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Ökostrom

Wärmepumpe, Gas oder Fernwärme

Die Antwort hängt an zwei Gebäudewerten, nicht an der Technik: am Dämmzustand und an der Vorlauftemperatur, die deine Heizflächen brauchen.

Die Frage „Wärmepumpe oder Gas“ lässt sich nicht am Heizsystem beantworten, sondern am Gebäude. Zwei Werte entscheiden fast alles: wie hoch die Vorlauftemperatur sein muss, damit es an einem kalten Tag warm wird, und wie viel Wärme das Haus überhaupt braucht. Erst danach lohnt sich der Blick auf Preise und Förderung.

Die Jahresarbeitszahl ist der ganze Unterschied

Eine Wärmepumpe erzeugt keine Wärme, sie holt sie aus Luft oder Erdreich und hebt sie auf ein nutzbares Temperaturniveau. Wie gut das gelingt, sagt die Jahresarbeitszahl (JAZ): Bei einer JAZ von 3,5 werden aus einer Kilowattstunde Strom über das Jahr gerechnet 3,5 Kilowattstunden Wärme.

Was die JAZ drückt:

  • Hohe Vorlauftemperatur. Der mit Abstand größte Faktor. Je 10 Grad niedrigerer Vorlauf gewinnst du grob 20 bis 30 Prozent Effizienz.
  • Zu große Auslegung. Eine überdimensionierte Anlage taktet, das kostet Effizienz und Lebensdauer.
  • Elektrischer Heizstab im Dauereinsatz. Als Notreserve unkritisch, als regelmäßiger Zuheizer ruiniert er die Bilanz.
  • Schlechte hydraulische Einstellung. Ein hydraulischer Abgleich ist keine Feinheit, sondern Voraussetzung.

Ein Rechenbeispiel

Angenommen, ein Haus braucht 20.000 Kilowattstunden Wärme im Jahr. Die Energiepreise sind Größenordnungen für Sommer 2026.

System Endenergie Preis je kWh Kosten pro Jahr
Gaskessel, Nutzungsgrad 0,9 22.200 kWh Gas 11 ct rund 2.440 Euro
Wärmepumpe, JAZ 2,5 8.000 kWh Strom 27 ct rund 2.160 Euro
Wärmepumpe, JAZ 3,5 5.700 kWh Strom 27 ct rund 1.540 Euro
Wärmepumpe, JAZ 4,2 4.760 kWh Strom 27 ct rund 1.290 Euro
Fernwärme 20.000 kWh 12–18 ct 2.400–3.600 Euro

Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Bei einer JAZ von 2,5 verschwindet der Vorteil fast vollständig – eine schlecht laufende Wärmepumpe ist ein teures Gerät. Zweitens: Der Abstand zwischen JAZ 2,5 und 4,2 ist größer als jeder Unterschied zwischen Fabrikaten. Die Anlage macht nicht die Effizienz, die Planung macht sie.

Der Wärmepumpenstrom kann über einen separaten Zähler und reduzierte Netzentgelte günstiger werden, was die Rechnung weiter verschiebt. Wer zusätzlich Betrieb in günstige Stunden legen kann, schaut sich dynamische Tarife an.

CO2-Preis und die Richtung der Kosten

Fossile Brennstoffe tragen einen CO2-Preis, der planmäßig steigt und ab 2027 in den europäischen Emissionshandel für Gebäude und Verkehr übergeht. Dort bildet sich der Preis am Markt, mit Preisdämpfern, deren Ausgestaltung politisch umstritten ist. Für eine Investitionsentscheidung heißt das nicht, dass man eine exakte Zahl braucht, sondern nur die Richtung: Gas wird über die Laufzeit einer Heizung eher teurer, nicht billiger. Die aktuellen Sätze stehen beim Umweltbundesamt und in der Gasrechnung als eigener Posten.

Bei Mietverhältnissen wird der CO2-Kostenanteil nach einem Stufenmodell zwischen Vermieter und Mieter aufgeteilt, abhängig von der Energiebilanz des Gebäudes. Das entlastet Mieter in schlecht gedämmten Häusern und setzt Sanierungsanreize.

Förderung, ohne Zahlen zu erfinden

Der Bund fördert den Heizungstausch über eine Grundförderung plus mehrere Boni: für den frühzeitigen Austausch alter Kessel, für Einkommen unterhalb einer Grenze und für besonders effiziente Wärmequellen. In Summe sind bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten möglich, begrenzt durch eine Höchstsumme je Wohneinheit.

