Naturgarten
Vögel im Winter füttern
Füttern hilft einzelnen Vögeln durch den Winter, nicht den Beständen. Wer trotzdem füttert, entscheidet mit Standort und Hygiene über Nutzen und Schaden.
Winterfütterung ist Naturbeobachtung mit gutem Gewissen, aber sie ist kein Naturschutz. Von ihr profitieren die häufigen, anpassungsfähigen Arten: Kohlmeise, Blaumeise, Sperling, Amsel, Buchfink, Grünfink. Die Arten, deren Bestände tatsächlich einbrechen, kommen nicht ans Futterhaus, weil sie insektenfressende Zugvögel sind oder Lebensräume brauchen, die es nicht mehr gibt.
Genau diesen Punkt hat unsere Redaktion schon 2009 gemacht, in Winter, Vogel, brauche Futter eigentlich nicht. Der Text war damals gegen den Strom, die Diskussion hat sich seitdem verschoben: Heute ist unstrittig, dass Fütterung einzelnen Individuen durch den Winter hilft, und ebenso unstrittig, dass sie an den Bestandstrends nichts ändert. Beides ist gleichzeitig wahr. Wer füttert, sollte es deshalb richtig tun, ohne sich einzureden, damit ein Problem zu lösen.
Ganzjahresfütterung oder Winterfütterung
Die klassische Empfehlung lautet: von Oktober bis Ende März, also solange Frost, Schnee und kurze Tage die natürliche Nahrung knapp machen. Vertreten wird auch die Gegenposition, ganzjährig zu füttern, weil die Nahrungslage in ausgeräumten Landschaften auch im Sommer schlecht ist und Jungvögel in kalten, nassen Frühjahren verhungern.
Das stärkste Argument gegen die Sommerfütterung ist praktisch: Altvögel verfüttern, was sie am schnellsten bekommen. Nestlinge der meisten Singvögel brauchen in den ersten Lebenstagen Insekten und Raupen, keine Körner. Ganze Erdnüsse und große Kerne können junge Vögel ersticken.
Ein Kompromiss, mit dem sich arbeiten lässt:
- Oktober bis März: durchgehend füttern, nicht mit Unterbrechungen. Vögel richten ihren Tagesablauf auf verlässliche Quellen aus.
- April bis September: kein Körnerfutter, aber eine flache Wasserstelle. Wasser ist im Hochsommer oft knapper als Nahrung.
- Ganzjährig: den Garten so gestalten, dass er Insekten trägt. Das ersetzt Fütterung nicht, aber es ist die Maßnahme, die auch den Beständen hilft, siehe Insektenfreundliche Pflanzen.
Welches Futter zu welcher Art passt
| Gruppe | Arten | Passendes Futter |
|---|---|---|
| Körnerfresser, kräftiger Schnabel | Meisen, Finken, Sperlinge, Kernbeißer | Sonnenblumenkerne, Hanf, Fettfutter, Erdnussbruch |
| Weichfutterfresser, spitzer Schnabel | Rotkehlchen, Amsel, Zaunkönig, Heckenbraunelle, Star | Haferflocken, Rosinen, Obststücke, Fettflocken, Kleie |
| Beides | Specht, Kleiber | Fettfutter, Nüsse, Sonnenblumenkerne |
Praktisch heißt das: eine Futtersäule mit Sonnenblumenkernen in etwa anderthalb Metern Höhe, dazu Weichfutter auf einer flachen, überdachten Fläche am Boden oder auf einem Brett. Damit sind die meisten Gartenarten abgedeckt.
Nicht an den Futterplatz gehören Brot, Speisereste, Gesalzenes, Gewürztes und verschimmelte Ware. Küchenreste sind kein Vogelfutter, und wenn übrig gebliebene Lebensmittel ein Thema sind, gehört das an eine andere Stelle, siehe Lebensmittel retten.
Meisenknödel ohne Netz
Die Kunststoffnetze um Meisenknödel sind ein bekanntes Problem: Vögel bleiben mit den Zehen hängen, im Extremfall bis zur Amputation. Die Netze zerfallen außerdem in Kunststofffasern im Garten. Nimm Knödel ohne Netz und einen Metallhalter dafür, oder gieße Fettfutter selbst in einen umgedrehten Blumentopf.
Hygiene ist der wichtigste Punkt
Am Futterplatz treffen viele Individuen mehrerer Arten dicht aufeinander. Das ist die perfekte Übertragungssituation für Salmonellen und für Trichomonaden, die vor allem Grünfinken treffen und in warmen Sommern lokale Ausbrüche verursachen. Ein kranker Vogel am Futterhaus erkennst du an aufgeplustertem Gefieder, Teilnahmslosigkeit und daran, dass er sich nicht vertreiben lässt.
