Naturgarten
Schmetterlinge im Garten
Ein Garten voller Nektarpflanzen kann trotzdem schmetterlingsleer sein. Falter kommen zum Trinken, aber sie bleiben nur, wo ihre Raupen fressen können.
Wer Schmetterlinge im Garten will, pflanzt meistens einen Schmetterlingsflieder und wundert sich dann, dass zwar Falter vorbeikommen, aber nie welche bleiben. Das ist kein Zufall, sondern die logische Folge einer Halbversorgung: Nektar ist Erwachsenennahrung. Vermehrt wird sich woanders, und über die Frage, ob das gelingt, entscheiden ganz andere Pflanzen.
Ein Schmetterling durchläuft vier Stadien: Ei, Raupe, Puppe, Falter. Der Falter ist die kürzeste und am wenigsten anspruchsvolle Phase. Die Raupe frisst wochenlang, wächst um ein Vielfaches, und sie ist bei sehr vielen Arten auf eine einzige Pflanzengattung festgelegt. Fehlt diese Pflanze, ist die Art im Garten nicht möglich, egal wie viel Nektar blüht.
Die Arten, die im Garten realistisch sind
| Falter | Raupenfutterpflanze | Bemerkung |
|---|---|---|
| Tagpfauenauge | Große Brennnessel | Braucht sonnige Bestände, überwintert als Falter |
| Kleiner Fuchs | Große Brennnessel | Zwei bis drei Generationen pro Jahr |
| Admiral | Große Brennnessel | Wanderfalter, überwintert zunehmend auch hier |
| C-Falter | Brennnessel, Hopfen, Ulme | Überwintert als Falter im Freien |
| Landkärtchen | Große Brennnessel | Frühjahrs- und Sommerform sehen völlig verschieden aus |
| Aurorafalter | Wiesenschaumkraut, Knoblauchsrauke | Frühe Art, überwintert als Puppe |
| Zitronenfalter | Faulbaum, Kreuzdorn | Überwintert als Falter frei im Frost |
| Schwalbenschwanz | Wilde Möhre, Fenchel, Dill | Braucht sonnige, warme Lagen |
| Kleiner Kohlweißling | Kreuzblütler, auch Kapuzinerkresse | Der einzige, der im Gemüse stört |
| Hauhechel-Bläuling | Hornklee | Braucht magere, sonnige Flächen |
| Schachbrett | Wildgräser | Ohne ungemähte Gräser unmöglich |
Fünf der bekanntesten Gartenfalter hängen an derselben Pflanze. Diese Pflanze ist die Brennnessel, und sie fehlt in aufgeräumten Gärten fast immer.
Die Brennnesselecke: so funktioniert sie
Nicht jede Brennnessel wird angenommen. Was die Falter suchen, sind junge, kräftig wachsende Triebe in voller Sonne. Ein schattiger Streifen hinter dem Kompost bleibt in aller Regel unbesiedelt.
- Standort: volle Sonne, gern windgeschützt, an einer Grundstücksgrenze oder hinter einem Strauch.
- Größe: mindestens zwei Quadratmeter, besser mehr. Kleine Tuffs reichen nicht für einen Raupenverband.
- Boden: nährstoffreich, hier ist die eine Stelle im Garten, an der Kompost ausdrücklich erwünscht ist, siehe Kompost und Biomüll.
- Schnitt: nicht alles auf einmal. Schneide im Juni etwa die Hälfte der Fläche zurück. Die frisch austreibenden Triebe sind für die zweite Generation attraktiver als die alten, verholzten. Die andere Hälfte bleibt stehen, weil dort möglicherweise gerade Raupen sitzen.
- Eingrenzung: Brennnesseln laufen über Ausläufer. Eine im Boden versenkte Rhizomsperre oder ein regelmäßig abgestochener Rand hält sie im Zaum.
Wichtig: Schau vor jedem Schnitt nach. Die Raupen von Tagpfauenauge und Kleinem Fuchs sitzen in dichten, schwarzen Nestern unter Gespinsten an den Triebspitzen, gut sichtbar, wenn man weiß, worauf man achtet.
Nektar richtig anbieten
Für den Falter zählt drei Dinge: erreichbarer Nektar, warme Landefläche und Blütezeit ohne Lücke.
Erreichbar heißt ungefüllt. Gefüllte Zuchtformen von Dahlie, Rose oder Ranunkel haben ihre Staubblätter zu Blütenblättern umgezüchtet, dort ist nichts zu holen. Warum das für alle blütenbesuchenden Insekten gilt, steht unter Insektenfreundliche Pflanzen.
Ergiebig sind für Falter besonders: Wasserdost, Blutweiderich, Wilder Dost, Skabiose und Witwenblume, Natternkopf, Flockenblume, Luzerne, Thymian, Lavendel und im Spätherbst blühender Efeu. Efeu ist als letzte große Nektarquelle des Jahres kaum zu ersetzen und bietet gleichzeitig Überwinterungsplätze.
Ohne Lücke heißt: Von März bis Oktober muss ständig etwas offen sein. Die größte Lücke klafft in den meisten Gärten im Hochsommer nach der Rosenblüte und im Frühjahr vor der Obstblüte.
