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Naturtainment

Beifang und Fangmethoden

Jede Fangmethode hat einen Preis, und er steht selten auf der Packung. Ein Überblick, welches Netz was mitnimmt.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 30. Juli 2010 auf neidgrün. Wir haben ihn überarbeitet und um den heutigen Stand ergänzt.

Der Kurzfilm von damals spielte mit der Vorstellung, ein Fisch zu sein. Der ernste Kern der Sache steckt in einer Zahl, die man auf keiner Packung findet: Wie viele Tiere landen im Netz, die niemand fangen wollte? Diese Frage entscheidet über den ökologischen Preis einer Portion Fisch stärker als die Art selbst.

Was Beifang ist

Beifang ist alles, was mitgefangen wird, ohne Ziel der Fangreise zu sein: untermaßige Exemplare der Zielart, andere Fische, Krebse, Seesterne, dazu Meeresschildkröten, Seevögel, Haie, Delfine und Schweinswale. Ein großer Teil davon geht tot oder schwer geschädigt wieder über Bord, das nennt sich Rückwurf.

Die weltweiten Schätzungen liegen bei rund neun Millionen Tonnen Rückwurf pro Jahr, gut ein Zehntel der Fangmenge. Solche Zahlen sind mit Vorsicht zu lesen, weil sie aus Hochrechnungen sehr unterschiedlicher Datenqualität stammen. Die Rangfolge der Methoden ist dagegen ziemlich robust.

Die Methoden und ihr Preis

Methode Zielarten typisches Problem
Angelfischerei, Handleine Thunfisch, Makrele sehr selektiv, kaum Beifang
Ringwade ohne Lockflöße Thunfisch, Sardine selektiv, wenn ohne Fischsammler eingesetzt
Ringwade mit Fischsammler Thunfisch zieht Jungfische und Haie mit an
Langleine Thunfisch, Schwertfisch Seevögel, Haie, Schildkröten an den Haken
Stellnetz, Kiemennetz Kabeljau, Seezunge Wale, Delfine und Schweinswale verfangen sich
Grundschleppnetz Scholle, Garnele, Kabeljau hoher Beifang, Schäden am Meeresboden

Zwischen der Angelfischerei und dem Grundschleppnetz liegen Größenordnungen, nicht Prozente. Wer beim Thunfisch auf Angel- statt Netzfang achtet, verändert die Rechnung stärker als jeder andere Griff im Regal.

Was technisch dagegen hilft

Es gibt funktionierende Lösungen, sie kosten nur Geld und Aufwand:

  • Schildkrötengitter in Garnelennetzen leiten größere Tiere über eine Klappe nach draußen.
  • Scheuchleinen hinter dem Heck und beschwerte Haken lassen Langleinen so schnell absacken, dass Albatrosse nicht mehr herankommen.
  • Akustische Signalgeber an Stellnetzen warnen Schweinswale, wirken aber nicht überall gleich gut.
  • Fluchtfenster mit größerer Maschenweite lassen Jungfische aus dem Schleppnetz entkommen.

Politisch wurde in der EU 2015 bis 2019 stufenweise eine Anlandepflicht eingeführt: Was gefangen wird, muss angelandet und auf die Quote angerechnet werden, statt heimlich über Bord zu gehen. Der Gedanke dahinter ist richtig, die Umsetzung und Kontrolle bleiben schwierig, weil sich auf See schwer nachweisen lässt, was tatsächlich passiert.

Was am Regal davon ankommt

In der EU müssen bei Fisch das Fanggebiet und die Kategorie des Fanggeräts angegeben werden, seit 2014 auch an der Frischetheke. Damit lässt sich zumindest unterscheiden, ob ein Fisch aus einer Schleppnetz- oder einer Leinenfischerei stammt. Siegel wie MSC decken einen Teil der Frage ab und sind wiederholt kritisiert worden, weil auch Fischereien mit erheblichem Beifang zertifiziert wurden; die Fischratgeber der Umweltverbände sind oft strenger und schneller.

Der Zustand der Bestände selbst, die Erwärmung der Meere und die Rolle der Aquakultur stehen unter Meere und Fischbestände. Und ein Teil des Problems entsteht erst nach dem Einkauf: Fisch gehört zu den Lebensmitteln, die besonders häufig weggeworfen werden, siehe Lebensmittel retten. Die größeren Zusammenhänge ordnen wir unter Klima und Natur verstehen ein.

Weitere Filme und Fundstücke aus dem alten Blog stehen unter Naturtainment, der Gesamtbestand im Archiv.

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