Die Regeln sind schlicht:
- Silo statt Häuschen. Vögel sollen nicht im Futter stehen und nicht hineinkoten.
- Kleine Mengen, dafür regelmäßig. Feuchtes Futter verpilzt.
- Reinigen, alle ein bis zwei Wochen mit heißem Wasser und Bürste, anschließend trocknen lassen. Keine chemischen Reiniger.
- Boden abkehren. Unter dem Futterplatz sammeln sich Schalen und Kot.
- Bei kranken oder toten Vögeln: Fütterung sofort für mindestens zwei bis drei Wochen einstellen und den Platz gründlich reinigen. Das ist die einzige wirksame Maßnahme gegen einen laufenden Ausbruch.
Standort: Katzen, Scheiben, Deckung
Ein Futterplatz macht Vögel für kurze Zeit vorhersehbar. Das nutzen Katzen und Sperber. Deshalb:
- Freistehend, mindestens zwei Meter von Mauern, Zäunen und dichten Hecken entfernt, aus denen eine Katze anspringen kann.
- Fluchtdeckung in etwa fünf Metern Entfernung, ein Strauch oder eine Hecke.
- Höhe ab etwa anderthalb Metern, glatter Mast oder hängend.
Der zweite Killer ist die Fensterscheibe. Vogelschlag an Glas kostet in Deutschland jährlich Millionen Vögel, und ein aufgeschreckter Schwarm vom Futterplatz fliegt genau in diese Richtung. Die Faustregel: entweder näher als einen Meter ans Fenster, dann fehlt die Beschleunigung, oder weiter als drei Meter, dann bleibt Zeit zum Ausweichen. Wirksam gegen Scheibenschlag sind außenliegende Markierungen mit engem Raster, Fliegengitter, Insektenschutzrollos oder außen angebrachte Schnüre. Greifvogel-Aufkleber wirken nicht, das ist mehrfach untersucht.
Was mehr bringt als Futter
Ein Garten, der Insekten, Samen und Beeren trägt, ernährt Vögel das ganze Jahr, ohne dass jemand etwas hinstellt. Konkret: heimische Sträucher mit Beeren, Stauden, die im Winter stehen bleiben statt abgeschnitten zu werden, eine Ecke mit Brennnesseln und Wildkräutern, Totholz und eine Wasserstelle. Dazu passende Nisthilfen, damit die Vögel auch bleiben, siehe Nisthilfen und Insektenhotels. Und weil Singvögel im Sommer fast ausschließlich von Insekten leben, hängt alles daran, dass es die überhaupt gibt, siehe Wildbienen.
Häufige Fragen
Soll man ganzjährig füttern?
Darüber wird seit Jahren gestritten. Für die Ganzjahresfütterung spricht, dass Futter auch im Frühjahr und Sommer knapp werden kann. Dagegen spricht, dass Altvögel Körner an Nestlinge verfüttern, die Insekten brauchen. Ein tragfähiger Kompromiss: von Oktober bis März durchgehend füttern, im Sommer nur Wasser anbieten und stattdessen Insektennahrung im Garten fördern.
Welches Futter für welchen Vogel?
Körnerfresser mit kräftigem Schnabel wie Finken, Sperlinge und Meisen nehmen Sonnenblumenkerne, Hanf und Fettfutter. Weichfutterfresser mit spitzem Schnabel wie Rotkehlchen, Amsel, Zaunkönig und Heckenbraunelle brauchen Haferflocken, Rosinen, Obst und Fettflocken. Eine Mischung aus beidem am selben Platz bedient die meisten Gartenarten.
Warum kein Brot für Vögel?
Brot quillt im Magen, enthält Salz und liefert kaum verwertbare Energie. Es verdirbt außerdem schnell und zieht Ratten an. Salziges, Gewürztes und Gekochtes gehört generell nicht an den Futterplatz.
Wie halte ich Katzen vom Futterplatz fern?
Der Futterplatz sollte freistehen, mit mindestens zwei Metern Abstand zu Deckung wie dichten Hecken oder Mauern, aus der eine Katze anspringen kann. Gleichzeitig sollte in etwa fünf Metern Entfernung eine Deckung erreichbar sein, in die Vögel bei Gefahr flüchten können. Ein Futtersäule mit glattem Metallmast lässt sich schlecht erklettern.
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