Katastrophe im Netz Woche für Woche begleitet wurde, steht im Archiv.
Häufige Fragen
Warum schwanken die Flächenangaben so stark?
Weil sie Verschiedenes messen. Die Momentaufnahme zeigt, was an einem Tag an der Oberfläche sichtbar war, und das verschiebt sich mit Wind und Strömung täglich. Die kumulierte Fläche summiert alle jemals berührten Wasserflächen. Dazu kommt, dass ein hauchdünner Schillerfilm auf dem Satellitenbild genauso auffällt wie eine dicke Ölschicht.
Wie viel Öl war es am Ende?
Die Schätzungen für die gesamte ausgetretene Menge liegen bei knapp fünf Millionen Barrel, gerichtlich festgestellt wurde für die Strafbemessung eine etwas geringere Menge, weil ein Teil direkt an der Quelle abgefangen wurde. In Litern ausgedrückt sind das mehrere hundert Millionen.
Wie lang war die betroffene Küste?
Über die gesamte Dauer wurden mehr als 1.700 Kilometer Küste in fünf US-Bundesstaaten zumindest zeitweise verölt, der größte Anteil davon in Louisiana. Betroffen waren vor allem Marschgebiete, die sich schlecht reinigen lassen, weil jede Reinigung die Vegetation zusätzlich schädigt.
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