Ein Wort zum Schmetterlingsflieder. Er liefert viel Nektar, keine Raupenfutterpflanze und breitet sich in Teilen Mitteleuropas invasiv aus. Als einziges Angebot ist er das Gegenteil von Schmetterlingsförderung. Neben einer Brennnesselecke und heimischen Stauden darf er stehen bleiben, wenn man die Samenstände vor der Reife abschneidet.
Überwinterung: wer wo bleibt
Das entscheidet darüber, was im Herbst passieren darf und was nicht.
| Stadium | Arten | Was das heißt |
|---|---|---|
| Als Falter, frostfrei | Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs | Brauchen Schuppen, Keller, Dachboden, Holzstapel |
| Als Falter, im Freien | Zitronenfalter, C-Falter | Sitzen frei in Efeu, Brombeere, Laub |
| Als Puppe | Aurorafalter, Schwalbenschwanz, Landkärtchen | Hängen an Stängeln und Zweigen |
| Als Raupe | Schachbrett, viele Bläulinge | Sitzen in Grashorsten und Streu |
| Als Ei | einige Bläulinge und Zipfelfalter | Kleben an Zweigen und Knospen |
Daraus folgt die wichtigste Gartenregel des Winters: Nicht alles abräumen. Stauden bleiben bis in den März stehen, Laub bleibt unter Sträuchern liegen, ein Grasstreifen bleibt ungemäht, Holz bleibt gestapelt. Wer im Oktober alles kurzschneidet und aufkehrt, entsorgt die nächste Faltergeneration mitsamt der Herbstordnung.
Und wenn ein Tagpfauenauge im Februar in der geheizten Wohnung aufwacht: Setz es nicht bei Frost nach draußen, sondern in einen unbeheizten, frostfreien Raum mit Ausgang, Garage oder Keller mit gekipptem Fenster. Ein bisschen Zuckerwasser auf einem Wattebausch hilft über die Umsetzung.
Was Falter zusätzlich brauchen
- Sonne und Windschutz. Falter sind wechselwarm und fliegen erst ab etwa 17 Grad Körpertemperatur. Warme Steine, Mauern und Kies als Sonnplätze werden gern genutzt.
- Feuchte Stellen. Viele Arten saugen Mineralien aus feuchtem Boden. Eine Untertasse mit feuchtem Sand oder eine Pfütze reicht.
- Fallobst. Admiral, C-Falter und viele Nachtfalter gehen im Spätsommer lieber an überreife Äpfel und Pflaumen als an Blüten. Lass ein paar liegen.
- Kein Kunstlicht. Nachtfalter stellen mit rund 3.500 Arten die große Mehrheit und werden von Außenbeleuchtung aus ihrem Lebensraum gezogen. Warmes Licht, nach unten gerichtet, mit Bewegungsmelder, ist ein spürbarer Unterschied.
- Keine Insektizide. Auch nicht die, die als biologisch gelten. Präparate mit Bacillus thuringiensis töten Schmetterlingsraupen aller Arten.
Das Grundprinzip ist dasselbe wie bei den anderen Gartenbewohnern: Struktur, heimische Pflanzen und ein bisschen Unordnung schlagen jedes gekaufte Hilfsmittel. Wie das bei den Wildbienen aussieht, deren Ansprüche sich in Teilen decken und in Teilen deutlich unterscheiden, steht unter Wildbienen. Auf kleiner Fläche funktioniert das Prinzip ebenfalls, siehe Naturnaher Balkon.
Häufige Fragen
Warum kommen keine Schmetterlinge in meinen Garten?
In den allermeisten Fällen fehlt nicht der Nektar, sondern das Raupenfutter. Falter fliegen weit und finden Blüten überall, aber sie bleiben nur dort, wo sie Eier ablegen können. Fehlen Brennnessel, Doldenblütler, Kreuzblütler und ungemähte Gräser, bleibt der Garten eine Tankstelle ohne Bewohner.
Welche Pflanze zieht die meisten Schmetterlinge an?
Für Nektar sind Wasserdost, Blutweiderich, Wilder Dost, Skabiose, Natternkopf und Efeu im Spätherbst besonders ergiebig. Für den Nachwuchs ist die Brennnessel die mit Abstand wichtigste Pflanze, weil Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Admiral, C-Falter und Landkärtchen von ihr abhängen.
Bringen Schmetterlingshäuser etwas?
Die gekauften Holzkästen mit senkrechten Schlitzen werden praktisch nie angenommen. Überwinternde Falter suchen frostfreie, dunkle, ungestörte Räume wie Schuppen, Dachböden, Keller, Holzstapel oder dichtes Efeu. Ein gekipptes Schuppenfenster nützt mehr als jedes gekaufte Häuschen.
Was mache ich mit Raupen am Gemüse?
Kohlweißlingsraupen an Kohl lassen sich mit Netzen fernhalten, das ist die einzige Maßnahme, die auch für den Rest der Falter unschädlich ist. Bacillus-Präparate wirken gegen alle Schmetterlingsraupen im Umkreis, auch gegen die, die du fördern willst. Am einfachsten pflanzt du ein paar Kapuzinerkressen als Ausweichfutter.
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