Diese Sätze werden regelmäßig angepasst, und wer nach einer veralteten Fassung plant, kalkuliert falsch. Verbindlich sind allein die Programmunterlagen der KfW beziehungsweise des BAFA zum Zeitpunkt deiner Antragstellung. Wichtig ist außerdem die Reihenfolge: Zuschussanträge müssen in der Regel vor Beginn der Maßnahme gestellt werden.

Was du vorher wissen solltest

  • Kommunale Wärmeplanung. Deine Gemeinde legt fest, welche Gebiete auf Wärmenetze, welche auf dezentrale Lösungen zulaufen. Steht ein Wärmenetz vor der Tür, ändert das die Rechnung.
  • Heizlast, nicht Faustformel. Eine Heizlastberechnung nach Norm kostet wenig und verhindert die teuerste Fehlentscheidung, die Überdimensionierung.
  • Der Vorlauftest. Dreh die Vorlauftemperatur an einem kalten Tag schrittweise auf 55, dann 50 Grad. Bleibt es warm, ist die Wärmepumpe unkritisch. Bleiben einzelne Räume kühl, sind dort größere Heizkörper der günstigste Hebel.

Die ehrliche Zusammenfassung

In einem Gebäude mit brauchbarer Dämmung und Vorlauftemperaturen bis etwa 55 Grad ist die Wärmepumpe heute die wirtschaftlich und ökologisch bessere Wahl, besonders mit Förderung. In einem unsanierten Altbau, der 70 Grad Vorlauf braucht, ist sie ohne begleitende Maßnahmen teuer im Betrieb – dort steht erst die Gebäudehülle oder der Heizflächentausch an.

Heizen ist der größte Energieposten der meisten Haushalte, deutlich größer als der Haushaltsstrom aus Strom sparen im Haushalt. Wie sich das zu Mobilität und Ernährung verhält, ordnet CO2-Fußabdruck berechnen ein. Und wer den Strombezug für die Wärmepumpe sauberer aufstellen will, findet die Grundlagen unter Ökostrom und Energie.

Alle Preise und Fördersätze in diesem Text sind Größenordnungen vom August 2026.

Häufige Fragen

Braucht eine Wärmepumpe zwingend eine Fußbodenheizung?

Nein, aber sie braucht niedrige Vorlauftemperaturen. Erreichbar sind die auch mit ausreichend großen Heizkörpern, oft genügt der Tausch in zwei oder drei kritischen Räumen. Der einfachste Test läuft über einen kalten Wintertag: Wenn die Wohnung mit 50 bis 55 Grad Vorlauf warm wird, ist eine Wärmepumpe technisch unkritisch.

Was ist eine gute Jahresarbeitszahl?

Im Bestand gelten 3,0 bis 3,5 als solide, in gut gedämmten Gebäuden mit Flächenheizung sind 4,0 und mehr erreichbar. Unter 2,5 wird der Betrieb bei üblichen Strom- und Gaspreisen teurer als eine Gasheizung. Die Zahl ist keine Geräteeigenschaft, sondern das Ergebnis aus Gerät, Auslegung, Heizflächen und Einstellung.

Lohnt sich noch eine neue Gasheizung?

Rechnerisch kann sie kurzfristig günstiger sein, langfristig trägt sie zwei Risiken: den steigenden CO2-Preis und die Frage, wie lange dein Ort noch ein Gasnetz betreibt. Eine Heizung läuft 20 Jahre, in denen sich beides ändert. Wer trotzdem tauscht, sollte die kommunale Wärmeplanung seines Orts kennen, bevor er unterschreibt.

Ist Fernwärme die einfachere Lösung?

Im Betrieb ja, im Vertrag nicht unbedingt. Es gibt keinen Anbieterwechsel, die Preise folgen den Preisgleitklauseln des Versorgers und die Laufzeiten sind lang. Entscheidend ist der Erzeugungsmix des jeweiligen Netzes, der zwischen weitgehend erneuerbar und überwiegend fossil alles abdeckt.

Wie hoch ist die Förderung?

Der Rahmen der vergangenen Jahre sieht eine Grundförderung plus mehrere Boni vor, in Summe bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten und begrenzt durch eine Höchstsumme je Wohneinheit. Die Sätze und Bedingungen werden regelmäßig angepasst. Prüfe den Stand vor Auftragsvergabe direkt bei der KfW oder beim BAFA, nicht in Artikeln.

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